Zwischen „Fridays for Hubraum“ und „The Fast and the Furious“ – Die Kriminalisierung der Tuning-Szene

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Wird die Auto-Tuning-Szene im Öffentlichen Rundfunk gerecht dargestellt? Die Antwort darauf lautet: Nein. Zwar müssen sie auch gezwungenermaßen Rundfunkgebühren bezahlen: Aber ihre Perspektive wird dabei komplett ausgeblendet. Doch es kommt noch Schlimmer: Die mediale Hysterie hat sich beim Öffentlichen Rundfunk sogar gegen gewöhnliche Autofahrer gesteigert, die an ihrem Verbrennungsmotor festhalten wollen.

Öffentlichen Rundfunk – Mediale Hysterie auch gegen Autofahrer

Für gewöhnlich wird die Tuning-Szene mit illegalen Autorennen gleichgesetzt und die ganze Berichterstattung darauf verkürzt. Das es durchaus auch anders gehen kann und dass die Tuning-Szene sehr wohl zur Kultur gehört: Diese Tatsachen werden hierbei für gewöhnlich komplett ignoriert.

Tuning-Szene wird mit illegalen Autorennen gleichgesetzt 

>>Staatsfunk „Deutschlandfunk“ <<

„Illegale Autorennen – Die Gesetze wurden mittlerweile verschärft, harte Strafen gegen Täter verhängt. Zeigen die Maßnahmen die erhoffte Wirkung?“

„Illegale Autorennen – Die Gesetze wurden mittlerweile verschärft“

Zur Erklärung: Für dem Öffentlichen-Rundfunk gibt es zwei unterschiedliche Sorten von „Illegalen Autorennen“ . Die eine Sorte gilt als höchst Problematisch und die andere Sorte wird regelrecht Schulterzuckend einfach so hingenommen. Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal: Welche Personen am illegalen Autorennen teilnehmen. Bei prominenten Teilnehmern drückt man gern mal ein Auge zu, doch beim gewöhnlichen Bürger wird auf jede kleine Verfehlung mit Argusaugen geachtet: Besonders dann, wenn es um die Sicherheit im Straßenverkehr geht und genau jene Verhältnisse spiegelt sich auch dann in der Berichterstattung wieder.

VW-Treffen in Bautzen – Legale Autorennen

>>VW Treffen<<

„Der Sommer ist fast vorbei und wir sind schon mitten in der Vorbereitung für das Wild Wild East – Event im kommendem Jahr.“

Wild Wild East – Einmal im Jahr im Bautzen

Über das jährliche VW-Treffen wird meist in einen ziemlich verächtlichen Ton berichtet, obwohl es kein illegales Straßenrennen ist – sondern eine offiziell genehmigte Veranstaltung: Nur dieses wichtige Detail bleibt bei der Berichterstattung normalerweise unerwähnt.

VW-Treffen in Bautzen – Eine offiziell genehmigte Veranstaltung

Grund: Diese Art von Veranstaltung will nicht so recht in den üblichen Rahmen passen. Schon ein oberflächlicher Blick auf den offiziellen Veranstaltungskalender der Stadt Bautzen reicht aus – um zu verstehen: Das Ereignis will sich in die gewöhnlichen Kategorien nicht so recht einfügen: Zwischen Ostereiermarkt und Bautzener Senfwochen sticht es regelrecht hervor.

VW-Treffen in Bautzen -Fehlende Neutralität des Öffentlichen-Rundfunks

Allerdings geht die Stadt Bautzen doch recht Neutral mit dem VW-Treffen um, im Gegensatz zum Öffentlichen-Rundfunk. Da es sich um eine rege besuchte Veranstaltung handelt, kommt der zuständige MDR um eine Berichterstattung schlicht nicht herum. Der übliche negative Unterton gehört dabei meist dazu, doch die allermeiste Sendezeit geht ohnehin für die Aufzählung von Gesetzesverstößen drauf. So soll also eine angeblich ausgewogene Berichterstattung – nach dem Rundfunkstaatsvertrag – aussehen? Stellt sich nur die Frage: Wer das eigentlich glauben soll? Zwar scheinen die strengen Gesetzeskontrollen im Straßenverkehr zu funktionieren, doch bei einer ausgewogenen Berichterstattung für gewöhnlich zu versagen. Nun gut – Wie dem auch sei.

Alles läuft auf die Kriminalisierung der Tuning-Szene hinaus

Allgemein läuft es sowieso auf eine Kriminalisierung der Tuning-Szene hinaus und da zählen eben nicht nur illegale Straßenrennen zu. In regelmäßigen Abständen wird immer mehr Verboten und Reguliert, ohne das ein Gewinn für die Verkehrssicherheit erkennbar wäre. Jedes strengere Gesetz und jeden verschärften Straftatbestand wird mit wohlwollen des Staatsfunks zur Kenntnis genommen, ohne die Gegenseite anzuhören. Fraglich ist jedoch: Ob wirklich der Gesellschaft damit geholfen sei? Zudem kommt die negative Berichterstattung vom „Journalisten-Volk“ keinesfalls von ungefähr.

