Bildung: Warum das Land der Dichter und Denker zum Land der Analphabeten verkommt

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In Weimar kann man ein Goethe-Schiller-Denkmal besichtigen: Es gilt als eines der bekanntesten Standbilder überhaupt in Deutschland. Und tatsächlich ist es nicht aus der blühenden Phantasie eines Bildhauers heraus entstanden, sondern die beide Schriftsteller pflegten wirklich eine innige Freundschaft zueinander. Doch gerade Goethe und Schiller werfen ein bizarres Licht auf das heutige Land der selbsternannten „Dichter und Denker“ .

Wer traut sich Fußstapfen von Goethe und Schiller zu treten?

Welche herausragenden Geister der Gegenwart trauen es sich eigentlich zu: In die Fußstapfen von Goethe und Schiller zu treten? Immerhin haben die beiden nahezu zur selben Zeit gelebt, obwohl es damals viel weniger Menschen auf der Erde gab. Denn zu ihrer Zeit lebten lediglich 1,5 Milliarden Menschen auf dem Planeten: Trotz der vielfach geringen Anzahl von Menschen hatte dieses Zeitalter solch große Schriftsteller hervorgebracht. – Es sollte eigentlich zu Denken geben.

Land der Dichter und Denker verkommt zum Land der Analphabeten

Wenn man nun dem Umkehrschluss vollziehen würde, dann müssten ja heute noch viel mehr „Goethes“ und „Schillers“ herumlaufen als zur damaligen Zeit: Nur in der praktischen Wirklichkeit ist genau das Gegenteil zu beobachten. Nervus Rerum: Das einstige Land der Dichter und Denker verkommt immer mehr zu einem Land der Analphabeten – und das im wörtlichen Sinne.

„Die Größenordnung des funktionalen Analphabetismus“

>>Bundeszentrale für politische Bildung<<

„Die Größenordnung des funktionalen Analphabetismus in Deutschland liegt somit bei 14,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung … „

Funktionale Analphabeten: „14,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung“

Das einstige Land der Dichter und Denker hat heutzutage mit ganz banalen Problemen zu kämpfen. Trotz obligatorischer Schulpflicht sind demnach solch katastrophale Bildungsergebnisse zu beobachten. Doch im Laufe der Zeit hat der quasi „Bildungs-Dauer-Notstand“ ein regelrechtes Eigenleben entwickelt.

„Drittklässler können nicht schreiben“

>>Der Tagesspiegel<<

„Berlins Drittklässler können nicht schreiben – Die Vergleichsarbeiten der Berliner Grundschüler sollten geheim bleiben.“

„Vergleichsarbeiten der Berliner Grundschüler sollten geheim bleiben“

Unliebsame Ergebnisse verschwinden also immer häufiger im „Giftschrank“ der Behörden und sind so der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Salopp ausgedrückt: Das staatliche Bildungssystem verträgt es immer weniger sein eigenes Ebenbild zu betrachten.

Schulpflicht: Es gibt kein Recht auf Bildung

Jedoch das Schöne an der Deutschen Sprache: Diese ist sehr genau in ihren Wörtern und Silben. Beim Recht auf Bildung respektive „Bildungsrecht“ und der „Schulpflicht“ handelt es sich um zwei grundverschiedene Begrifflichkeiten. Ein Analphabet kann die gesetzlichen Schulpflicht durchlaufen und danach noch immer noch nicht lesen und schreiben: Doch seine gesetzliche Verpflichtung – also die Schulpflicht – hat er dennoch erfüllt. Denn in Wirklichkeit bedeutet Schulpflicht: Nur die Anwesenheit in einem Schulgebäude. – Nicht mehr oder weniger. Hingegen das Recht auf Bildung ist nicht mal – auf dem Rechtsweg – einklagbar. Oder anders: Nahezu jeder kann das Gelände einer Universität – beim Tag der offenen Tür – betreten und anschließend behaupten: Er habe eine Universität besucht.

