Artificial Intelligence: Wenn IT-Systeme Aktien handeln

Screenshot youtube.com

Investment-Roboter: Automatisiert mit Künstlicher Intelligenz, soll binnen kurzer Zeit ein Vermögen entstehen – oder so ähnlich. Das Zauberwort lautet „Artificial Intelligence“ . Computer sollen durch mathematische Algorithmen, Wertpapiere viel effiziente und besser handeln können, als beispielsweise ein Mensch es je könnte. Jedoch die Praxis ist bisher sehr ernüchtern.

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„In den USA sind inzwischen nach Schätzungen von Accenture für 70 bis 80 Prozent aller Transaktionen automatisierte Computer-Handelssysteme verantwortlich, hierzulande dürften es etwa 60 Prozent sein. Für die Börsenmakler, Banken und Vermögensverwalter hat das unbestreitbare Vorteile: Die Systeme sind weniger fehleranfällig als der Handel von Menschenhand. Sie sind deutlich kostengünstiger. Und sie sind in der Lage, auch aus winzigen Kursnuancen Handelsgewinne zu generieren. Die größten Gefahren gehen hingegen von Programmierfehlern, Hackerangriffen und eben der Verstärkung von Börsenschwankungen aus. Damit wäre auch erklärbar, warum die Sorge um Leitzinserhöhungen und steigende Inflationsraten so schnell um sich greifen konnte. Verfällt ein großer Investor in Verkaufspanik, breitet sich diese Sorge über die Algo-Trader in Sekundenbruchteilen weltweit aus. Leider ist solch ein Ansteckungsprozess kaum sofort erkennbar. Während in Deutschland automatisierte Orders zumindest als solche gekennzeichnet werden, ist das an anderen Börsen noch nicht Pflicht. Die Auswertung des Handelsgeschehens dauert daher deutlich länger als die Mikrosekunden-Trades der Algorithmen.“

 

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„Schlagzeilen haben solche „Algo-Trader“ („Algo“ ist die Kurzform von Algorithmus, also den Softwareroutinen, die diese Systeme steuern) dagegen schon öfter gemacht. Erstmals wurden sie – in ihrer einfachsten Form – im berühmten Crash von 1987 auffällig, als sie massenhaft Stop-Orders „automatisch“, also unkontrolliert, in den Markt gegeben haben und damit den damaligen Kurseinbruch maßgeblich vorangetrieben haben sollen. Vor einigen Jahren machte dann eine neue Art von Algorithmen Furore, und zwar diejenigen von sogenannten Hochfrequenz-Tradern. Sie sollen unter anderem diverse sogenannte Flash-Crashs ausgelöst bzw. verstärkt haben, z.B. den bisher spektakulärsten vom 6. Mai 2010, als der Dow Jones innerhalb von Minuten einen blitzartigen 10%-Einbruch und eine ebenso dynamische Erholung erlebte und manche US-Aktien zeitweise um mehr als 90 % verloren. Gut, solche „Kinderkrankheiten“ und „Unfälle“ gibt es bei allem Neuen. Aber nun – endlich! – sollen diese Systeme der ultimative Weg sein, die Märkte zu beherrschen, fast wie in Harris‘ Roman. Künstliche Intelligenz (KI; englisch: Artificial Intelligence, AI) soll ihnen auf die Sprünge helfen. Von ihr träumen Forscher seit Jahrzehnten, doch inzwischen scheint sie aufgrund leistungsfähiger Computer und Software erstmals möglich zu sein. … Im Prinzip wäre ein solches System erstmals in der Lage, die Effizienzmarkthypothese nicht nur zu bestätigen, sondern auch in der Praxis umzusetzen! Wenn es genau ein solches System gäbe, träfe es stets die richtigen Entscheidungen – alle anderen „Börsianer“ (egal, ob menschliche Akteure oder andere, unvollkommenere automatische Systeme) hätten das Nachsehen. … Nun sind die Robo-Advisors aus verschiedenen Gründen eine Black Box, die man nicht so ohne weiteres unter die Lupe nehmen kann. Aber Robo-Fonds lassen sich mit ihrer Benchmark vergleichen. Und die bisherigen Ergebnisse nach kräftiger Rally und steilem Kurseinbruch sind eher ernüchternd.“

Die Analyse geht noch eine Weile so weiter. Das Fazit lautet verkürzt: Die Rendite solche Systeme ist kaum der Rede wert und manchmal schneiden sie sogar noch schlechter als der Index ab. Computer gestützte Systeme, die bei bestimmten vorgebenden Werten Aktien kaufen oder verkaufen, sind im weitesten Sinne nichts Neues. Durch die mathematische Algorithmen wurde vieles noch komplizierter und die Geschwindigkeit des Handels nimmt ohnehin immer weiter zu. Aber der „Heiliger Gral“ um auf diese Weise massenweise Geld zu verdienen, ist nicht mal weit entfernt am Horizont zu erkennen.

 

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