Die wirkliche Entstehung der Staaten Italiens und Deutschlands

Screenshot Freie Presse

Das heutige Italien und Deutschland bestanden bis Mitte des 19 Jahrhunderts aus einer Vielzahl kleiner und größerer Monarchien: Die sehr wohl auch untereinander Kriege führten – zuletzt im Jahr 1866. Dabei verliefen die Gründungen der beiden Nationalstaaten in vergleichbaren Bahnen.

>>Klaus-Jürgen Bremm – 1866 Bismarcks Krieg gegen die Habsburger (Buch)<<

„Tatsächlich war die italienische Einigung nur ein geschickt arrangierter Eroberungszug gewesen und das neue Italien nichts anderes als ein nunmehr hoffnungslos überdehntes Piemont-Sardinien. Mazzini nannte es ein Trugbild, eine Parodie Italiens. Das Land war vergewaltigt, nicht geeinigt worden. Für die ehemaligen Untertanen von Francesco II. war die Gründung Italiens auch alles andere als eine Befreiung, denn sie brachte ihnen überhaupt erst eine neue Fremdherrschaft. Tausende von sogenannten Briganten zogen in die Berge und Wälder und kämpften noch jahrelang gegen die piemontesischen Besatzungstruppen. Es war ein blutiger Guerillakrieg, der so gar nicht zu dem offiziellen Einigungsjubel passte. Der neue Turiner Staat nutzte allein dem Großbürgertum und der rasch wachsenden Klasse von Fabrikanten. Für die sogenannten kleinen Leute brachte die zwangsweise Vereinigung dagegen nur höhere Steuerlasten und die Einführung der verhassten Wehrpflicht. Sie konnten nur die Faust in der Tasche machen oder in die Berge gehen. An den ersten allgemeinen Wahlen im Januar 1861 durften zudem wegen des hohen Zensus nur ganze zwei Prozent der Bevölkerung teilnehmen. Am 18. Februar traten die in allen Landesteilen gewählten Vertreter erstmals im Turiner Parlament zusammen. Nur fünf Tage früher hatte südlich von Rom die Hafenstadt Gaeta nach einer Belagerung von fast vier Monaten kapituliert. Mit seiner Gattin, einer bayerischen Prinzessin, ging König Francesco II. ins römische Exil, später dann nach Bayern und Tirol. Sein Königreich, von den Normannen gegründet, hatte nach über 700 Jahren zu bestehen aufgehört. Nur fünf Jahre später sollte es dem Königreich Hannover und zwei weiteren deutschen Staaten ebenso ergehen.“

 

>>Wikipedia<<

„1866, im Deutschen Krieg zwischen Preußen und Österreich, verlor das Königreich Hannover seine Unabhängigkeit. Die hannoversche Armee musste nach anfänglichen Erfolgen in der Schlacht bei Langensalza gegenüber den preußischen Truppen am 29. Juni 1866 kapitulieren. Preußen entthronte die Welfen, annektierte das Königreich Hannover und machte es zur Provinz Hannover. Das hannoversche Militär ging im preußischen X. Armee-Korps auf. Das Privatvermögen der Welfen wurde von Bismarck als so genannter Reptilienfonds zur Beeinflussung von Presseberichten und des immer geldbedürftigen bayerischen Königs Ludwig II. genutzt, ohne darüber dem Reichstag Rechenschaft abzulegen. Nach Sebastian Haffner (1985 und 2001) erhielt Ludwig II. für seine Privatschatulle 4.720.000 Goldmark aus dem Welfenfonds für die Zustimmung des Königreichs Bayern zur Gründung des Deutschen Reiches 1871.“

Die Entstehung der Staaten Deutschlands und Italiens stellen alles mögliche – aber definitiv keine glorreiche Geschichte da. Auch spätere Ereignisse des Ersten Weltkrieg und Zweiten Weltkrieg zeigen überdeutlich, dass sich keine kriegsführende Nation mit Ruhm bekleckert hat. Monarchen und Diktatoren haben bestenfalls mit viel Bestechungsgeld ihre Stühle geräumt – aber niemals freiwillig. Die wirtschaftliche Entwicklung und frühe Industrialisierung der Lausitz waren nur möglich: Da sie als ehemaliges österreichisches Staatsgebiet lange Zeit eine gewisse Autonomie inne hatte. Die meisten Staatslenker dachten in erster Linie nur an sich selbst, von denen ist auch heutzutage verhältnismäßig wenig zu erwarten.

 

 

 

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