„Erstaunliche Unverkrampftheit an den Tag“ – Was sagt die Bibel über die Kontaktschuld oder Sex aus? (2)

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Was soll eigentlich die Bibel über moderne Themen wie Kontaktschuld oder Sex aussagen? Antwort: Nicht das Geringste kann man darüber lesen. – Doch diese Aussage ist nicht ganz richtig. Die Sprache der Evangelien kommt an vielen Stellen sehr Unverkrampft daher und spiegelt erstaunlich aktuelle Begebenheiten wider.

„Früher einmal die Macht der Obrigkeit bloßgestellt wurde“

>>Alles-Lausitz.de<<

„Die Angst nehme bei immer mehr Menschen zu, falsch verstanden zu werden oder Applaus von der falschen Seite zu bekommen und „letztlich führt dieses Klima zur Konditionierung zum Opportunismus“, so Böhler, der bemängelt, dass früher einmal die Macht der Obrigkeit bloßgestellt wurde, nie jedoch die Kleinen! Nun werde der Kritiker subtil hinterfragt, nicht der Herrschende. Diese subtile Unterstellung habe aber eine lange Tradition der Zerstörung. … Wie anders könne er auch handeln, wenn Jesus bereits zum Dialog mit Zöllnern und Prostituierten aufgerufen und mit ihnen gegessen hat und diesen eher einen Platz im Reich Gottes zutraute als hochmütigen Hohepriestern und Pharisäern.“

„Jesus bereits zum Dialog mit Zöllnern und Prostituierten aufgerufen“

Auch heute wollen die neuzeitlichen „Hohepriester“ und „Pharisäer“ lieber unter ihres Gleichen bleiben. Die Begrifflichkeiten und amtlichen Titel mögen sich in den letzten rund 2.000 Jahren gewandelt haben, aber alles andere scheint Unverändert geblieben zu sein. Gerade das gewählte Mittel der „Kontaktschuld“ geht auf totalitäres Denken zurück. Schon Stalin hat an seinem Inlandsgeheimdienst unmissverständliche Befehle heraus gegeben. Beispiel: Beim deutschen Angriff auf die Sowjetunion sind alle deutschstämmigen Bewohner pauschal – ohne eigene Schuld – ins Visier geraten.

„Immer wiederkehrenden Vorwürfe liefen auf die „Kontaktschuld“ hinaus“

>>Stalin – Eine Biographie von Klaus Kellmann (Buch) <<

“ … der NKWD-Befehl zur Verhaftung aller in Rüstungsbetrieben arbeitenden Deutschen um die Wolgadeutschen erweitert. Die immer wiederkehrenden Vorwürfe liefen auf die „Kontaktschuld“ hinaus, einem aus den Inquisitions- und Hexenprozessen des Spätmittelalters bekannten Rechtsgrundsatz, der die Nicht-Denunziation unter Strafe stellt. Damit war praktisch jeder jedem ausgeliefert und brüderliche Hilfeleistung bedeutete den Tod. Auch hier ging es um das Kriminalisieren aller sozialen Beziehungen. In der staatlich gelenkten Presse wurden alle Deutschen zu „Spionen“ erklärt.“

Kontaktschuld: „Um das Kriminalisieren aller sozialen Beziehungen“

Mit der „Kontaktschuld“ lassen sich soziale Beziehungen kriminalisieren. Nicht das Argument steht im Vordergrund, sondern die sozialen „Kontakte zu Menschen“ sind ausschlaggebend.

Kontaktschuld: „Klassisches Pseudoargument und jedenfalls im Strafverfahren zur juristischen Beweisführung ungeeignet“

>>Die Angst der Eliten von Paul Schreyer (Buch) <<

„Denn die Methode, jemanden nicht wegen seiner eigenen Äußerungen zu kritisieren, sondern wegen seiner Kontakte zu Menschen, deren Haltung einem missfällt – Stichwort »Kontaktschuld« –, ist selbst ein Merkmal totalitären Denkens.

