Dicht an der Informationsfront: „Mischung aus gezieltem Hacking und Desinformation“

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Hacker können den menschlichen Verstand übernehmen? – Nein, aber Einfluss darauf nehmen: Diese paranoide Idee hat die Bundesregierung offiziell verkündet. Die Angst vor Hackerangriffen und Desinformation müssen bei manchen Regierungsvertreter augenscheinlich schon schizophrene Wahnvorstellungen auslösen. Keine Behauptung scheint abwegig genug zu sein, um diese steile These weiter untermauern zu können. Nur wie sieht es eigentlich auf der anderen Seite aus? Immerhin sind nicht nur ausländische Hacker im Internet unterwegs.

„Mischung aus gezieltem Hacking und Desinformation“

>>Spiegel<<

„In der Politik grassiert die Angst vor russischen Hackern. … Und auch in Deutschland fürchtet man jetzt quer durch die Parteien eine ähnliche Mischung aus gezieltem Hacking und Desinformation mit dem Ziel, den Bundestagswahlkampf zu beeinflussen.“

„In der Politik grassiert die Angst vor russischen Hackern“

Zumindest dürfte an steilen zu Hackerangriffen kein Mangel herrschen. Aber es gibt nun mal auch ganz gewöhnliche kriminelle Hacker: Diese sind nur an ihren eigenen finanziellen Fortkommen interessiert. Zu dieser unübersichtlichen Lage gesellen sich hausgemachte Probleme hinzu. Die politisch gewollte Energiewende macht die Stromversorgung unsicher und die Verantwortung – insbesondere für Stromausfälle – will man liebend gerne irgendwelchen anonymen Hackergruppen in die Schuhe schieben. Und vollkommen außer Acht gelassen wird: Wo sollen echte Beweise für die durchaus steilen Behauptungen sein?

„Angreifer vor allem zu Moskauer Bürozeiten aktiv waren“

>>Spiegel<<

„In Hackerkreisen weiß man, wie schwer es ist, den Nachweis zu führen, dass ein Angriff aus jenem Land von jener Gruppe ausgeführt worden ist – auch wenn wohl jeder Gesprächspartner dem russischen Staat solche Aktionen technisch zutraut. Im Falle von Fancy Bear kann man sich bislang etwa darauf stützen, dass sich kyrillische Schriftzeichen im Code finden, dass die Angreifer vor allem zu Moskauer Bürozeiten aktiv waren und dass die sehr gezielt angegriffenen Opfer oft im Konflikt mit Russlands Interessen stehen. Aber ist das ein Beweis? Hacker wissen, dass Hacker gern den Anschein erwecken, andere Hacker hätten etwas zu verantworten.“

„Hacker wissen, dass Hacker gern den Anschein erwecken, andere Hacker hätten etwas zu verantworten“

Zu einem richtig guten Hackerangriff gehört nun mal dazu: Die Verantwortung jemand anderen in Schuhe zu schieben, um selbst unbehelligt zu bleiben. Am einfachsten ist es natürlich: Lediglich die politischen gewollten Narrative zu bedienen. Je nach politischer Großwetterlage kommen die Hacker entweder Russland, Nordkorea, China, Iran, Kuba oder wer sonst so gerade aktuell in Ungnade gefallen zu sein scheint. Die vermeintliche „Achse des Bösen“ wird durch die Bundesregierung regelmäßig aktualisiert. Es wird mit infantilen Begrifflichkeiten gearbeitet und die hanebüchenen Beweise – wie Moskauer Bürozeiten – runden das Bild noch weiter ab.Außerdem ist nicht für jede nach außen getragene Information ein krimineller Hacker verantwortlich. Vieles wird über sogenannte „Hintergrundgespräche“ nach außen getragen.

„Bundesnachrichtendienst muss der Presse Auskunft über Hintergrundgespräche mit Journalisten erteilen“

>>Bundesgerichtshof<<

„Bundesnachrichtendienst muss der Presse Auskunft über Hintergrundgespräche mit Journalisten erteilen – Pressevertreter können auf der Grundlage des verfassungsunmittelbaren Auskunftsanspruchs der Presse aus Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG verlangen, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) ihnen bestimmte Informationen über vertrauliche Hintergrundgespräche erteilt, die Vertreter des BND mit ausgewählten Journalisten führen.“

Hintergrundgespräche: „Vertreter des BND mit ausgewählten Journalisten führen“

Diese sogenannten „Hintergrundgespräche“ mit handverlesenen Journalisten haben sich längst zur einer Unsitte entwickelt. Das Staat sammelt immer mehr an Informationen und diese werden immer häufiger – trotz Recht auf informelle Selbstbestimmung – nach außen getragen. Normalerweise würde die Verletzung des Dienstgeheimnisses eine Straftat darstellen.

