Hackerangriffe: Die gelebte Doppelmoral

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Die Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) ist daher ein wichtiges Ermittlungsinstrument. Sie kommt immer dann zur Anwendung, wenn bei schweren Straftaten, v.a. im Bereich der organisierten Kriminalität und des Terrorismus, andere Ermittlungsmaßnahmen wesentlich erschwert oder aussichtslos sind.“ Das ist natürlich grober Unfug, was die Behörde da von sich gibt. Alleine die Handy-Überwachung zur Standortermittlung hat derartige Ausmaße angenommen, dass dazu nicht einmal mehr Zahlen bekannt gegeben werden. Bestenfalls nennt – eine – von sehr vielen Behörden mal eine Anzahl von Überwachungsmaßnahmen. Interessant wird es aber, wenn die Überwacher mal selbst, das Ziel von Spionage werden.

>>Spiegel<<

„Aufsehenerregend ist die Veröffentlichung privater Daten von Politikern und Prominenten allemal. Aber ist das wirklich das Werk von Profis, wie manche mutmaßen? Eher nicht, meint unser Kolumnist Christian Stöcker. … Fangen wir mal mit den belastbaren Fakten an: Irgendjemand hat seit Anfang Dezember über Twitter in Adventskalendermanier Links zu Webseiten mit zu einem großen Teil nicht zur Veröffentlichung bestimmten Daten veröffentlicht – lange Zeit weitgehend unbemerkt. Telefonnummern, Adressen, E-Mail-Adressen, manchmal Fotos und Videos, manchmal Scans von Ausweispapieren. Es ist eine ziemliche Menge Daten, verteilt auf diverse Plattformen und Filehoster. Die veröffentlichten Daten stammen von Europa-, Bundestags- und Landtagsabgeordneten, einigen bekannten und einigen weniger bekannten YouTubern, von TV-Moderatoren und Produktionsfirmen, Fernsehsatirikern, YouTuber-Netzwerken und Angestellten öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten. Manche der Dateien wurden vor Monaten schon einmal veröffentlicht, einige auch bereits 2017. Es ist ein wildes, teils wiederverwertetes Sammelsurium. Viele der Daten sind offenbar auch bereits veraltet.“

 

>>Der Tagesspiegel<<

„Der FDP-Digitalpolitiker Manuel Höferlin sagte der dpa, man müsse sich über die Informationspolitik der Behörde wundern. „Das Bundesamt muss seine Vorgehensweise darlegen und kritisch überprüfen.“ Auch Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch reagierte empört: „Angesichts der Dimension dieses Datenklaus ist die Nichtinformation von Partei- und Fraktionsvorsitzenden durch die Behörden völlig inakzeptabel. Gibt es etwas zu verbergen?“

Es gibt da wohl wenig zu verbergen. Im Grunde ist der Hackerangriff ein Sturm im Wasserglas und das kann man durchaus wörtlich nehmen. Im Wesentlichen ist nur das Regierungsviertel und dessen näheres Umfeld betroffen. Irgendwelche schockierenden „Staatsgeheimnisse“ sind auch nicht dabei. Die gewonnen „Erkenntnisse“ sind wohl eher etwas für Regenbogenpresse. Wirklich interessant ist aber ein ganz anderer Aspekt. Es traf eben auch Politiker, die stets nach mehr Überwachung rufen und nun wurden sie selbst mal ausgespäht und zeigen sich sichtlich empört. Zugleich betreiben staatliche Stellen eigene umstrittene Hackerabteilungen mit dubiosen Vorgehensweisen – sprich; genau was diese Behörden betreiben, ist nun den Parteifunktionären selbst widerfahren. Jedoch die gelebte Doppelmoral geht noch weiter: Privatpersonen und Unternehmen haben mit genau den selben Problemen zu kämpfen, diese können aber nicht einfach auf die Infrastruktur einer eignen Behörde zurückgreifen. Aber offenkundig macht es einen riesen Unterschied, ob ein kleiner Familienbetrieb oder der fiktive Minister Herr Oberwichtig Opfer von Hackern wird. Ausschließlich Letzterer ist eine Staatsaffäre, wo unzählige Behörden involviert sind und schnell riesige Summen von Steuergeldern fließen. Alles andere sind rein private Probleme, für die sich weder eine Behörde, noch ein Beamter interessieren.

>>Welt<<

„Erste Untersuchungen bei den betroffenen Parteien hätten ergeben, dass sich die Hacker möglicherweise Zugang über das E-Mail-Programm Outlook verschafften, schrieb die „Bild“-Zeitung. „

Warnungen vor der unsicheren Software von Unternehmen Microsoft werden regelmäßig in den Wind geschrieben und im Übrigen drangen Hacker zum wiederholten male auf diese Weise ein. Allgemein stellt das E-Mail-Programm Outlook eines der ersten Angriffspunkte da, um das System zu infiltrieren. Über das E-Mail-Programm lassen sich Passwörter von anderen Accounts ändern und außerdem liegt zugleich die gesamte Historie der elektronischen Kommunikation offen. Geheimdienste und andere Ermittlungsbehörden reden gerne darüber, dass sie nur auf strafrechtliche Daten Zugriff haben wollen. Aber dieser Unsinn ist ein reines Ammenmärchen, private und berufliche Korrespondenz lässt sich in der modernen IT-Welt ohnehin nicht trennen. Die gehackten Daten sind der beste Beweis dafür.

 

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