„Arbeit, Identität und Heimat, Landfraß“ – „Der singende Baggerführer wusste, was Braunkohle für die Region bedeutete“

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Bleiben Sie hier! In der Lausitz haben Sie exzellente Perspektiven“ – Diese Rufe eines Ministers an Studenten hören sich doch sehr nach großer Verzweiflung an? Die neue Berufsperspektive der Lausitz könnte Abwanderung lauten? Tatsächlich denken viele Menschen darüber nach und überwiegend wird nur sehr einseitig über das Lausitzer Revier berichtet: Denn die Bedeutung von Braunkohle für die Lausitz hat noch eine ganz andere Seite.

„Über die Lausitz redet niemand“

>>Welt<<

„Über die Lausitz redet niemand. Die Grube, die Gundermann besungen hat, ist heute ein See. Der Tagebau, der ihn berühmt gemacht hat, frisst sich weiter in die Landschaft. … Der singende Baggerführer wusste, was Braunkohle für die Region bedeutete. Arbeit, Identität und Heimat, Landfraß, sterbende Dörfer, Dreck und früher Tod.“

„Arbeit, Identität und Heimat, Landfraß“ – „Der singende Baggerführer wusste, was Braunkohle für die Region bedeutete“

Der singende Baggerführer Gerhard Rüdiger „Gundi“ Gundermann ist weit über die Grenzen der Lausitz – schon zu DDR-Zeiten – bekannt geworden und hat stets die zwei Seiten des Lausitzer Reviers betont. Daran hat sich bis in die Gegenwart wenig geändert, was Umfragen recht eindrucksvoll belegen.

„Jede fünfte junge Frau in der Lausitz will wegziehen“

>>Radio Lausitz<<

„Jede fünfte junge Frau in der Lausitz will wegziehen – „Das Ergebnis war ernüchternd. Für jeden zehnten Lausitzer ist es wahrscheinlich, dass er in den nächsten zwei Jahren die Region verlässt. Bei den jungen Leuten zwischen 18 bis 39 wollen sogar knapp die Hälfte weg, bei den Frauen jede Fünfte“, sagte Studienleiter … der Deutschen Presse-Agentur.“

„Bei den jungen Leuten zwischen 18 bis 39 wollen sogar knapp die Hälfte weg“

Solchen Zahlen lassen natürlich aufhorchen. Deshalb sind die gefühlt hysterischen Rufe eines Ministers leicht zu verstehen: „Bleiben Sie hier! In der Lausitz haben Sie exzellente Perspektiven

„Bleiben Sie hier! In der Lausitz haben Sie exzellente Perspektiven“

>>Sächsische.de<<

„Bleiben Sie hier! In der Lausitz haben Sie exzellente Perspektiven“  … „Die Lebensbedingungen hier sind hervorragend und werden insbesondere durch die Milliarden für den Strukturwandel noch weiter verbessert.“ Aber vor allem sei die Lausitz eine Region der Chancen, in der viel im Wandel ist und Neues aufgebaut werden kann. „Trauen Sie sich und packen Sie selbst mit an“, so der Minister.“

Was, wenn der Glaube an „Wandel“ & „Neues“ fehlt?

Das Lausitzer Revier kann eben nicht nur gut bezahlte Industriearbeitsplätze, sondern eben auch günstige Energie für das verarbeitende Gewerbe bieten. Diese andere Seite der Medaille konnte der singende Baggerführer Gerhard Rüdiger „Gundi“ Gundermann noch besingen, aber diese kommt in der öffentlichen Wahrnehmung heutzutage kaum noch vor. Diese Abwanderung wirkt sich auch auf das Leben der Sorben aus.

„Die Sorben haben mit einer massiven Abwanderung aus beruflichen Gründen zu kämpfen“

>>Eberhard Karls Universität Tübingen<<

„Die Sorben haben mit einer massiven Abwanderung aus beruflichen Gründen zu kämpfen. Maßgeblich ist hierfür der ein Strukturwandel, welcher sich durch den Kohleausstieg noch deutlich verschärft hat. Die Braunkohle bzw. Tagebau war und ist ein wichtiger Arbeitgeber für die Sorben und hat die Lausitz stark geprägt.“

„Braunkohle bzw. Tagebau war und ist ein wichtiger Arbeitgeber für die Sorben“

>>Technische Universität Dresden<<

„Die Sorgen der Sorben – Das größte Problem sei jedoch die massive Abwanderung vieler Sorben aus beruflichen Gründen. Abseitig aller Finanzierungsfragen ist dies wohl das größte Problem der kleinen Kultur.“

„Das größte Problem sei jedoch die massive Abwanderung vieler Sorben aus beruflichen Gründen“

Auch Sorben müssen irgendwo arbeiten und wollen sich auf beruflicher Ebene verwirklichen: Sicherlich hört es sich vielleicht nach einer banalen Erkenntnis an, aber diese wird in der heutigen Zeit kaum noch ausgesprochen.