„Über den geleakten Haftbefehl: Der Haftbefehl sorgte für Wirbel“

>>Frankfurter Rundschau<<

„Über den geleakten Haftbefehl: Der Haftbefehl sorgte für Wirbel, weil Hildmann davon erfahren und darüber gespottet hatte. „Man muss aber wissen, dass er da ja schon in der Türkei war. Für ihn war es nur eine Bestätigung, dass es richtig war, sich abzusetzen.“

Rechtsstaat & Verletzung von Dienstgeheimnissen: Weshalb manchmal die Behördenvertreter aktiv wegsehen?

Natürlich kann jeder zu Attila Hildmann seine eigene Meinung bilden: Aber auch der sogenannte „geleakte Haftbefehl“ stellt ebenfalls eine Straftat dar und der Täter wäre in diesem Fall vermutlich leicht zu ermitteln gewesen. Manche Behördenvertreter scheinen also über den Rechtsstaat zu stehen und die Gesetz sind nur dann gültig, wenn sie gerade in den eigenen Kram zu passen scheinen. Auch so manche anonyme Quelle scheint in diesem Zusammenhang wohl eher auf der Gehaltsliste einer Behörde zu stehen.

Streng auf Regierungslinie: Warum Straftaten von Hackern plötzlich keine Rolle spielen?

>>Frankfurter Rundschau<<

„Attila Hildmanns engster Vertrauter packt aus  – Er spricht auch von Behördenversagen und einer undichten Stelle, er spricht von hohen Schulden Hildmanns – Beweise bleibt er schuldig. Die Datenmassen sollen erst richtig ausgewertet werden, erklärt er. Von „Anonymous“ werde noch viel kommen. „Wir haben noch einiges vor, wir lassen diesen Mann nicht ungestraft davonkommen.“

„Wir haben noch einiges vor, wir lassen diesen Mann nicht ungestraft davonkommen“

Speziell an diesem Fall tun sich eine Reihe an Merkwürdigkeiten auf. Alleine die Wortwahl sollte zu denken geben: „Wir haben noch einiges vor, wir lassen diesen Mann nicht ungestraft davonkommen.“ – Es hört sich wie ein gereizter Behördenvertreter an. Aus Sicht eine Normalbürger sind die tatsächlichen oder vermeintlichen Vergehen von Hildmann eher uninteressant. Zwar finden auf Basis der veröffentlichten Daten des Hackerangriffs diverse Ermittlungen statt, aber der kriminelle Hackerangriff selbst bleibt augenscheinlich völlig unberührt. – Doppelstandards bei der Strafverfolgung?

„Operation Tinfoil“ – Weshalb sollen Hacker die Sprache der Geheimdienste verwenden?

>>Heise.de<<

„Das lose Kollektiv befasst sich … mit der „Operation Tinfoil“ (Operation Alufolie) und legt sich mit Verschwörungstheoretikern an. Hildmanns Administrator hat dem Kollektiv umfangreichen Zugriff gewährt, wie AnonLeaks berichtete.“

Ohne Bezahlung: Warum sollen Hacker nur gegen Kritiker der Regierung vorgehen?

Diese Hackergruppe nutzt nicht nur geheimdienstliche Begrifflichkeiten „Operation Tinfoil“ – sondern sie arbeitet die ideologischen Punkte der Staatsräson ab. Zumal die veröffentlichten Daten wohl eher auf die Vernichtung der Existenz zielen.

„In dem Datenpool soll sich demnach auch das Grundrezept des veganen Energydrinks „Daisho“ befinden“

>>Süddeutsche Zeitung<<

„In dem Datenpool soll sich demnach auch das Grundrezept des veganen Energydrinks „Daisho“ befinden, den Hildmann entwickelt und vermarktet hat. Zu den Internet-Seiten, die nun von Anonymous kontrolliert werden, gehört auch Hildmanns Online-Shop.“

„Anonymous kontrolliert“ – „Gehört auch Hildmanns Online-Shop“

Wäre es also eine staatlich finanzierte Hackergruppe, dann mischen sich Behördenvertreter aktiv in die gesellschaftliche Diskussion ein und versuchen die Stimmungslage in der Bevölkerung zu verändern. Kurzum: Es sind also genau jene Punkte, wovor die Bundesregierung bei ausländischen Hackergruppen explizit warnt.