Astronomie: Warum Wissenschaft & Religion eine Verbindung eingehen?

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Der Astronomieunterricht an staatlichen Schulen wird bestenfalls stiefmütterlich behandelt, was in vielen Fällen eher noch eine beschönigende Beschreibung darstellt. In den allermeisten Bundesländern findet schlicht kein Astronomieunterricht mehr statt. Einem ähnlichen Stellenwert in Puncto Astronomie ist auch in der allgemeinen Wissenschaft zu beobachten. Vielleicht dürfte es bei manchen Menschen deshalb ein bisschen Verwunderung auslösen: Beim Vatikan wird Astronomie sehr hochgehalten.

Astronomieunterricht an staatlichen Schulen: Polarstern, was soll das überhaupt sein?

>>Vatican News – Informationsportal des Heiligen Stuhls<<

„Die Ursprünge des Observatoriums reichen bis 1582 zurück. Die Sternwarte präsentiert unter www.vaticanobservatory.org ihre Geschichte und Forschungstätigkeit an den Standorten in Castel Gandolfo bei Rom und im US-Bundesstaat Arizona. Weiter umfasst das Angebot in englischer Sprache eine Artikel-Datenbank zu Wissenschaft und Glaube, einen Pressespiegel, Informationen für Wissenschaftler, einen Podcast sowie diverse Kalender für astronomische und akademische Ereignisse.“

„Vatican Observatory“ – „Ursprünge des Observatoriums reichen bis 1582 zurück“

Die Erforschung der Sterne kann beim Vatikan nicht nur auf eine lange Historie zurückblicken, sondern sie können eines der leistungsstärksten Sternarten ihr Eigen nennen. Die dort betriebene Wissenschaft wird auch vorbehaltlos anerkannt. Wissenschaft und Religiosität muss also zwangsläufig kein Widerspruch sein. Auch die Sorben wird kaum jemand mit Astrononmie in Verbindung bringen, aber alleine die Gründung der Bautzener Schulsternwarte sollte zu denken geben.

„Gründungsstermin der Bautzener Schulsternwarte“ – „Sie öffnete bereits am 20. Dezember 1872“

>>Förderverein der Schulsternwarte „Johannes Franz“ in Bautzen<<

„Der Gründungsstermin der Bautzener Schulsternwarte ist ein Kuriosum. Bis 1990 war als ihr Gründungstag in den Jahresberichten der Sternwarte stets der 16. April 1922 ausgewiesen. 1991 entdeckten Mitarbeiter des Stadtmuseums im Woerl’schen Stadtführer von 1893 im Stadtplan auf dem Gelände des Gymnasialgartens ein Sternwartengebäude, welches mit der Nummer 64 registriert war. Außerdem fand man im Stadtarchiv 1992 eine Akte des Stadtrates aus den Jahren 1871 bis 1904, wo auf 134 Seiten wichtige Daten zur frühen Sternwartengeschichte aufgezeichnet sind. Damit stand fest, die Bautzener Schulsternwarte ist älter, als bisher angenommen wurde. Sie öffnete bereits am 20. Dezember 1872, also vor über 140 Jahren ihre Pforten.“

Bautzen – Ein Ort mit großer Symbolkraft für das Sorbische Selbstverständnis 

Zu dieser Zeit war Bautzen noch überwiegend durch Sorben geprägt und die Wissenschaft Astrononmie vermutlich damals noch ein größeres Kuriosum als es in der Gegenwart der Fall zu sein scheint. Zumal die Stadt noch heute für das Sorbische Selbstverständnis eine große Symbolkraft hat.

„Bautzen (Sorbisch: Budyšin) gilt als politisches und kulturelles Zentrum der Sorbinnen und Sorben“

>>Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft<<

„Bautzen (Sorbisch: Budyšin) gilt als politisches und kulturelles Zentrum der Sorbinnen und Sorben, denn hier befindet sich der Sitz zahlreicher sorbischen Institutionen, darunter die Stiftung für das sorbische Volk, der Dachverband sorbischer Vereine und Vereinigungen Domowina, das Deutsch-Sorbische Volkstheater und das Sorbische National-Ensemble. Kein Wunder also, dass Bautzen auch liebevoll „die Hauptstadt der Sorbinnen und Sorben“ genannt wird.“

Bautzen: „Die Hauptstadt der Sorbinnen und Sorben“ 

Unweit von Bautzen ist der vielfach kleinere Ort Kleinbautzen gelegen und dort keine noch heute eine Art „Ur-Sternwarte“ besichtigt werden. Das Feldgebilde kann heute noch präzise die Winter- und Sommersonnenwende bestimmen.

„Ur-Sternwarte“ – „Seit wohl 10 000 Jahren steht in Kleinbautzen ein Felsgebilde“

>>Bild<<

„Seit wohl 10 000 Jahren steht in Kleinbautzen ein Felsgebilde. Mehrere Experten deuten dieses älteste sorbische Heiligtum u.a. als Ur-Sternwarte.“

„Mehrere Experten deuten dieses älteste sorbische Heiligtum u.a. als Ur-Sternwarte“

>>Ralf Herold<<

„Dieses Altbautzner Sonnenobservatorium ist älter als das weltberühmte Stonehenge in England oder die Himmelsscheibe von Nebra.

„Altbautzner Sonnenobservatorium ist älter als das weltberühmte Stonehenge in England“

Die „Ur-Sternwarte“ wurde bis ins 17. Jahrhundert hinein – meist heimlich – genutzt. Natürlich war darin auch eine religiöse Komponente verankert.

„Doch noch 1614 haben hier die Sorben an diesem wirkmächtigen Kult- und Oferplatz heimlich zu ihren alten Göttern gebetet“

>>Ralf Herold<<

„Doch noch 1614 haben hier die Sorben an diesem wirkmächtigen Kult- und Oferplatz heimlich zu ihren alten Göttern gebetet.“

Astronomie & Religiosität in moderner Zeit: Warum wird nochmal Silvester gefeiert?

Gerade dieser religiöse Aspekt steht häufig einer wissenschaftlichen Erforschung im Weg. Allerdings wurde dort vermutlich vornehmlich eine Feier zur Winter- und Sommersonnenwende vorgenommen und auch heutzutage wird ja Silvester gefeiert: Es wird also heutzutage eine Feier für die Astronomie abgehalten, damit die Erde eine Bahn um die Sonne zieht?