Lausitzer Geschichte: Königsbrück (Störzner)

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Die zweite Stadt an der Pulsnitz abwärts ist Königsbrück, seit einer Reihe von Jahren Garnison der reitenden Artillerie. Die Gründung dieses jetzt gegen 4000 Einwohner zählenden Städtchens fällt nach der Sage in die Zeit Karls des Großen.

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Von Friedrich Bernhard Störzner

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Als dessen Sohn Karl bei seinem Kreuzzuge gegen die Sorben-Wenden in diese Gegend kam, ließ er eine Brücke über die damals gerade sehr reißende Pulsnitz schlagen. Diese Brücke wurde von einem Teile seiner Soldaten scharf bewacht, damit dieselbe nicht etwa von den Feinden abgebrochen werde. An die Stelle der Zelte setzten die Krieger mit der Zeit hölzerne Hütten, und so entstand aus dem Feldlager eine kleine Niederlassung. Es fanden sich nun bald mehrere Leute ein, welche, vom Handelsgeist getrieben, den Kriegern Karls allerhand Lebensmittel zuführten. Sie ließen sich nach und nach sogar selbst hier mit nieder. Auf diese Weise wurde der Grund zu einem Orte gelegt, den man nach der Brücke nannte, die der König Karl über die Pulsnitz hatte schlagen lassen.

Urkundlich wird Königsbrück zuerst in der Teilungsurkunde vom Jahre 1268 genannt. Unter ihren ältesten Besitzern findet sich die Familie der Burggrafen von Dohna. Als der Burggraf Christoph von Dohna, der auch Landgraf in der Oberlausitz war, ohne männliche Leibeserben starb, fiel die Herrschaft Königsbrück an den Kaiser Ferdinand I. zurück. Dieser belehnte damit den Burggrafen Kaspar von Dohna, der Königsbrück aber bald wieder an den Freiherrn Christoph von Schellendorf verkaufte, bei dessen Nachfolgern diese Stadt bis 1776 verblieb. Fernere Besitzer waren die Grafen von Rödern und von Friesen, der dänische Geheime Rat Georg, Reichsgraf zu Münster-Meinhövel. Nach dessen Tode wurde im Jahre 1803 die Herrschaft Königsbrück versteigert. Sie kaufte um 246 000 Taler der Graf Joh. Wilh. v. Hohenthal, Kgl. Sächs. Konferenzminister, von dessen Nachkommen später der Graf v. Wilding. Im Jahre 1893 ging die Standesherrschaft Königsbrück in den Besitz des Kommerzienrates Naumann in Dresden über. –

Die Kriegszeiten sind auch an Königsbrück nicht spurlos vorübergegangen. Im Jahre 1429 wurde das Städtchen von den Hussiten rein ausgeplündert und vollständig niedergebrannt. Im 30jährigen Kriege, und zwar im Jahre 1630, wurde Königsbrück abermals ein Raub der Flammen. 1636 waren die Schweden in Königsbrück, die sich hier bis zum nächsten Jahre aufhielten. Hier wurden sie aber am 23. Februar 1637 von 4000 Bauern, die sich bei Radeberg in ihrer Verzweiflung zusammengeschlossen hatten, überfallen und arg bedrängt. Auch im 7jährigen Kriege, und zwar im Jahre 1760, brannte Königsbrück wieder fast bis zur Hälfte nieder.

Ein Schmuck des reizendgelegenen Städtchens ist das stattliche, in geschmackvollem Stile erbaute Schloß, der Stammsitz der Herren der Standesherrschaft Königsbrück, zu der vormals, außer der Stadt Königsbrück, noch die Orte Gottschdorf, Neukirch, Otterschütz, Quoßdorf, Rohna, Schmorkau, Weisbach, Zeisholz, Zietzsch und Steinborn gehörten. Der gesamte Flächenraum der früheren Standesherrschaft Königsbrück betrug gegen zwei Quadratmeilen, wovon der dritte Teil Teiche und Waldungen waren. – Das Schloß liegt wenig höher als die Stadt und ist von einem schönen Parke, der in englischem Geschmacke angelegt ist, umgeben. Dieser Park reicht hinab bis an die Pulsnitz und erhält durch verschiedene Terrassen mannigfache Abwechselung. –

Der Teil des Pulsnitztales, welcher zwischen der Stadt und der nahen Gräfenhainer Mühle sich ausbreitet, führt den Namen „Auwiesengrund.“ Derselbe enthält wundervolle Landschaftsbilder und manche Sehenswürdigkeit. Gern gehen hier die Königsbrücker spazieren.

