Verdrängte Geschichte: „Urväter der deutschen Sozialdemokratie sich für ein waffentragendes Volk einsetzte“

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Kaum eine andere Partei als die SPD spricht sich so energisch gegen privaten Waffenbesitz aus. Dabei war es einmal ganz anders. Sogar Bündnis 90/Die Grünen setzte sich in ihren Anfangsjahren für eine bewaffnete Volksmiliz ein. Beide Parteien eint heutzutage der Gedanke: Das sie ihre eigene Geschichte am liebsten vergessen machen wollen. Einst gehörten Sozialdemokratie und Waffenbesitz zusammen und dieses Verständnis rührt aus der Volkssouveränitätsprich: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ – her.

„Jeder Preuße ist nach dem vollendeten zwanzigsten Jahre berechtigt, Waffen zu tragen“

>>Katja Triebel <<

„Während der Märzrevolution von 1848 wurde die Volksbewaffnung gefordert. Diese Volkswehr entsprach dem Gedanken der Französischen Revolution und beruhte auf dem Staatsverständnis der Volkssouveränität. Beispielhaft hierfür ist etwa Art. 26 des Entwurfs der Verfassungsurkunde für den preußischen Staat vom 26. Juli 1848: „Jeder Preuße ist nach dem vollendeten zwanzigsten Jahre berechtigt, Waffen zu tragen. Die Ausnahmefälle bestimmt das Gesetz.“

„Während der Märzrevolution von 1848 wurde die Volksbewaffnung gefordert“

Zu jener Zeit spiegelt sich solche Positionen als Konsens der Gesellschaft wider. Die damals noch junge Sozialdemokratie schwamm auf dieser Welle mit. Auch die berühmten SPD-Gründerväter August Bebel und Wilhelm Liebknecht setzten sich nicht nur für das Waffenrecht ein, sondern deren Forderungen gingen noch viel weiter.

SPD-Geschichte: August Bebel und Wilhelm Liebknecht setzten sich für eine „Volksbewaffnung“ ein

>>Schützenvereins 1990 e.V. Hoyerswerda (PDF-Datei) <<

„August Bebel und Wilhelm Liebknecht, die Gründer der deutschen Sozialdemokratie, kämpften als entschiedene Gegner des preußischen Militarismus zusammen mit dem Internationalen Arbeiterkongress zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die „Volksbewaffnung“ nach dem Vorbild der Schweizer Milizarmee.“

SPD-Geschichte: August Bebel und Wilhelm Liebknecht war der Obrigkeitsstaat suspekt

Eine Milizarmee – nach Schweizer Vorbild – setzt sich aus waffentragenden Bürgern zusammen. Zwar versucht sich die heutige Bundeswehr selbst einen vergleichbaren Anstrichmit Staatsbürger in Uniform – zu geben, aber eine richtige Milizarmee war sie nie gewesen. So richtig als „Staatsbürger“ scheint die Bundeswehr das eigene Volk wohl selbst nicht zu sehen: Denn das Recht eine Waffe zu tragen: Das ist praktisch verboten, obwohl es als eine der bürgerlichsten Freiheiten überhaupt gilt.

„Das Recht, Waffen zu besitzen galt früher auch hierzulande als Ausdruck bürgerlicher Freiheit“

>>Marcus Pretzell<<

„Das Recht, Waffen zu besitzen galt früher auch hierzulande als Ausdruck bürgerlicher Freiheit. Wie selbstverständlich gehörte es zum Forderungskatalog der Märzrevolutionäre die sich wiederum an der Schweizer Eidgenossenschaft und den Vereinigten Staaten von Amerika orientierten. Den Herrschenden war die Idee eines selbstbewussten und bewaffneten Volks dagegen ein Gräuel – Fürsten und Militärs verhinderten zunächst ein liberales Waffenrecht, während August Bebel, einer der Urväter der deutschen Sozialdemokratie sich für ein waffentragendes Volk einsetzte.“

„Den Herrschenden war die Idee eines selbstbewussten und bewaffneten Volks dagegen ein Gräuel“

Die Märzrevolution von 1848 ging keineswegs als „unblutiges Ereignis“ in die Geschichte ein: Mit friedlichen Protest wäre zu dieser Zeit sowieso nicht viel zu erreichen gewesen. Zwar gab es auch fortschrittliche kleinere Fürstentümer, aber die große Hegemonialmacht Preußen ließ da kaum Mitspracherecht zu. Die Idee kein Blut sehen zu können, das dürfte ohnehin eine moderne Zivilisationskrankheit sein: Denn der große Sozialdemokrat Ferdinand Lassalle war in diesen wichtigen Punkt ganz anderer Ansicht: Er ist nach einer Niederlage bei einem Pistolenduell gestorben: Er selbst hatte das Duell gefordert.

 

–W E R Β U Ν G–

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