Das Mysterium um ‘Oumuamua

Screenshot nasa.gov

Seitdem der mysteriöse Himmelskörper mit dem hawaiianischen Namen Oumuamua vor gut einem Jahr an der Erde und an den Linsen hochsensibler Teleskope vorbeizog, treibt er Astronominnen und Astronomen um. Niemand weiß, wo dieses Ufo herkommt oder was genau es ist. Nun hat ein führender Forscher des Felds eine aufsehenerregende These postuliert: Bei dem kosmischen Nomaden könnte es sich um eine außerirdische Sonde handeln. Und er selbst sei davon ziemlich überzeugt. „Wir diskutieren die Ursprünge solch eines Objekts, einschließlich der Möglichkeit, dass es sich um ein Lichtsegel künstlichen Ursprungs handelt“, schreibt Abraham Loeb in einer Veröffentlichung über 1I/2017 U1 (Oumuamua), wie der Körper laut offiziellem Beschluss der Internationalen Astronomischen Union heißt.“ Die Überschrift zu diesen Zeilen lautet: „Glaubt dieser Harvard-Professor selbst, was er sagt?“ Das Objekt ‘Oumuamua reißt innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinde tiefe Gräben auf. Es zeigt auf, dass es weniger um Wissenschaft, sondern vielmehr um Ansehen und Reputation geht. Ernsthaft wissenschaftliche Fragestellungen werden auf  diese Weise an Rand gedrängt und teilweise sogar der Lächerlichkeit preisgegeben.

>>Spektrum der Wissenschaft<<

„Vor allem bemerkten Astronomen um Marco Micheli von der Europäischen Weltraumorganisation ESA schon im Juni 2018, dass die Schwerkraft allein nicht ausreicht, um ‘Oumuamuas seltsame Bahn zu erklären. Woher kam die merkwürdige Zusatzbeschleunigung? Micheli und seine Koautoren schlossen viele Ursachen aus, darunter den Strahlungsdruck der Sonne, Sonnenwind oder Reibung. Vielmehr interpretierten sie es so, dass ‘Oumuamua einem Kometen ähnelt, der mit Annäherung an die Sonne Oberflächenmaterial verdampft.“

Naja, dass bei der „Annäherung an die Sonne Oberflächenmaterial verdampft“ – ist beileibe nichts ungewöhnliches. Nur folgt daraus keine nennenswerte Antriebsleistung. Kometen oder Asteroiden sind im eigentliche Sinne nur Felsbrocken, die im All umher fliegen. Abgesehen von ‘Oumuamua, befinden sich alle in einer – mehr oder minder – stabilen Umlaufbahn rund um einen Mond, Zwergplanet, Planet oder Sonne. Alleine die Frage: Ob überhaupt ein kosmisches Objekt genügend Energie aufbringen kann, um ohne künstliche Antriebsleistung überhaupt ein Sternensystem zu verlassen, ist noch eine gänzlich unbeantwortete Fragestellung.

>>Spektrum der Wissenschaft<<

“ ‘Oumuamua ging in die Geschichte als erstes beobachtetes interstellares Objekt ein. Seine hohe Geschwindigkeit in Kombination mit der charakteristischen, sehr exzentrischen Bahn ließ da keinen anderen Schluss zu. Doch woher kam der mysteri- öse Besucher genau? Ganz grob flog der interstellare Reisende aus dem Sternbild Leier (lateinisch: Lyra) zu uns. Ein Team unter der Leitung von Coryn Bailer-Jones vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie hatte ‘Oumuamuas Bahn zurückverfolgt. Mit Hilfe des ESA-Astrometriesatelliten Gaia schauten sie sich all diejenigen Sterne an, denen ‘Oumuamua in den letzten Millionen Jahren bis auf 6,5 Lichtjahre nahe gekommen war. Zwei Auswahlkriterien sind wichtig: ‘Oumuamuas zurückverfolgte Bahn muss zum einen auf den Stern zeigen, zum anderen sollte der Geschwindigkeitsunterschied zwischen ‘Oumuamua und dem Stern nicht zu groß sein. Zum Vergleich: Um ein Objekt aus dem Sonnensystem zu schleudern, muss es immerhin eine Geschwindigkeit von fast 17 Kilometern pro Sekunde überwinden. Eine Relativgeschwindigkeit von dieser Größenordnung wäre akzeptabel – vermutlich eher etwas weniger, weil rote Zwergsterne eine geringere Masse haben als die Sonne.“

Der Artikel geht dann noch eine ganz Weile so weiter, wo über die mögliche Herkunft des Objektes spekuliert wird, allerdings kommen die Wissenschaftler zu keinen eindeutigen Ergebnis.