Auf Wikipedia heißt es zum Begriff Kontaktschuld:

»Statt den Diffamierten selbst zu zitieren, sein Handeln zu charakterisieren, seine Beweggründe zu nennen, werden Orte, an denen er sich aufgehalten, oder Personen, mit denen er gesprochen hat, (…) politisch verdächtigt und sodann ein Rückschluss auf die politische Einstellung des Angegriffenen selbst gezogen. (…) Somit ist das Kontaktschuld-Konstrukt (…) ein klassisches Pseudoargument und jedenfalls im Strafverfahren zur juristischen Beweisführung ungeeignet, weil es nicht auf Tatsachen beruht.«

In der Debatte rund um alternative Medien und im Kampf um die Deutungshoheit der etablierten Zeitungen und Sender wird mittlerweile häufiger versucht, Kritiker mittels Kontaktschuld auszugrenzen.“

„Kritiker mittels Kontaktschuld auszugrenzen“

Natürlich ist die Kontaktschuld als ein klassisches Pseudoargument anzusehen. Nur weil sich jemand als Biologe oder interessierte Privatperson für Schimpansen interessiert, ist dieser logischerweise nicht selbst zum Schimpansen geworden. Aber genau auf dieser Basis läuft vielfach die ganze Argumentation ab. Schon in der Bibel sind entsprechende Passagen über die „Kontaktschuld“ zu finden. Sogar Jesus Christus wurde persönlich dafür kritisiert, dass er sich mit den sogenannten „Abschaum“ der damaligen Zeit und zwar mit Zöllner und Huren abgab.

„Die Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Himmelreich kommen denn ihr“

>>Bibeltext.com<<

„Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Die Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Himmelreich kommen denn ihr. Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und ob ihr’s wohl sahet, tatet ihr dennoch nicht Buße, daß ihr ihm darnach auch geglaubt hättet. … Und da die Hohenpriester und Pharisäer seine Gleichnisse hörten, verstanden sie, daß er von ihnen redete. Und sie trachteten darnach, wie sie ihn griffen; aber sie fürchteten sich vor dem Volk, denn es hielt ihn für einen Propheten.“

„Da die Hohenpriester und Pharisäer seine Gleichnisse hörten, verstanden sie, daß er von ihnen redete“

In der Bibel sind vielfach – teils weit ausholende – „Gleichnisse“ niedergeschrieben, wo die damalige Obrigkeit kritisiert wird, ohne deren Namen offen auszusprechen. Sicherlich mag die Zeit der „Hohenpriester und Pharisäer“ vorbei sein, aber heutige Äquivalent dürfte leicht zu finden sein. Offensichtlich stellt sich die Bibel als ein recht aktuelles Buch heraus. Auch andere schlüpfrige Themen werden beim genauen Lesen recht deutlich angesprochen.

„Jesus und der Sex passen scheinbar nicht zusammen. Oder vielleicht doch?“

>>radio klassik Stephansdom <<

„Der intime Jesus. „Jesus und der Sex passen scheinbar nicht zusammen. Oder vielleicht doch?“, so fragt Andrew Doole, Professor am Institut für biblische Studien in Innsbruck. Gerade im Johannesevangelium findet er Geschichten mit einem erotischen Unterton: Jesus unterhält sich mit einer Frau am Brunnen (Joh 4). „Die Brunnen waren die Single-Bars der Antike“, erklärt Doole.“

„Jesus der Evangelien jedenfalls legt eine erstaunliche Unverkrampftheit an den Tag“

Die Ausdrucksweise mag aus heutiger Sicht etwas gewöhnungsbedürftig sein: Dennoch geben die Evangelien in der Bibel eine erstaunlich offene Sprache wieder. Mehr noch: Jesus hat ganz offen die Nähe von Prostituierten – und anderen Ausgestoßenen der Gesellschaft – gesucht. Das hat ihn schon zu Lebzeiten in Konflikt mit der damaligen Obrigkeit gebracht.

 

–W E R Β U Ν G–

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