Wo gingen eigentlich Goethe und Schiller zur Schule?

Schulpflicht und Bildung sind also zwei grundverschiedene Begrifflichkeiten, die wenig miteinander zutun haben. Die besten Beispiele hierfür dürften Goethe und Schiller sein: Beide Dichter eint, dass sie nur eine rudimentäre Schulbildung genossen haben. Obwohl sich heutzutage viele staatliche Schuleinrichtungen mit ihrem Namen schmücken, ohne auf deren „schulischen Werdegang“ näher einzugehen. Immerhin könnte man den betreffenden Schulen zu Gute halten: Einbildung ist auch ein Form von „Bildung“ .

Warum Einbildung ist auch ein Form von „Bildung“ ist

Ohnehin ist das heutige Schulwesen von „Unbildung“ durchsetzt. Am Besten heben es die feinen Künste hervor. Musik, Malerei, Literatur und viele andere feinen Künste kann man nicht mit Gewalt jemanden aufzwingen. Das bewirkt mitunter sogar das Gegenteil. Auch die „Klassifizierung“ von Kunst nach „Schulnoten“ ist regelrecht Absurd. Wer will sich Anmaßen zu beurteilen: Was „gute“ und „schlechte“ Kunst sei? Viele Künstler gelangten erst nach ihrem biologischen Ableben zur Ruhm und Ehre. Beispiel: Der lange Zeit verkannte Maler Piet Mondrian musste seine Gemälde teilweise auf Pappe malen, erst viel später sollte er Berühmtheit erlangen und sogar seine eigene Kunstform begründen.

Musik – Malerei – Literatur nach „Schulnoten“ zu bewerten: Wer soll „gute Kunst“ definieren?

Bei einfachen mathematischen Aufgaben oder physikalischen Gleichungen gibt es in der Regel nur zwei Antworten: Entweder eine richtige oder falsche Lösung. Jedoch bei Musik, Malerei und Literatur sieh es ganz anders aus. Kunst und Kultur nach „Schulnoten“ zu bewerten: Das sollte eigentlich jeden vernünftig-denkenden Menschen auf die Palme bringen. Nach welchen objektiv-nachvollziehbaren Kriterien soll nach vermeintlich minderwertige und hochwertige Kunst eingeteilt werden? Und wer bitte schön sollte sich Anmaßen diese Kriterien festzulegen?

Schulsystem: Der Fisch stinkt vom Kopf an

Kurzum: Der Fisch stinkt vom Kopf an. Oder anders: Wenn bildungsferne Schichten ein staatliches Bildungssystem anführen wollen. Das amtierende Bildungsminister ihrem Doktortitel verlieren, weil sie bei ihrer Doktorarbeit plump abgeschrieben haben: Das gehört ja ohnehin schon zum guten-politischen Ton. Aber schon Karl Valentin wusste: „Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach.“- Bei solchen „Vorbildern“ ist das heutige Schulsystem eigentlich selbsterklärend.

„Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach“

>>Karl Valentin<<

„Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach.“

Wenn bildungsferne Minister und Lehrer ein Schulsystem lenken

Wenn bildungsferne Minister und Lehrer ein Schulsystem lenken wollen, können logischerweise am Ende keine hochgebildeten Kinder herauskommen. Bei vielen Lehrern ist auch anzumerken, dass sie hinter ihren unterrichteten Themen nicht wirklich stehen. Kommt noch der Bewertungsdruck durch Schulnoten hinzu, kann durch diese Gemengelage jedes kulturelle Verständnis zu den feinen Künsten regelrecht ausgetrieben werden. Denn dem „Zugang“ zur Musik, Malerei und Literatur muss jeder selbstständig finden. Daher ist es auch wenig verwunderlich: Das Niemand mehr in die Fußstapfen von Goethe und Schiller treten kann.

 

–W E R Β U Ν G–

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