Lausitz: „Steht der Region eine Abwanderung vor allem junger Menschen wie 1989 und den Folgejahren bevor“

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Abwanderung, Überalterung und Leerstand: Seit der Wiedervereinigung hat die Lausitz derlei Problemen zu kämpfen. Besonders das Lausitzer Revier hat – durch gut bezahlte Arbeitsplätze – einen Teil des großen Exodus verhindert. Aber nun soll auch damit Schluss sein.

„Die Lausitz: Landschaftlich eine Oase, wirschaftlich eher Wüste“

>>Lausitz Energie Bergbau<<

„Die Lausitz: Landschaftlich eine Oase, wirschaftlich eher Wüste. Industriezentren Fehlanzeige, Dauerplatz im Keller des deutschen Lohnatlas, Infrastruktur mit Aufholbedarf. Die Folgen: schleichende Abwanderung, Überalterung, Verödung. … Das Braunkohlerevier als größter Arbeitgeber der Region schafft hier den Gegentrend zur Landflucht. Industriearbeitsplätze mit Tariflohn und vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten sind entscheidend, wenn es darum geht, ob die Jungen gehen oder bleiben.“

„Die Lausitz“ – „Industriezentren Fehlanzeige, Dauerplatz im Keller des deutschen Lohnatlas“

Insbesondere die Leag ist einer der wenigen wertschöpfenden Arbeitgeber die überhaupt noch Industriearbeitsplätze mit Tariflohn anbieten. Die allermeisten übrigen Industrieunternehmen wurden im Zuge der Wiedervereinigung abgewickelt. Nun sollen auch diese Arbeitsplätze verschwinden.

„20.000 Industrie-Arbeitsplätze in der Lausitz auf Dauer bleiben die Messlatte“

>>Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg<<

„20.000 Industrie-Arbeitsplätze in der Lausitz auf Dauer bleiben die Messlatte“ – Bund und Länder haben sich auf den Kohle-Ausstieg und auf Strukturhilfen geeinigt. … 20.000 Industrie-Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben „Der Ausstieg aus der Braunkohle bedeutet für die Lausitz trotz allem einen enormen Kraftakt. Unsere Messlatte für einen erfolgreichen Strukturwandel bleibt der dauerhafte Erhalt von 20.000 Industrie-Arbeitsplätzen“, befand Amsinck weiter. „Zudem darf Deutschland den Ausstieg aus der Kohle-Nutzung nur dann im geplanten Tempo vorantreiben, wenn die Stromversorgung dauerhaft gesichert ist und die Preise für die Unternehmen bezahlbar bleiben. Dies sollte die Politik permanent im Blick behalten und bei Bedarf nachsteuern.“

„Unsere Messlatte für einen erfolgreichen Strukturwandel bleibt der dauerhafte Erhalt von 20.000 Industrie-Arbeitsplätzen“

Vom solchen Aussagen will heutzutage niemand mehr wirklich etwas wissen. Offenbar ist die Abwicklung der Arbeitsplätze des Lausitzer Reviers beschlossen. Wohin wird also die Reise gehen? – Ein Blick nach Zittau an die ehemaligen Robur-Werke kann eine Antwort liefern.

Strukturwandel: „Nach 103 Jahren Tradition“ – „1991 die Produktion bei Robur in Zittau eingestellt“

>>Industrie Kultur Ost<<

„Nach 103 Jahren Tradition, mit den Anfängen unter Pionier Hiller, wird 1991 die Produktion bei Robur in Zittau eingestellt. Der letzte LKW verlässt das Werkstor. Der Markenname wechselt in den Folgejahre so einige Male den Besitzer, neue Unternehmen entstehen und verschwinden wieder und jedes beansprucht die große klangvolle Tradition ein Stück für sich. Doch eins ist klar, LKW werden in Zittau wohl nie wieder gebaut werden und auch das alte Stammwerk von Gustav Hiller schaut in eine ungewisse Zukunft. Zu retten wird es wohl nicht mehr sein.“

