Was hat es mit den mysteriösen Ort „Rethra“ auf sich? Und was genau soll dieser Ort mit der Geschichte zu tun haben? – Immerhin wird der Standort eher im heutigen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern vermutet. Generationen von Historikern haben schon nach diesem Zentralheiligtum Rethra gesucht.

„Standbild zu Rethra mit Gold und Purpur geschmückt gewesen sein“

>>Lausitzer Rundschau<<

„Die Spur der Wendengötter führt nach Neubrandenburg  – Fast jeder Stamm hatte zu jener Zeit seine eigene Gottheit, die er anbetete. Manche Gruppen teilten sich auch einen Gott. Das und die naturgebundene Götterwelt der Slawen war den angestammten Christen nie geheuer, stand sie doch im Gegensatz zur eigenen religiösen Auffassung. Zur Abwehr christlicher Anfeindungen und Attacken bildete sich daher im östlichen Mecklenburg der slawische Lutizenbund, dessen Mittelpunkt und Zentralheiligtum Rethra war. Dort berieten die Priester über Krieg und Frieden, Recht und Ordnung und dort befand sich auch ein Tempel des Gottes Radegast, der wohl vornehmste der wendischen Götter, dessen Standbild zu Rethra mit Gold und Purpur geschmückt gewesen sein soll. Daneben hatten wohl noch weitere Götter in Rethra ihre Tempel.“

„Slawische Lutizenbund, dessen Mittelpunkt und Zentralheiligtum Rethra war“

Der mysteriöse Ort Rethra soll also nicht nur ein religiöses Heiligtum, sondern zugleich ein Ort für wichtige Politik gewesen sein. Besonders bei Fragen wie Krieg und Frieden hat er eine zentrale Rolle eingenommen.

„Der Tempel von Rethra auf der Fischerinsel in der Tollense gestanden habe“

>> Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern<<

„Daß der Tempel von Rethra auf der Fischerinsel in der Tollense gestanden habe, hat schon Beyer ausgesprochen; aber nach seiner Ansicht gab es außer dem Tempel Rethra auch einen Ort, eine civitas, welche Rethra genannt wurde. Diese civitas soll das ganze Land Wustrow, das spätere Land Penzlin, umfaßt haben. Gegen diese Auffassung Beyers war Manches einzuwenden. Namentlich ist hervorgehoben worden, daß Beyer’s ganze civitas Rethra auf dem Festlande und im alten Gau der Tolenzer liege, während doch Rethra nach den Angaben der Chronisten eine rein insulare Lage hatte und im Gau der Redarier lag. Rethra war ein gemeinschaftliches Heiligthum der Tolenzer und Redarier. Es geht dies aus mehreren Stellen der alten Schriftsteller hervor.“

„Rethra war ein gemeinschaftliches Heiligthum der Tolenzer“

Der genaue Standort des mysteriöse Ortes Rethra soll also demzufolge gefunden worden sein. – Inwieweit die Darstellung der Richtigkeit entspricht: Das kann hier mal offen bleiben. Auch die zeitgenössischen Schriften – sofern erhalten – sind mit Vorsicht zu genießen. Alle damaligen Chronisten haben Rethra niemals leibhaftig besucht und ihre Aufzeichnungen kommen also nur vom Hörensagen durch Dritte her. Auf alle Fälle hat der Ort insbesondere beim Slawenaufstand im Lutizenbund eine entscheidende Schlüsselrolle gespielt.

„Vor jedem Feldzug wurde Rethra konsultiert“

>>Invasion der Barbaren von Peter Heather (Buch) <<

„Interessant an diesen Beispielen einer aggressiven antichristlichen Haltung ist, dass sich die nichtchristliche Religionen selbst verändern mussten, wenn sie mit dem Christentum konkurrieren wollte. … Aber selbst bei den kulturell bedeutend homogeneren Elbslawen bewirkte die Gegnerschaft zum Christentum einen starken religiösen Wandel. Auch das neue Bündnis der Liutizen verbot nicht sämtliche Kulte, sondern erklärte einen – Rethra – zum höchsten und alle verbindenden. Jedermann musste den Priestern Abgaben leisten, vor jedem Feldzug wurde Rethra konsultiert, und von der gesamten Kriegsbeute erhielt das Heiligtum den Zehnten. Über die heidnischen Glaubensvorstellungen der Slawen vor der Christianisierung ist nicht viel bekannt, doch allein aus dem Bemühen, einen gemeinsamen Kult zu etablieren, um sich dem Christentum widersetzen zu können, kann man schließen, dass zuvor jede soziopolitische Gruppierung – jeder »Stamm« – ihre eigenen religiösen Riten und Praktiken hatte.“