Die Lage Königsbrücks muß als eine recht anmutige bezeichnet werden. Einen besonderen Schmuck bilden südlich vor der Stadt die in der Nähe des Bahnhofes liegenden Kasernengebäude im Ziegelrohbau. Das Städtchen macht auf den Fremden, der da vom Bahnhofe aus nach der Stadt wandert, einen recht freundlichen, einladenden Eindruck. Es wird die Stadt von Anhöhen lieblich umrahmt, obgleich sie sich selbst auf einer Anhöhe am rechten Ufer der Pulsnitz ausbreitet. Von verschiedenen Punkten aus kann die Stadt übersehen werden. Der schönste dieser Punkte ist auf dem Wege nach dem nordwestlich liegenden Dorfe Steinborn. Blickt man hier von der Höhe nach Königsbrück zu, so bildet der Keulenberg, die Zierde der ganzen Gegend, den Hintergrund der Stadt. Links zeigt sich das an der nach Kamenz führenden Landstraße im Jahre 1835 erbaute Schießhaus, rechts grüßen das schmucke Schloß und die Stadtkirche herauf.

Die Straßen des Städtchens sind breit und wohlgepflegt. Viele Häuser kehren noch der Straße den Giebel zu. Dadurch erhält das Stadtinnere mehr ein mittelalterliches Gepräge, wie es an solchen Landstädtchen uns stets so wohlgefällt. Noch im Jahre 1840 ragten von den Häusern da, wo die benachbarten Dächer aneinanderstießen, lange hölzerne Dachrinnen hervor, aus denen bei Regenzeiten das Wasser in Form eines Wasserfalles direkt auf die Straße sich stürzte und von manchem beim Begehen der Straßen recht unliebsam empfunden wurde. – Der Marktplatz bildet ein großes Viereck. An der Westseite steht das im Jahre 1802 unter dem wackeren Bürgermeister Rödelbach erbaute Rathaus. Außer dem Ratskeller im Untergeschoß des Rathauses liegen am Markte die vielbesuchten Gasthöfe „der Adler“, „der Hirsch“ und „der Schwan.“

Im Jahre 1490 wurde Königsbrück befestigt, es hat aber nie eigentliche Tore gehabt. Die Stadt hat, wie ehedem, noch heute 5 Gassen. Im Jahre 1837 zählte Königsbrück 226 Häuser mit 1500 Einwohnern. Damals gab es in der Stadt nicht weniger als 70 Schuhmachermeister. Ihre Zahl ist auch heute noch groß. In hoher Blüte steht aber die Töpferei. Das gute Material hierzu findet man in den nahen Tongruben bei Schwepnitz. Das Königsbrücker braune und weiße Topfgeschirr hat einen Weltruf erlangt. Auf fast allen Jahrmärkten Sachsens ist dasselbe vertreten und wird viel begehrt. – In früheren Zeiten trieb ein großer Teil der Königsbrücker Bürger auch Weinbau. Draußen an den Bergabhängen auf der Nordseite der Stadt lagen vordem wohlgepflegte Weinberge. Heute sind selbige aber verfallen und in Acker- und Gartenland umgewandelt worden. – Im Jahre 1837 hatten 76 Häuser der Stadt Braugerechtigkeit. Regen Verkehr brachten Königsbrück die alten Hauptstraßen, von denen die eine von Dresden nach Frankfurt a. d. Oder und die andere von Großenhain nach Schlesien und Polen führte. –

Zur Zeit des 7-jährigen Krieges lebte in Königsbrück der Pfarrherr Göring. Derselbe war nicht nur ein Gottesgelehrter, sondern auch ein bedeutender Astronom. Um den Himmel und das Sternenheer besser und ungestört beobachten zu können, ließ er sich auf dem Turme der Haupt- oder Stadtkirche ein Stübchen einrichten, in dem er die meisten Nächte während des Jahres verbrachte. Als Astronom hatte Pfarrer Göring einen bedeutenden Ruf. Der König Friedrich der Große von Preußen erkundigte sich, als er in dieser Gegend weilte, wiederholt nach ihm. –

So bietet Königsbrück des Anziehenden viel und zwar sowohl dem Naturfreunde, als auch dem Geschichtsforscher. Die wichtigsten Vorgänge in der deutschen Geschichte sind an diesem abseits gelegenen Städtchen doch nicht spurlos vorübergegangen.