Aufatmen bei Opferfamilien fast vier Jahre nach tödlichen Osteranschlägen

Ostern 2019 starben bei Bombenanschlägen auf drei Kirchen und drei Hotels in Sri Lanka über 250 Menschen. Bei den Familien der Opfer ist die Trauer um ihre Angehörigen bis heute groß. Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zugunsten der Opfer hat bei den Betroffenen nun neue Hoffnung darauf geweckt, dass das erlittene Unrecht von behördlicher Seite angemessen aufgearbeitet wird.

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Von Open Doors

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Hohe Geldstrafen gegen Ex-Präsident und Beamte

Am 12. Januar 2023 entschied der Oberste Gerichtshof Sri Lankas, dass der ehemalige Präsident Maithripala Sirisena und vier hochrangige Beamte insgesamt 310 Millionen sri-lankische Rupien (entspricht ca. 773.000 Euro) aus ihrem Privatvermögen als Entschädigung an die Familien der Opfer der Osterattentate zahlen müssen. In dem 85-seitigen Bericht des Obersten Gerichtshofs wird festgestellt, dass der Präsident und die damals verantwortlichen Beamten nichts unternommen haben, um die Anschläge zu verhindern; dabei hätten die Geheimdienste in den Monaten und Wochen vor dem 21. April 2019 (Ostersonntag) wiederholt vor dem Anschlag gewarnt.

Seit den Anschlägen haben die Anwaltskammer von Sri Lanka und die Familien der Opfer insgesamt 12 Petitionen eingereicht. In den vergangenen drei Jahren wurden mehrere Personen, die im Zusammenhang mit den Anschlägen verhaftet worden waren, auf Kaution freigelassen oder freigesprochen. Der Abschlussbericht der vom Präsidenten eingesetzten Untersuchungskommission wurde der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht, und die Behörden ergriffen keine konkreten Maßnahmen gegen die Personen, die in diesem Bericht als Verantwortliche genannt wurden. All diese Dinge stellten für die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer eine zusätzliche Belastung dar, bis das aktuelle Urteil des Obersten Gerichtshofs nun ein neues Kapitel zu eröffnen scheint.

Tod Hunderter Unschuldiger hätte verhindert werden können

Kardinal Malcolm Ranjith sagte im Gespräch mit Reportern einer örtlichen Nachrichtenagentur: „Aufgrund dieses Urteils erwarten wir, dass der Fall weiterverfolgt wird. Gerechtigkeit für die Opfer wird es nur geben, wenn die ganze Wahrheit ans Licht kommt. Diese Entscheidung ist nur ein Meilenstein auf diesem Weg.“

Ein lokaler Partner von Open Doors reagierte erfreut auf die jüngste Entwicklung: „Jetzt verstehen alle Bürger, dass diese Leute alle Informationen und die Macht hatten, den Tod Hunderter unschuldiger Menschen zu verhindern, aber beschlossen haben, nichts dagegen zu unternehmen. Dieses Urteil richtet sich zwar an die Menschen, die ihre Verantwortung vernachlässigt haben, aber es betrifft nicht die eigentlichen Täter, die sich zu dem Anschlag verschworen haben. Die Menschen haben noch so viele Fragen: Wer hat den Anschlag geplant? Warum waren Christen das Ziel? Solange wir keine Antworten haben, werden sich die Christen nicht sicher fühlen, und der Gerechtigkeit wird nicht gedient sein.“

Sri Lanka gehört aktuell nicht zu den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex 2023, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Als eines der „Länder unter Beobachtung“ belegt es in der Gesamtliste Platz 62.