Die sogenannten „Flyover Statesmanchmal auch „flyover country“ oder – wer möchte – Überflugland: Was haben Pflanzenschutzmittel mit jenen Begriff zu tun? Wenig und gleichzeitig sehr viel. Die Entscheidungsträger über den Einsatz von Pflanzenschutzmittel sind zumeist in urbanen Zentren heimisch, während die ländliche Bevölkerung ganz woanders wohnt. Worum handelt es sich also?

„Ich persönlich bin nie in einem Flyover State gewesen“

>>American Woman How I lost my Heimat und found my Zuhause von Gayle Tufts (Buch) <<

„The great American Poet Ralph Waldo Emerson lobte schon 1841 die jungfräuliche Unschuld der Midwestern States: »They have never been touched by an ocean.« Sie sind weit weg von den unendlichen Ozeanen Atlantik und Pazifik, weit weg von den Einflüssen, die über das Meer in die USA kommen. Und damit weit weg von allen liberalen und progressiven Einflüssen für die New York steht, und Hollywood und die Elite-Universitäten wie Harvard, Yale oder Stanford. Flyover States, wie Kansas oder Oklahoma, sind auch bekannt als »The Breadbasket of America«, der Brotkorb des Landes. Die hart arbeitenden Farmerfamilien haben seit 2014 einen Einkommensverlust von 36% hinnehmen müssen. … Hollywood und Serien wie Breaking Bad können manchmal doch inspirierend sein. Ich persönlich bin nie in einem Flyover State gewesen. Ich wollte immer nach Europa, wo Kunst, Kultur und die Beatles wohnten.“

„Die hart arbeitenden Farmerfamilien haben seit 2014 einen Einkommensverlust von 36% hinnehmen müssen“

Sicherlich mag die Bezeichnung „Flyover States“ eher für die USA gebräuchlich sein. Nichtsdestotrotz ist das Phänomen auch hierzulande anzutreffen. Es hat sich hier eine Art von Parallelgesellschaft herausgebildet.

„Flyover States“ – „Die von den Eliten nicht betreten und nicht verstanden werden“

>>Die unbequeme Wahrheit: Rede zur Lage unserer Nation von Gabor Steingart (Buch) <<

»Flyover States« nennen die Amerikaner jene Staaten des mittleren Westens, die von den Eliten nicht betreten und nicht verstanden werden, weil sich diese Führungspersonen hektisch zwischen Ost- und Westküste hin- und herbewegen: einmal New York/Los Angeles – und zurück. Man hat das Gefühl, dass auch die deutsche Elite, die sich zwischen Brüssel, Berlin und Paris in permanenten Gabelflügen befindet, das eigene Land mittlerweile als Flyover State betrachtet. Man weiß um den Niedergang der alten industriellen Herrlichkeit, aber man hört, spürt und fühlt sie nicht.“

„Flyover States“ -„Man hat das Gefühl, dass auch die deutsche Elite, die sich zwischen Brüssel, Berlin und Paris in permanenten Gabelflügen befindet“

Parallelgesellschaft – Das ist sicherlich ein hartes Wort und es schwingt dabei auch eine Form von Vorurteil mit. Allerdings das Überflugland lässt sich auch im Tiefflug beobachten. Da hierzulande viele Bahn-Hochgeschwindigkeitsstrecken gebaut wurden, fahren diese Züge häufig – ohne Halt – zwischen urbanen Großstadtzentren umher. Genau an dieser Stelle fangen die Wissenslücken bereits an: Was sich unter den Zug abspielt, scheint offensichtlich keine große Rolle zu spielen. Denn die Bahn ist einer – oder der größte – Verbraucher von Unkrautvernichtungsmitteln überhaupt.

