Verwirrspiel um Namen von Ober- und Niederlausitz: Warum es sich negativ auf die Tourismusförderung der Lausitz auswirkt?

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Sind wir in der Nieder- oder doch schon in der Oberlausitz angekommen? Und wo soll eigentlich die Grenze verlaufen? Und überhaupt, welchen Sinn wird mit den verwirrenden Namenspiel bezweckt?

Verwirrspiel um Namen von Ober- und Niederlausitz: Warum selbst ortskundige Lausitzer bei solchen Fragen ins schwimmen kommen?

Nicht nur Touristen, sondern sogar ortskundige Lausitzer kommen bei solchen Fragen arg ins schwimmen. Die Frage ist mitnichten einfach zu beantworten. Zumal es sich gerade in heutiger Zeit mit einschlägigen Namen einem erheblichen Nachteil darstellt. Zu allen Überfluss: In der Vergangenheit waren solche Probleme unbekannt. Es gab nur die Lausitz.

Ungeteilte Lausitz: „Der Dreißigjährige Krieg beendete die böhmische Herrschaft über die Lausitz“

>>Branchenbuch Lausitz<<

„Der Dreißigjährige Krieg beendete die böhmische Herrschaft über die Lausitz. 1636 fällt sie an den Kurfürsten von Sachsen.“

Ungeteilte Lausitz: „1636 fällt sie an den Kurfürsten von Sachsen“

Auch nach dem Wechsel zum Kurfürsten von Sachsen ist es bei der Lausitz geblieben. Die Entstehung der Grenze von Ober- und Niederlausitz ist beim Wiener Kongress festzumachen.

Warum es beim Wiender Kongress zur Zweitteilung der Lausitz kam

>>1813 – Die Völkerschlacht und das Ende der alten Welt von Andreas Platthaus (Buch) <<

„Die Alliierten erkannten Frankreich ohne Einschränkungen als gleichberechtigten Partner an – am deutlichsten war dies während des Wiener Kongresses zu beobachten, auf dem seit dem 14. September 1814 über die territoriale Neuordnung Europas nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft beraten wurde. Eigentlich hätte Frankreich nur im Ausschuss für die gesamteuropäischen Angelegenheiten als eine von fünf Großmächten beteiligt sein sollen, aber dann nahm es auch eine wichtige Position im zweiten Ausschuss ein, der sich speziell um die deutsche Frage kümmerte. Diese Entwicklung war für das Königreich Sachsen von größter Bedeutung, denn Frankreich konnte kein Interesse daran haben, Preußen übermäßig erstarken zu sehen, also wirkte es im Verbund mit Österreich und dem gleichfalls skeptischen Großbritannien gegen die weiterhin von Russland unterstützten Pläne Friedrich Wilhelms III., Sachsen als Ganzes zu annektieren.  Als der Widerstand der anderen drei Großmächte deutlich wurde, rückte Friedrich Wilhelm von seiner Maximalforderung ab, verlangte aber, dass auf jeden Fall die Stadt Leipzig mit weiteren sächsischen Gebieten an Preußen fallen müsse. Dem Verhandlungsgeschick Talleyrands und der britischen Diplomaten war er letztlich jedoch nicht gewachsen.“

„Pläne Friedrich Wilhelms III., Sachsen als Ganzes zu annektieren“

Aus jenen Verhandlungen ist die zweigeteilte Lausitz heraus entstanden. Die Genziehung war keineswegs an irgendeiner Kulturgrenze, sondern anhand von militärischen und teils wirtschaftlichen Erwägungen gezogen. Um die Angelegenheit noch etwas zu verkomplizieren: Die Grenze von Ober- und Niederlausitz wurde nochmals im Zuge der Wiedereinigung kurzerhand nach Norden verlegt. Schon ein oberlächlicher Blick auf die Karte verrät: Die Grenze des historischen Königreichs Sachsen ist nicht mit den heutigen Bundesland Sachsen deckungsgleich. Oder vereinfacht: Das heutige geographische Aussehen von Ober- und Niederlausitz ist auf das Jahr 1990 zurückzuführen. Entsprechend gering fallen die Sympathien aus.

