Arbeitslosenverwaltung: Wie ein System sich selbst nährt

Screenshot freiburgs-geschichte.de

Die Geschichte innerhalb des Dreißigjährigen Krieg 1618-1648 ist zum großen Teil nur schwer verständlich, weil der Kriegsverlauf ab einen bestimmten Zeitpunkt eine verhängnisvolle Eigendynamik bekommen hat. Etwas vergleichbares kann man in heutiger Zeit bei den sogenannten Jobcentern beobachten.

>>Zeit<<

„Die Summe der Sanktionen, die die deutschen Jobcenter in den vergangenen zehn Jahren verhängt und nicht ausgezahlt haben, beträgt 1,9 Milliarden Euro. Das teilte die Bundesregierung auf Anfrage der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann mit.“

 

>>Kanzlei am Humboldthain<<

„Seit der Einführung des SGB II ist die Zahl der Sanktionsbescheide der Jobcenter hoch. Wegen meiner praktischen anwaltlichen Erfahrung weiß ich, diese Bescheide sind häufig mit Erfolg angreifbar.“

Sofern die Ämter gegen die Bürger besonders viele Sanktionen verhängen, winken satte Prämien für die „erfolgreichen“ Beamten. Infolge dessen, nimmt die Bürokratie beständig zu.

>>Spiegel<<

„Bei den Jobcentern werden immer größere Millionensummen von der Eingliederung Arbeitsloser hin zur Verwaltung verschoben. Seit 2005 wurden insgesamt 3,5 Milliarden Euro aus Eingliederungsmitteln zur Deckung von Verwaltungskosten verwendet, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervorgeht.“

 

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

„Die 404 Jobcenter in Deutschland haben im vergangenen Jahr 5,1 Milliarden Euro an Bundesmitteln für ihre Personal- und Verwaltungskosten ausgegeben. Das waren 764 Millionen Euro mehr, als dafür im Bundeshaushalt eigentlich vorgesehen waren.“

Um die Vermittlung und Betreuung von Arbeitslosen geht es bestenfalls nur noch am Rande.

>>Der Dreißigjährige Krieg: Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618-1648 von Herfried Münkler (Buch) <<

„Lässt sich die erste Hälfte des Krieges plausibel analysieren, indem man nach dem jeweils vorherrschenden politischen Willen hinter dem Gewaltgeschehen sucht und die großen Akteure benennt, so ist das für seine zweite Hälfte nur sehr schwer möglich. Zwar gab es diese Akteure immer noch, und sie hatten nach wie vor einen politischen Willen, doch waren ihre Möglichkeiten, diesen Willen zur Geltung zu bringen, deutlich geringer. Das zeigt sich im Vergleich zwischen Oxenstierna und Gustav Adolf ebenso wie zwischen Ferdinand II., dem Kaiser, der sich für den Krieg entschied, und Ferdinand III., der im Unterschied zu seinem Vater zwar selbst den Oberbefehl über das Heer innehatte, aber nie ausschlaggebende Gestaltungsmacht erlangte.“

Ähnlich wie im Dreißigjährigen Krieg hat sich das Geschehen längst verselbständigt – frei nach den Motto: „Der Krieg ernährt den Krieg„. Mit Logik und gesunden Menschenverstand ist – als Außenstehender – das Geschehen innerhalb der Jobcenter-Verwaltung ebenso vollkommen unverständlich.

 

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