Strukturwandel: „Eine identitätsstiftende Vorstellung für eine Lausitz“

Screenshot stummezone.wordpress.com

Das sei auch das Ergebnis von ihren Gesprächen letzte Woche in Brüssel u. a. mit Vertretern der europäischen Kohleplattform („coal-platform“). „Die Lausitz soll europäische Modellregion werden („pilot country“); hierfür muss ein Steuerungskreis eingesetzt werden („country team“). Zudem muss gemeinsam von und mit der Bevölkerung und den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Akteuren in der Region ein Leitbild entwickelt werden – um die Förderfähigkeit zu stärken und der Wirtschaft Planungssicherheit zu geben, aber vor allem auch, um eine identitätsstiftende Vorstellung für eine Lausitz nach der Braunkohle zu ermöglichen“, sagte Schinowsky.“ Eine sogenannte „identitätsstiftende Vorstellung“ soll angeblich fehlen. So zumindest denkt die Partei der Grünen über die Lausitz. Hinter verschlossenen Türen – in kleinen intransparenten Gruppen – soll in fernen Berlin und teilweise in Brüssel über die Zukunft der Lausitz verhandelt werden: Fest steht schon jetzt, das Ergebnis dürfte Katastrophal für die ganze Region sein.

>>Holger Kelch – Oberbürgermeister von Cottbus<<

„Ihre Hilfe bereichert unsere Stadt und die gesamte Region. Der Hauptgrund, warum wir Ihrer Firma in Dankbarkeit verbunden sind, ist aber die Tatsache, dass Sie Tausenden Lausitzern Lohn und Brot geben. Über 7.000 Beschäftigte, Hunderte Auszubildende und viele Arbeitsplätze in Zuliefererbetrieben haben den radikalen Strukturwandel der letzten Jahrzehnte abgefedert. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie es in den Städten und Dörfern der Lausitz aussähe, wenn 1990 die Energiewirtschaft das Schicksal der Textilindustrie geteilt hätte. Denn hier erlebten die Menschen nach der politischen Wende einen beispiellosen Strukturwandel, einen Paradigmenwechsel, der ohne Vergleich ist. … Das Bergbauunternehmen ist auch ein großer Auftraggeber, circa eine Milliarde Euro werden im Jahr an Dienstleistungsaufträgen in die Region reingegeben, davon sind wieder 21.000 Arbeitsplätze abhängig von vielen Zulieferern, ob in Görlitz bis hier nach Cottbus hoch. Und insofern ist das schon eine Wirtschaftsmacht hier vor Ort und leider auch nur eine und nicht auf breiten Schultern verteilt. … Man muss ja auch wissen: Bis 1990 waren ca. 60.000 Menschen in der Braunkohlenindustrie, also zu DDR-Zeiten, hier beschäftigt. Und da gab es dann schon mal einen Schlag, als reihenweise die Tagebaue hier dichtgemacht worden sind in der Lausitz. Sicherlich sind viele schöne Seen jetzt entstanden, aber diese Arbeitsplätze, die sind an keiner Stelle wiedergekehrt und darunter hat die Lausitz bis heute zu leiden.“

 

>>Kulturstiftung des Freistaates Sachsen<<

„Durch ihren unmittelbaren Bezug zum benachbarten Haus Schminke sowie den von Hans Scharoun begonnenen Umbau gilt die Fabrik als ein bedeutendes Industriedenkmal der Moderne. Die 1874 gegründete Teigwarenfabrik Loeser & Co., seit 1875 Loeser & Richter, errichtete den Erstbau 1899/1900. Einen deutlichen Aufschwung nahm das Unternehmen unter der neuen Eigentümerfamilie Schminke. Der Glauchauer Textilfabrikant Wilhelm Schminke hatte das Unternehmen 1904 erworben. Konsequent bauten er und nach seinem Tod 1920 sein Sohn Fritz die bereits 1881 eingeführte Schutzmarke „Anker“ zu einer überregional und international bekannten Marke aus. Mit seinem innovativen und erfolgreichen Marketing sowie einem modernen Maschinenpark zählte das Unternehmen zu den bekannten und erfolgreichen Teigwarenherstellern in Deutschland. Bereits zwischen 1910 und 1916 wurde die Fabrik um ein Verwaltungs- und Fabrikgebäude aus gelben Klinkern erweitert. Nach dem Bau seines Wohnhauses – dem Haus Schminke – beauftragte der Firmeninhaber den Architekten Hans Scharoun auch mit der Planung für den weiteren Um- und Ausbau der benachbarten Fabrik. Die Umgestaltung der Fabrikfassade sowie neue Sozialräume und der Treppenturm stammen von Scharoun. Das Kesselhaus von 1929 hat der Löbauer Bauunternehmer Walter Vetter errichtet. Das Unternehmen wurde 1946 enteignet und als verstaatlichter Bertrieb bis 1990 als Nudelfabrik fortgeführt. Nach der Privatisierung wurden noch bis 1992 Teigwaren hergestellt.“

Wie so viele Unternehmen wurde die Nudelfabrik im Zuge der Wiederverengung „abgewickelt“ – so nach den damaligen Sprachgebrauch. Heute stehen die Gebäude weitestgehend leer und der Zahn der Zeit nagt beständig an Bausubstanz. Anders als die Grünen: Eine „identitätsstiftende Vorstellung“ von Strukturwandel ist in Lausitz schon vorhanden.

 

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