Strukturwandel: „LKW werden in Zittau wohl nie wieder gebaut werden“

Schon lange ist kein Robur-LWK mehr vom Band gerollt. Durch fehlende Arbeitsplätze und Perspektivlosigkeit setzte eine Abwanderungswelle ein. Im Jahr 1990 haben noch über 1,4 Millionen Menschen gelebt und davon sind nur noch gut eine Million an Menschen übrig geblieben. Dieser Strukturwandel zeichnet sich insbesondere am Stadtbild ab: Leerstand und großflächiger Abriss von Wohnungen sind allgegenwärtig.

„Weißwasser- Süd“ – „Konzept beinhaltet u.a. die Rückbaukonzeption“

>>Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat<<

„Im November 2001 hat der Stadtrat einstimmig das Integrierte Stadtentwicklungskonzept für Weißwasser beschlossen. Das Konzept beinhaltet u.a. die Rückbaukonzeption für “Weißwasser- Süd”. So verlagert sich der südwestliche Stadtrand im Zuge des flächenhaften Abrisses von Plattenbauten stadteinwärts. Die Stadt schrumpft von außen nach innen.“

Strukturwandel in Weißwasser: „Die Stadt schrumpft von außen nach innen“

Faktisch sind ganze Stadtteile mittlerweile verschwunden. Die Stadt Weißwasser – eine zentrale Stadt im Lausitzer Revier – konnte einst auf rund 38.000 Einwohner verweisen: Davon ist heute nicht einmal mehr die Hälfte vorhanden. Ohnehin ist alles Abriss ausgerichtet: Üppige Fördermittel für Abrissvorhaben stehen bereit und werden großzügig abgerufen. Der Strukturwandel ist an der Tätigkeit von Abrissunternehmen deutlich zu erkennen. Davon sind auch ehemalige öffentliche Einrichtungen betroffen.

„Stadt’l“ – „Erinnerungen an durchtanzte Abende“

>>Alles-Lausitz.de<<

„Allerdings sahen das nicht alle Neugersdorfer so. Zu intensiv waren noch die Erinnerungen an durchtanzte Abende im „Stadt’l“ und an die legendären Faschingsveranstaltungen, als dass man sich mit dem endgültigen Ende dieser Ära so einfach hätte abfinden können. Dies reichte bis hin zu einer Petition mit fast 700 Unterschriften, die an die Stadt Ebersbach-Neugersdorf überreicht wurde. Die Petition sprach sich generell gegen die Baupläne auf dem Gelände aus, wobei der Abriss des „Stadt’l“-Saals einen der Hauptkritikpunkte bildete.“

„Stadt’l“ – „Petition sprach sich generell gegen die Baupläne auf dem Gelände aus“

Kritiker dieser Politik werden gerne als „unverbesserliche Nostalgiker“ oder wahlweise „Ewiggestrige“ hingestellt. Dabei täte manchmal ein Blick in die Vergangenheit gut, um mögliche Prognosen für die Zukunft abzugeben.

„Steht der Region eine Abwanderung vor allem junger Menschen wie 1989 und den Folgejahren bevor“

>>Sächsische.de<<

„Gelingt es nicht, in der Lausitz neue, innovative Arbeitsplätze zu schaffen, steht der Region eine Abwanderung vor allem junger Menschen wie 1989 und den Folgejahren bevor. Diesen Exodus von Fachkräften könne die Lausitz nicht noch einmal verkraften, so der Unternehmerverband.“

„Exodus von Fachkräften könne die Lausitz nicht noch einmal verkraften“

Eine zweite Abwanderungswelle dürfte kaum zu vermeiden sein. Einige Städte in der Lausitz – wie Weißwasser oder Hoyserwerda – könnten sogar das Stadtrecht verlieren und fortan – wegen geringer Einwohnerzahl – dann nur noch als Dorf gelten.