>>Spektrum der Wissenschaft<<

„Nehmen wir für einen Moment den unwahrscheinlichen Fall an: Ja, ‘Oumuamua kam von Aliens. Ergäbe das alles Sinn? Würde eine außerirdische Intelligenz ein interstellares Raumschiff auf den Weg ins Sonnensystem schicken, das genau so bei uns in Erscheinung träte? Falls die Außerirdischen über ein ähnliches Technologieniveau verfügten wie wir, dann wäre ‘Oumuamuas Bahn plausibel. Der Körper drang senkrecht »von oben« in unser Sonnensystem ein. Das ist insofern von Vorteil, weil damit Kollisionen mit Asteroiden und Planeten innerhalb der Ebene des Sonnensystems vermieden werden können. ‘Oumuamua kreuzte die Planetenebene zwischen Sonne und Merkur und wurde dann herumgeschleudert. Ein potenzielles Alien-Raumschiff täte sich so schwer, wenn es die Erde und die äußeren Planeten erforschen wollte. Aber der Schwenk in Sonnennähe wäre ein gutes Swing-by-Manöver, um Schwung für den Flug zum nächsten Sternsystem zu holen. Aber würde ‘Oumuamua als Alien Raumsonde nicht abbremsen, um in der Planetenebene Daten zu sammeln, möglicherweise auch, um einen Kommunikationsversuch zu starten? Nichts derlei wurde beobachtet. Der interstellare Sonnensystemkreuzer fiel 2017 auf, als er schon im Begriff war, das Sonnensystem zu verlassen. Vielleicht ist gerade das problematisch, weil somit nicht klar ist, was mit dem rätselhaften Objekt vor seiner Sichtung geschah. Leider wissen wir viel zu wenig über ‘Oumuamua, als dass wir genau auf Größe sowie Form schließen und über die Gestalt des Raumschiffs sinnieren könnten. Viel Spielraum für Spekulationen. Sollten die Astronomen ‘Oumuamuas Heimat genau lokalisieren, könnten sie dorthin gezielt per METI (Messaging to Extraterrestrial Intelligence) Radiosignale funken. Vielleicht erhalten wir dann in ein paar Jahren Antwort von einer außerirdischen Intelligenz.“

Außerirdischen Intelligenz? Normalerweise führt im wissenschaftlichen Bereich, alleine die Aufstellung einer solchen These, zum Ende einer wissenschaftlichen Kariere. Das Problem an ‘Oumuamuas: Neben der unerklärlichen Antriebsleistung, deutet genauso die eigenwillige Flugbahn und Kurskorrektur auf eine kaum zu leugnende Intelligenz hin. Allerdings sofern der Gedanke einen Moment zugelassen wird, kommt man zum nüchternen Ergebnis: Das es ebenso ganz irdische Pendants zu ‘Oumuamuas gibt. Die NASA-Sonden Voyager 1 und Voyager 2 verfolgen als Teil ihrer Mission ein ganz ähnliches Ziel. Die Beiden haben – je nach Definition – das Sonnensystem bereit verlassen. Am Bord der beiden Sonden sind gewissermaßen Botschaften, vorzugsweise gerichtet an außerirdische Besucher. Allerdings der Funk-Kontakt zu den beiden Voyager-Sonden – ist für irdische Menschen – zwischenzeitlich nur noch schwerlich möglich. Die beiden irdischen Sonden, würden von sich aus, auch keinen Kommunikationsversuch zu einen anderen Raumschiff starten. Eine Intelligenz hat nämlich die unrühmliche Eigenschaft, dass sie stets eigene Ziele verfolgt.

 

Werbung

Loading...
Bild: nordvpn.com
Scroll Up