„Auf Gleisanlagen der Bahn sorgt Pflanzenkontrolle durch Herbizide für eine sichere Fahrt“

>>Industrieverbands Agrar<<

„Auf Gleisanlagen der Bahn sorgt Pflanzenkontrolle durch Herbizide für eine sichere Fahrt. – Wenn die etwa 1 000 Tonnen eines ICE-Zugs mit 14 Waggons über die Gleise rasen und die Räder zu starken Schwingungen führen, muss das Schotterbett intakt sein. Es sind die unzähligen Hohlräume zwischen den einzelnen Steinen, die das enorme Gewicht der Züge und die Stöße wie ein Puffer abfedern. Werden sie durch Pflanzenteile verstopft, kann dies die Sicherheit der Züge erheblich gefährden. … Dass Unkräuter auf den Gleisanlagen der Bahn ein Sicherheitsrisiko sind, ist nicht neu. Schon 1931 wurde erstmals die chemische Unkrautbekämpfung durch eine Verordnung vorgeschrieben, um die Betriebssicherheit zu gewährleisten.“

Bahngleise: „Schon 1931 wurde erstmals die chemische Unkrautbekämpfung durch eine Verordnung vorgeschrieben“

Der großflächige Einsatz von Unkrautvernichtungsmittel bei der Bahn geht in der öffentlichen Debatte irgendwie immer unter. Da die Bahn keine Lebensmittel im Gleisbett produziert, muss sie nicht die sonst üblichen strengen Regeln der Landwirtschaft beachten. Aus der Perspektive der urbanen Großstadtelite sind es wohl eher Probleme des Überfluglandes und somit uninteressant. Insekten- und Unkrautbekämfpung werden einfach als rein landwirtschaftliche Thema betrachtet. Dabei wird der Borkenkäfer einfach ausgeklammert.

„Insektizideinsatz gegen Borkenkäfer – Der Einsatz von Insektiziden zur Borkenkäferbekämpfung“

>>Waldwissen.net<<

„Insektizideinsatz gegen Borkenkäfer – Der Einsatz von Insektiziden zur Borkenkäferbekämpfung ist grundsätzlich kritisch zu bewerten. Werden dennoch Insektizide eingesetzt, müssen verschiedene Punkte beachtet werden.“

Urbane Eliteidee des Urwaldes: Totholz und die explosionsartige Vermehrung des Borkenkäfers

Laut Sichtweise der urbanen Großstadtelite sollen die Wälder sich selbst überlassen und zu Urwäldern verwandeln. Dazu muss das Totholz liegen bleiben, was eine explosionsartige Vermehrung des Borkenkäfer nach sich zieht. Wenn eine bestimmte Bestandsgröße dieser Käferart erreicht ist: Dann greift er auch auf lebende Bäume über. Der Insektizideinsatz gegen Borkenkäfer im Wäldern stellt ebenso ein Nichtthema der urbanen Großstadtelite dar. Alleine beim direkten Vergleich der Wirklichkeit und die Eliten-Perspektive taucht eine enorme Diskrepanz auf. Die These einer Parallelgesellschaft ist also sehr greifbar. Allerdings gibt es auch eine Ausnahme und der Insektizideinsatz wird durch die urbane Großstadtelite allgemein als positiv bewertet.

Urbaner Stadtpark: „Explosionsartige Vermehrung – Diese heimischen Raupen sind gefährlich für Menschen“

>>T-Online<<

„Explosionsartige Vermehrung – Diese heimischen Raupen sind gefährlich für Menschen … Die Raupen sind nicht nur lästig – sondern zum Teil auch giftig für Menschen. … Zur Plage hat sich vielerorts auch der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) entwickelt. Anders als beim Schwammspinner (Lymantria dispar) können diese Raupen Menschen gefährlich werden – wegen ihrer feinen Gifthärchen.“

Urbaner Stadtpark: „Zur Plage hat sich vielerorts auch der Eichenprozessionsspinner“

Da der Eichenprozessionsspinner sich gerne auch im Stadtpark breit macht, wird er dort nicht gern gesehen: Zweifellos ist die Bekämpfung verständlich. – Aber es legt auch die Doppelstandards gegenüber der ländlichen Bevölkerung offen.