„Über die heidnischen Glaubensvorstellungen der Slawen vor der Christianisierung ist nicht viel bekannt“

Die „Gegnerschaft zum Christentum“ wird in der heutigen Zeit bei zeitgenössischen Historikern sehr in den Vordergrund geschoben. Im diesem Sinne soll es demzufolge sich um einem rein religiösen Konflikt gehandelt haben. Trotz dieser einhelligen Meinung sprechen einige Tatsachen entgegen. Die religiösen Glaubensvorstellungen der Slawen gingen teils sehr weit auseinander. Mehr noch: Zu jener Zeit sind christliche Missionare völlig unbehelligt durch das Gebiet gereist und konnten bei ihrer Bekehrung einige Erfolge vorweisen.

„Cyrill und Methodius – Die Apostel der Slawen“

>>Sorbe.de<<

„Cyrill und Methodius, die Apostel der Slawen, sollen durch ihre Fürbitten vor Gott einen der mitgliederstärksten sorbischen Vereine stärken und die Arbeit des Vereins der katholischen Sorben unterstützen. Die 1862 begründete Vereinigung mit Sitz in Bautzen betet und arbeitet für den christlichen Glauben im sorbischen Volk sowie die Vertretung der sorbischen Interessen in der katholischen Kirche. Auch das international tätige Hilfswerk „Die Lausitz hilft“ zur Unterstützung Not leidender Menschen in Osteuropa ist eine Sektion des Cyrill & Methodius-Vereins.“

„Die Lausitz hilft“ – „Das international tätige Hilfswerk“

Die Cyrill und Methodius haben – vor – den großen Slawenaufstand gewirkt und werden noch heute von vielen Menschen verehrt. Dummerweise waren die beiden Apostel – aus damalige Sicht – die „falschen Christen“ gewesen. Als Vertreter der Orthodoxen Kirche wollten sie nicht so recht in den hiesigen Zeitgeist passen.

„Elbsorben“ – „Verfolgung und Vertreibung der orthodox gebliebenen Slawen“

>>Sachsen-Anhalt-Wiki<<

„890 kamen die Gebiete der Sorben und damit auch der Gau Nudzici an das Großmährische Reich. Damit setzte eine erneute Verfolgung und Vertreibung der orthodox gebliebenen Slawen ein. Viele Mönche und auch Priester verließen daraufhin das Kloster des Heiligen Pantaleon und gründeten in Liezkau (dem heutigen Leitzkau) das Kloster „Nowe Dupzk“ („Neu-Salfurt“).“

Im Kloster Dubzk sollen angeblich bis zu 60 sorbisch-orthodoxe Mönche gelebt haben

Das christliche Kloster wurde im Zuge dessen dem Erdboden gleich gemacht. Nicht viel anders ist den übrigen Christen zu dieser Zeit ergangen. Auch sie waren der Verfolgung ausgesetzt.

„Nach dem Tode Methods gewann wieder die deutsch-lateinische Gegenpartei die Oberhand“

>>Universität Graz (PDF-Datei) <<

„Nach dem Tode Methods gewann wieder die deutsch-lateinische Gegenpartei die Oberhand. Der slawische Gottesdienst wurde eingestellt, die Schüler wurden verfolgt, gefangen genommen und in die Sklaverei verkauft.“

„Der slawische Gottesdienst wurde eingestellt, die Schüler wurden verfolgt, gefangen genommen und in die Sklaverei verkauft“

Im Endeffekt haben die Slawen nicht nur eine sehr große religiöse Toleranz gehabt, sondern sie haben sogar den damals neuen Christentum offen gegenüber gestanden. Vielmehr ist es in dieser Zeit weniger um religiöse, sondern mehr um schnöde Machtfragen gegangen.

„Slawenaufstand der im Lutizenbund zusammengeschlossenen Stämme“

>>Bruckmann Reiseführer Mecklenburgische Seenplatte von Andreas Srenk (Autor), Ottmar Heinze (Buch) <<

„Der Slawenaufstand der im Lutizenbund zusammengeschlossenen Stämme bringt die christlich-germanische Tributherrschaft des Markgrafen Dietrich von Haldensleben zu Ende.“

„Slawenaufstand“ – „Tributherrschaft des Markgrafen Dietrich von Haldensleben zu Ende“

Es sollten tributpflichtiger – oder vereinfacht steuerpflichtige – Völker geschaffen werden. Gegen diesem Allmachtsanspruch hat sich breiter Widerstand geregt und der Tempel von Rethra hat höchstwahrscheinlich die Rolle eines übergeordneten Versammlungsortes eingenommen, wo der Lutizenbund ausgehandelt wurde.