„Wer für die Leag arbeitet stellt etwas dar – Der gehört zu den Spitzenverdienern in der Lausitz“

Screenshot leag.de

Die Abwicklung der Kohleindustrie: „Wird man den Leuten hier irgendwann sagen müssen, dass Strukturbrüche eben dazugehören und es nicht immer eine Entschädigung dafür gibt?“ So eine Aussage oder genauer gesagt Frage, um das vermeintliche Projekt „Strukturwandel“ . Die offizielle Kommission dazu nennt sich „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ . So richtig scheinen die Kommissare im fernen Berlin, selbst daran nicht zu glauben. Ungeachtet dessen: Die Arbeitsplätze bei der Leag sind gut bezahlte und sichere Arbeitsplätze in der Lausitz. Und genau diese, sind in der Lausitz spärlich gesät.

>>Zeit<<

„Proft, 29, ist gelernter Aufbereitungsmechaniker. Er arbeitet in der Lausitz, „in der Braunkohle“, wie man das hier nennt. Und er sagt: Bei ihm, in seinem Freundes- und Bekanntenkreis, gebe es niemanden, der sage: Schluss mit der Kohle! Ja, man habe richtig gehört: niemanden. Er kenne wirklich keinen einzigen Kohlegegner. In der Lausitz, wo Proft im Tagebau Welzow-Süd nahe dem Städtchen Spremberg arbeitet, trifft man tatsächlich auf lauter Menschen, die ein baldiges Ende der Kohlenförderung für weltfremd halten. Die nicht verstehen können, was sie aus Medienberichten erfahren: dass es einer Mehrheit der Menschen in Großstädten wie Köln oder Potsdam gar nicht schnell genug gehen kann mit der Energiewende und mit dem Ende der Kohlenförderung. Und so stellen sich in der Lausitz Fragen zur Klimapolitik, die weniger partikular sind als die nach unnötigen Urlaubsflügen: Warum sollen die Leute hier akzeptieren, dass ihre Existenzgrundlage geopfert wird? Beziehungsweise: Warum sollen sie bezahlen, ohne etwas Gleichwertiges dafür zu bekommen? Und wie hoch sind die politischen und sozialen Kosten, wenn so ein Ausgleich nicht gelingt? „Lausitz“: Wer dieses Wort in Gegenwart ostdeutscher Bundes- oder Landespolitiker fallen lässt, kann förmlich sehen, wie ihnen die Gesichtszüge entgleiten. Die Lausitz – gelegen im Südosten der Republik zwischen Brandenburg und Sachsen – ist mehr als eine Region, um die sie sich sorgen. … Seit 1850 graben sie in der Lausitz die Erde um, noch heute arbeiten 8000 Menschen für die Leag, die Lausitz Energie Bergbau AG, den viertgrößten deutschen Energieversorger. Außerdem bis zu 16.000 Menschen, die als Dienstleister oder Zulieferer von der Braunkohleindustrie abhängig sind. … Die Kohleindustrie ist hier mit Abstand der wichtigste und größte Arbeitgeber. Für Löhne und Gehälter bringt die Leag jährlich 550 Millionen Euro auf. Es müssten sich sehr schnell große Firmen in der Gegend ansiedeln, um das auszugleichen. In den zurückliegenden 30 Jahren ist aber eher das Gegenteil passiert. Ganze Industrien sind verschwunden, statt dass neue entstanden wären: die Glasindustrie gibt es in der Lausitz nicht mehr, die Textilindustrie ebenso wenig. Geblieben ist: die Kohle. Sie schafft nicht nur Wohlstand für Leute wie Thomas Proft, den Vorarbeiter in Welzow-Süd. Sie hat auch schon Wohlstand geschaffen für Profts Großvater, der Rampenfahrer im Tagebau Scheibe war. Genauso wie für Profts Vater, der im Lager der Leag arbeitet, und für seinen Bruder, der in der Brikettfabrik tätig ist. Fast alle Männer der Familie leben von der Kohle. Und Familien wie seine, sagt Thomas Proft, gebe es hier viele. Wer für die Leag arbeitet, stellt etwas dar. Der gehört zu den Spitzenverdienern in der Lausitz. 3000 bis 3500 Euro netto kann ein Baggerfahrer im Tagebau im Monat verdienen, das Durchschnittsgehalt in mancher Kleinstadt hier ist nicht einmal halb so hoch. Es geht bei der Debatte um die Braunkohle deshalb nicht nur um irgendwelche Arbeitsplätze, es geht um gut bezahlte Arbeit, die ihresgleichen sucht in diesen Breiten.“

 

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