„Nach Angaben von Bürgermeister“ – „Eher als Lausitzer, denn als Brandenburger oder Sachsen“

>>Lausitzer Rundschau<<

„Privat spiele die Landesgrenze für den Lautaer indes keine große Rolle. Auch die Ruhlander sehen sich nach Angaben von Bürgermeister … eher als Lausitzer, denn als Brandenburger oder Sachsen. „Wir liegen am äußersten Rand Brandenburgs, und so fühlt man sich manchmal auch“, sagt das Stadtoberhaupt. Als Beispiel führt … die Sanierung von Straßen an. „Die zur Verfügung stehenden Mittel reichen gerade mal für Ausbesserungsarbeiten bei Frostschäden.“- Forderungen nach einer Lausitz als selbstständiges Gebiet“

„Wir liegen am äußersten Rand“ – „Die zur Verfügung stehenden Mittel reichen gerade mal für Ausbesserungsarbeiten bei Frostschäden“

Indes ist die Lausitz sowohl für Brandenburg, als auch Sachsen ein Randgebiet geblieben. Zwar wird in Dresden und Potsdam das Steuergeld des Lausitzer Reviers und der übrigen Lausitz gerne angenommen, aber bei Verkehrswegen wird beinahe schon aus traditionellen Gründen an der Lausitz vorbeigeplant. Die allermeisten Verkehrsprojekte werden schlicht aus der rein proventionellen Sichtweise von Dresden oder Potsdam aus gesehen. Nichtsdestoweniger übt die Unterscheidung in Ober- und Niederlausitz einem negativen Einfluss auf Touristen aus.

„Lausitzer Bergland bildet eine Übergangsregion zwischen den Mittelgebirgen Elbsandsteingebirge und Lausitzer Gebirge“

>>Lust auf Lausitz<<<

„Das Lausitzer Bergland bildet eine Übergangsregion zwischen den Mittelgebirgen Elbsandsteingebirge und Lausitzer Gebirge südlich von Bautzen. Der deutsche Teil wird als Oberlausitzer Bergland bezeichnet. Diese Bezeichnung bezieht sich auf dessen Zugehörigkeit zum politischen Gebilde des Markgraftums Oberlausitz, welches bis 1635 zu einem Land der Böhmischen Krone gehörte. … Bis heute ist es nicht gelungen das in einem gemeinsamen Naturraum liegende Bergland einheitlich zu bezeichnen. Beide Staaten werben auch heute noch getrennt für ihren Teil des Berglandes. Eine gemeinsame Identität fehlt. Vielleicht sollte man analog zum Lausitzer Gebirge auch vom Lausitzer Bergland sprechen. Nicht weil man die politische Zugehörigkeit des deutschen Teils zur Oberlausitz und des tschechischen Teils zu Böhmen leugnen, sondern weil man den grenzübergreifenden Charakter dieses Berglandes hervorheben will.“

„Eine gemeinsame Identität fehlt“ – „Vielleicht sollte man analog zum Lausitzer Gebirge auch vom Lausitzer Bergland sprechen“

Alleine aus Marketing-Strategie stellen die verschiedenen Begriffe „Oberlausitz“ und „Niederlausitz“ eine riesige Katastrophe dar. Gerade im Zeitalter einschlägiger Namen ist das Verwirrspiel unglaublich kontraproduktiv. Dagegen sieht die Thematik bei „Lausitzer Gebirge“ und „Lausitzer Bergland“  ganz anders aus: Zwar sind die Unterschiede erkennbar, aber die Gemeinsamkeit springt sofort ins Auge hinein. Ganz allgemein ist die Idee einer einheitlichen Lausitz keinesfalls neu.

„Forderungen nach einer Lausitz als selbstständiges Gebiet“ 

>>Lausitzer Rundschau<<

„Forderungen nach einer Lausitz als selbstständiges Gebiet – Indes gab es in der Vergangenheit immer wieder Bestrebungen, die Lausitz in ein administrav selbstständiges Gebiet zu verwandeln. Genau vor 100 Jahren mit dem Ende des Ersten Weltkrieges tauchte erstmals die Forderung nach einem Land Lausitz auf, sprich der Vereinigung des Siedlungsgebietes der Sorben/Wenden in der Ober- und Niederlausitz. „Vertreter der obersorbischen Natonalbewegung in Bautzen waren die Protagonisten“, erklärt … , Historiker im Sorbischen Institut. Diese Forderung, so hat der Wissenschaftler weiter recherchiert, wurde auch in den Jahren 1935, nach 1945, anno 1956 sowie 1989/1990 erneut erhoben.“

„Forderungen nach einer Lausitz“ – „Auch in den Jahren 1935, nach 1945, anno 1956 sowie 1989/1990 erneut erhoben“

Zur Vollständigkeit müsste noch das Jahr 1918 erwähnt werden. Tatsächlich wirkt sich auch auf die Sorben die zweigeteilte Lausitz der Bundesländer Brandenburg und Sachsen negativ aus. Die Minderheit der Lausitzer Sorben sind nicht nur auf mehrere Landkreise, sondern auch auf unterschiedliche Bundesländer verteilt: Entsprechend gering fallen die Möglichkeiten auch nur einen Vertreter ins Parlament zu entsenden aus. Zwar ist im Grundgesetz der Föderalismus festgeschrieben, aber der Schaffung neuer Bundesländer würde trotzdem nichts im Wege stehen.