Zitat von Christopher Clark: „Wie die Schwerkraft das Licht, so beugt die Macht die Zeit.“ – Formen der Geschichtlichkeit oder Historizität und auf der anderen Seite das Studium der Geschichte an Universitäten. – Oder anders: Geschichtsschreibung und Geschichte ist nicht dasselbe. Besonders die Sorbische Geschichtsschreibung fällt sehr einseitig aus.

„Silber für Sklaven – Schätze des Mittelalters“ – „Düsteres Kapitel der Geschichte in der Lausitz“

 >>Radio Lausitz<<

„Die Sonderausstellung „Silber für Sklaven – Schätze des Mittelalters“ gibt erstaunliche Einblicke in ein düsteres Kapitel der Geschichte in der Lausitz. Damals seien Männer, Frauen und Kinder verkauft worden, … „

„Düsteres Kapitel der Geschichte in der Lausitz“- „Damals seien Männer, Frauen und Kinder verkauft worden“

Obwohl dieses Kapitel der Geschichte bekannt ist, wird es in der Geschichtsschreibung meistens ausgespart. Alleine schon eine zeitlich-begrenzte Sonderausstellung – und keine Dauerausstellung – ist vielsagend. Leider stellt es keinen Einzelfall dar.

„Name Berlin“- „Eine wendische Bezeichnung und bedeutet Siedlungsstätte im Sumpf“

>>Der Tagesspiegel<<

„Dennoch ist es nahezu skandalös, wie der slawische Anteil an der deutschen Geschichte bis heute verdrängt wird“, sagt … . Er arbeitet als Kurator am Wendischen Museum Cottbus und ist immer wieder von der Ahnungslosigkeit vieler Besucher überrascht. „Die glauben, dass der Name Berlin von Albrecht, dem Bären, kommt“, sagt er: „Dabei ist das eine wendische Bezeichnung und bedeutet Siedlungsstätte im Sumpf.“ … Die Deutschen sind später in die Lausitz gekommen.“ Noch 1843 seien 71 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Cottbus wendisch gewesen, sagt … – und überhaupt: „In allen 16 Bundesländern, allen 294 Kreisen und 107 kreisfreien Städten Deutschlands leben Menschen mit slawischen Wurzeln, wovon Familiennamen wie Wendt, Wende, Wendisch, Windisch, Wünscher, Konzack oder Noack zweifellos Zeugnis ablegen.“ Das Wendische sei eben Teil der deutschen Geschichte.“

„Skandalös, wie der slawische Anteil an der deutschen Geschichte bis heute verdrängt wird“

Viele Aspekte der Sorbischen Geschichte kommen entweder überhaupt nicht vor oder werden nur angerissen. Geschichtsschreibung und Geschichte ist keineswegs dasselbe. Der Christopher Clark hat diesen Aspekt schön erklärt.

Geschichtsschreibung: „Zeitliches Bewusstsein durch die Linse der Macht betrachtet wird“

>>Von Zeit und Macht von Christopher Clark (Buch) <<

„Wie die Schwerkraft das Licht, so beugt die Macht die Zeit. Dieses Buch zeigt, was geschieht, wenn zeitliches Bewusstsein durch die Linse der Macht betrachtet wird. Es befasst sich mit den Formen der Geschichtlichkeit, welche die Machthaber sich aneigneten und ihrerseits artikulierten. Mit Geschichtlichkeit oder »Historizität« meine ich keineswegs eine Lehre oder Theorie über den Sinn der Geschichtsschreibung, geschweige denn eine bestimmte Schule der historiographischen Praxis.“

„Eine Lehre oder Theorie über den Sinn der Geschichtsschreibung“

Um das Thema noch etwas komplexer zu gestalten: Auch die Perspektive nimmt eine wesentliche Rolle ein. Geschichtsschreibung aus Sichtweise eines Normalbürgers ist erstaunlicherweise eine recht junge Tugend.

„Geschichtsschreibung“ – „Erste, der eine Geschichte Deutschlands schrieb, in der das Volk die Hauptrolle spielt“

>>Die Entdeckung des Mittelalters – Geschichte einer Illusion von Peter Raedts (Buch) <<

„Heinrich Luden ist heute vergessen, doch Anfang des 19. Jahrhunderts war er der erste, der eine Geschichte Deutschlands schrieb, in der das Volk die Hauptrolle spielt. Sein Buch hat später vielen – und weitaus besseren – Historikern als Vorbild gedient, vor allem in Osteuropa. Der Philosoph David Hume verfasste eine Geschichte Englands, die so umstritten war, dass man die englische Geschichtsschreibung bis weit ins 19. Jahrhundert hinein als Reaktion auf sein Werk verstehen muss. Jules Michelet beeinflusst die französischen Historiker bis auf den heutigen Tag und seine Arbeit ist noch immer grundlegend für das Selbstverständnis der französischen Republik.“

Geschichte & Perspektivismus: Aus welcher Perspektive findet eine Geschichtsschreibung statt?

