Lausitzer Mythen: Der Kochjunge

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Hielten einmal – die Zeit wenn?

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Von Heinrich Gottlob Gräve

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Ist durch die Zeit selbst verloren gegangen – auf dem Schlosse Ortenburg zu Budissin die Großen und Mächtigen der Provinz ein prunkendes Mahl, wobei nach der damaligen Sitte weidlich gegessen und getrunken wurde, welches sich, wie gewöhnlich, auch auf die Dienerschaft erstreckte, für die der Abhub, der so reichlich war, daß man davon gewiß nicht sagen konnte, wie sich die Hündlein von den Brodsamen nähren, die von des Reichen Tische fallen, bestimmt war. Befand sich aber unter derselben ein heilloser, frevelhafter Kochjunge, der in einem fort schimpfte, fluchte, tobte und lästerte, gleichsam als sey kein Gott im Himmel, der das Gute belohne und das Böse bestrafe. An diesem Tage aber hatte seine Ruchlosigkeit – erglüht durch geistige Getränke – vollends den Culminationspunkt erreicht, so daß er den Teufel, dessen Name öfter, als bei manchem Leutnant, über seine Zunge spaziert war, vermessen herausfoderte ihn zu holen, ihn feig schalt, mit dem Fuße stampfte und auf seinem Kopfe, ihn zu holen, hartnäckig beharrte.

Da erschien plötzlich in furchtbarerer Gestalt, als sie der alte Katechismus im Holzschnitte liefert, Satanas, ergriff den Buben beim Schopf, fuhr mit ihm in das auf den Schloßhof führende Küchenfenster, über welchem er ihm den Schädel zerschellte, wovon man die Blutspuren noch vor wenig Jahren erblickte.