Dresden und Wrocław: Warum die Zugverbindung ständig vor dem Aus steht

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Fast vier Stunden quält sich der Zug zwischen Dresden und Wrocław über die Gleise. Besonders schnell ist das nicht. Doch immerhin gibt es eine direkte Zugverbindung zwischen beiden Partnerstädten. Da­mit könnte nun aber in wenigen Wo­­chen Schluss sein: Dresden wird sehr wahrscheinlich einen weiteren der wenigen verbliebenen internationalen Bahnanschlüsse verlieren. Seit 2009 pendelt zwischen Dresden und Wrocław dreimal täglich ein als Ex­press deklarierter Nahverkehrszug – ab­gesehen von einer dreivierteljährigen Un­terbrechung im Jahr 2015. Im De­zember läuft jedoch der mit der polnischen Seite geschlossene Vertrag über die Di­rekt­ver­bindung aus. Und bisher, so bestätigt der auf deutscher Seite für die Strecke mit zuständige und in Bautzen ansässige Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon), ge­be es von polnischer Seite keine klaren Signale, das Angebot fortzuführen. „Die Zukunft ist völlig offen“, sagt Zvon-Sprecherin San­dra Trebesius.“ Allerdings bei genauer Betrachtung ergibt sich ein ganz anderes Bild: Die Gründe, warum die Strecke tatsächlich ständig vor den Aus steht, liegen ganz woanders.

>>Sächsische Zeitung<<

„Dem polnischen Internetportal „Gazeta Wroclawska“ zufolge ist auch diesmal die polnische Seite nicht bereit, finanzielle Forderungen der Länderbahn zu erfüllen. Das Unternehmen mit Sitz im niederbayerischen Viechtach ist mit dem Betrieb der Bahnverbindung betraut, bedient sich für die grenzüberschreitenden Züge aber der Deutschen Bahn AG (DB) als Juniorpartner. Die Triebwagen der DB sind für das polnische Bahnnetz ausgerüstet, die Trilex-Fahrzeuge der Länderbahn nicht. Doch selbst wenn Sachsen, Niederschlesien und die Länderbahn auch diesmal eine finanzielle Lösung finden, ist mit der umsteigefreien Verbindung bald Schluss. Nach SZ-Informationen will Polen die grenzüberschreitenden Dieseltriebwagen nur noch bis Wegliniec (Kohlfurt) fahren lassen. Dort sollen Fahrgäste umsteigen in polnische Elektro-Triebzüge nach Breslau.“

Hintergrund: Im Gegensatz zu Polen – fehlt auf Deutscher Seite – bis heute eine Oberleitung. Wann die Bauarbeiten dazu beginnen sollen, steht indes noch in den Sternen. Der Einsatz von Dieseltriebwaagen, ist deswegen für eine Direktverbindung unerlässlich, weshalb die Zugverbindung auch so häufig vor den Aus steht. Selbst die Instandhaltung der – seit DDR-Zeiten bestehenden Strecke – läuft auf Sparflamme. Die meisten Bahnhöfe sind ohnehin geschlossen, die dazugehörigen Fenster verbarrikadiert und die Außenwände zieren bunte Graffitis. Alles andere an den Gebäuden ist mausgrau, heruntergewirtschaftet und kaputt. Unterführungen sind schlecht beleuchtet und riechen nach Urin. Toiletten sind auf der gesamten Strecke kaum vorhanden. Der Gesamteindruck vieler Bahnhöfe, vermittelt das Gefühl, von kriegsänlichen Zuständen. Auf den Schienenweg selbst, sieht es kaum besser aus: Langsamfahrstellen sind keine Seltenheit und anscheinend schon im Fahrplan mit eingerechnet. Die Fahrt mit den Bummelzug, zieht sich so natürlich in die Länge. Während der ausgiebigen Zugfahrt, können nebenbei die Erfolge des „Aufbau Ost“ besichtigt werden. Neben vielen baufälligen Bahnhöfen, gibt es zahlreiche verfallene Industriebrachen zu besichtigen. Angesichts dessen, lässt sich das Wort „Geisterbahn“ auch anders definieren.

 

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