Heutzutage kommen Themen wie „Falschnachrichten“ oder „Desinformation“ überproportional vor. Ganze Portal beschäftigen sich teilweise mit nichts anderen. Dummerweise kommt man mit Begrifflichkeiten „wie einzige Wahrheit“ nicht wirklich weiter. Jeder Mensch wird stets hauptsächlich „seine Wahrheit“ aus jeweils „seiner Perspektive“ berichten. Das philosophische Konzept des Perspektivismus ist aber keineswegs neu, mutet aber aus „heutiger Perspektive“ vielleicht wie eine Neuigkeit an. Nichtsdestotrotz greifen einige sehr wohl Historiker es auf und setzen sich damit kritisch auseinander.

„Geschichtsschreibung“ – „Wenn wir von Griechenland sprechen, meinen wir oft eigentlich nur Athen“

>>Die Griechen von Alexander Rubel (Buch) <<

„Wenn wir von Griechenland sprechen, meinen wir oft eigentlich nur Athen. Die kulturelle und politische Dominanz Athens im 5. und 4. Jahrhundert hat dazu geführt, dass unsere Überlieferung in weiten Teilen – mittelbar oder unmittelbar – nur diese heimliche Hauptstadt der Griechen betrifft. Weite Teile der Geschichtsschreibung, die gesamte Staatstheorie und Philosophie der klassischen Zeit, stammen aus der Feder athenischer (oder dort ansässiger) Autoren. Auch der Großteil der bedeutenderen und längeren Inschriften aus dieser entscheidenden Epoche mit im engeren Sinne politischem Gehalt betrifft diese Stadt. Obwohl Athen in vielerlei Hinsicht (v.a. was die Ausbildung einer radikalen, auch untere Schichten einbeziehenden Demokratie betrifft) als repräsentativer Maßstab für die griechische Geschichte betrachtet werden kann, leitet der Mangel an (v.a. literarischen) Quellen für andere Städte und Gegenden Griechenlands den Blick des modernen Betrachters nicht selten in entscheidendem Maße in die Irre.“

„Geschichtsschreibung“ – „Kulturelle und politische Dominanz Athens im 5. und 4. Jahrhundert“

Inwieweit Autoren aus Griechenland – respektive Athen – die Maßstäbe der „Objektivität“ gewahrt haben, kann mal offen bleiben. Aus heutiger Sicht würde man vermutlich das Wort Interessenkonflikt anbringen. Die Interessenkonflikte können in der gegenwärtigen Juristerei ein entscheidendes Ausschlusskriterium darstellen. Eigentlich müsste genau dieser Konflikt mit widerstrebenden Interessen bei Historikern eine viel größere Rolle spielen. Deshalb ist die Forderung nach einer Sorbischen Universität mit Bildungsautonomie alles andere als unbegründet.

„Viele Sorben und Wenden fühlen sich in ihrer Lausitzer Heimat wie in einer Diaspora“

>>Lausitzer Rundschau<<

„Sorben und Wenden wollen eigene Uni – Viele Sorben und Wenden fühlen sich in ihrer Lausitzer Heimat wie in einer Diaspora. … Die Sorben und Wenden in der Lausitz fordern konkrete Schritte zum Erhalt ihrer Sprache und Kultur. … Eine andere Forderung betrifft die Gründung einer Universität der Sorben und Wenden in Bautzen und Görlitz. … Zugleich pochen die Initiatoren des Parlamentes auf Autonomie bei Bildung und Kultur mit eigener Budgetverwaltung, über die ein demokratisch legitimiertes Parlament verfügen soll. Konkret geht es um Kompetenz und Mitspracherecht bei der Schulnetzplanung, Einsatz von Lehrern und Lehrplaninhalten, die der Geschichte und Lage der Sorben und Wenden Rechnung tragen.“

„Gründung einer Universität der Sorben und Wenden in Bautzen und Görlitz“

Eine Sorbische Universität könnte ein Sorbisches Bild der Geschichte aus einer anderen Perspektive vermitteln. Schließlich ist an anderen – bestehenden – Universitäten die Fakultät für Geschichte hoch angesiedelt.