Selten war die Gefahr so groß, keine neue Arbeit zu finden

Screenshot youtube.com Screenshot youtube.com

„Der Bericht der Arbeitsagentur zeigt nur begrenzt, was sich gerade am Arbeitsmarkt abspielt. Denn in den offiziellen Zahlen tauchen viele Erwerbslose überhaupt nicht auf: Corona-bedingte Jobverluste von Minijobberinnen und Solo-Selbständigen in der Gastronomie, im Veranstaltungsgewerbe oder in Kunst und Kultur zählen nicht in die Arbeitslosenstatistik. Ohne statistische Tricks sind derzeit tatsächlich 3,2 Millionen Menschen arbeitslos“, kommentiert Jessica Tatti, arbeitsmarkt- und sozialpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, den aktuellen Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit.

___________________

Von Jessica Tatti

___________________

Tatti weiter:

„Ziemlich klar ist, dass in der Omikron-Welle viele Beschäftigte erneut in Kurzarbeit kommen oder die Arbeitszeit reduzieren müssen, um ihre Kinder zu betreuen. Die Zahl der gemeldeten voraussichtlichen Arbeitsausfälle ist im Dezember und Januar deutlich gestiegen. Vorsichtig positiv bewerte ich, dass die neu gemeldeten Stellen im Januar wieder fast das Niveau vor Corona erreicht haben: Im Januar 2021 waren es 141.000, im Januar 2019 154.000 Stellen. Das führt aber nicht dazu, dass sich auch die Chancen für Langzeitarbeitslose verbessern. Deren Anteil an allen Arbeitslosen liegt mittlerweile bei über 40 Prozent, im März 2020 waren es noch 30 Prozent. Die Chancen, wieder eine Beschäftigung zu finden, sind weiterhin geringer als vor Corona.

Das ist ein schwerer Start ins Jahr 2022 – für die Beschäftigten, vor allem aber für Arbeitslose. Denn selten war die Gefahr so groß, keine neue Arbeit zu finden. Dass in dieser Situation der scheidende BA-Chef Scheele wild darüber spekuliert, ob ungeimpfte Menschen mit Sperren beim Arbeitslosengeld bestraft werden sollten, ist beschämend und lenkt von den wirklichen Problemen am Arbeitsmarkt ab. Gerade jetzt muss die materielle Absicherung für Arbeitslose, Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeiter verbessert werden. Denn akute Existenzängste dürfen die Arbeitsuche nicht zusätzlich belasten.“