„Redaktionen sind kein Abbild der Bevölkerung“

>>Basler Zeitung<<

„Journalisten sind grün und links – Resultat: Die Redaktionen sind kein Abbild der Bevölkerung.“

„Journalisten sind grün und links“

Besonders bei Berichten über aufgemotzte Autos und – auch legale Straßenrennen – kommt die Schlagseite der Journalisten voll zum Tragen. Denn mit dem zwei Tonnen schweren Luxus-Hybrid-Geländewaagen zum nächstgelegenen Bioladen – alles bezahlt vom Rundfunkgebühren –  in die Innenstadt fahren und dabei ständig mit dem Öko-Gewissen herum hantieren: Das stellt eben nur eine Lebensphilosophie da. Nur ist die Gesellschaft viel breiter aufgestellt, als sich so mancher Journalist vorstellen kann und genau diese Gruppen kommt fast nirgendwo zu Wort.

Was ist mit der völlig legalen Tuning-Szene?

Denn neben illegalen Straßenrennen gibt es eben auch ein rege – und vollkommen legale – Tuning-Szene, die genauso ihre gesellschaftliche Berechtigung hat. Als der FilmThe Fast and the Furious“ in die Kinos kam, wurde er schnell zum Kassenschlager und gilt heutzutage quasi als Kultfilm. Im weitesten Sinne war es die erste größere Kinoproduktion überhaupt, der die Tuning-Szene etwas realistisch dargestellt hat. Zum Erfolg des Films hat sicherlich auch beigetragen, dass bereits lange zuvor eine gesellschaftliche Entwicklung dorthin eingesetzt hatte. Auch soziale Gruppen wie „Fridays for Hubraum“ legen diesem Schluss nahe.

Zwischen „Fridays for Hubraum“ und „The Fast and the Furious“

>>Focus<<

„Fridays for Hubraum“: Was bewegt die bisher schweigende Mehrheit der Autofahrer?

„Was bewegt die bisher schweigende Mehrheit der Autofahrer?“

Genau jene gesellschaftliche Entwicklung wird seit Jahrzehnten entweder gänzlich Ignoriert oder mit Verboten überschüttet. Das es durchaus auch anders gehen kann: Das zeigen so manche Nachbarstaaten: Andernorts finden auch Straßenrennen auf öffentlichen Straßen statt: Die allerdings vollkommen Legal sind. Die Polizei sperrt da kurzerhand einen Straßenabschnitt ab. Im Grunde genommen wird es – wie eine gewöhnliche Veranstaltung – gehandhabt: Immerhin bezahlt auch die Tuning-Szene mehr als genug Steuern, Gebühren und Abgaben an den Staat. Deshalb scheint die Frage auch mehr als Berechtigt zu sein: Weshalb sollen sie nicht im gleichen Maßen am gesellschaftliche Leben teilhaben können? Beim Karnevalsverein der einem Straßenumzug veranstaltet, wird ebenfalls eine Straße komplett abgesperrt, obwohl längst nicht jeder mit Karneval etwas Anfangen kann.

Tuning-Szene: Die fehlende Teilnahme am gesellschaftlichen Leben

Zudem gibt es für Journalisten des Öffentlichen-Rundfunks zwei ganz verschiedene Sorten von illegalen Straßenrennen. Verkürzt: Eines für die breite Masse und das Andere für die finanzielle Oberschicht. Mag seltsam klingen – ist aber tatsächlich so.

Wenn Prominente des Öffentlichen-Rundfunks illegale oder halb-legale Autorennen fahren

>>Manager Magazin<<

„Bekannt ist vor allem seine Rallye Gumball 3000, besetzt mit vorwiegend prominenten Teilnehmern aus Showbiz, Wirtschaft und Sport, darunter Leute wie David Beckham, Lewis Hamilton, aber auch Joko und Klaas.“

„Gumball 3000“ – „Joko und Klaas“

Die beiden Künstler – Joko und Klaas – sind schon mehrfach beim „Gumball 3000mitgefahren, obwohl sie – zeitgleich – für dem Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk tätig waren. Die bestens eingeübte rituelle Empörung des Öffentlichen-Rundfunks blieb jedoch ausgerechnet hier aus. Joko und Klaas sind zwar mittlerweile kein Teil mehr vom Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, allerdings ihre Teilnahme am „Gumball 3000“ hat ihrer Kariere dort auch nicht sonderlich geschadet.

Illegale Straßenrennen – Zweierlei Maß in Berichterstattung

>>Deutsche Welle<<

„120 zum Teil ausgefallene Fahrzeuge fahren die 3.000-Meilen-Strecke. Und hinter dem einen oder anderen Steuer sitzt ein Prominenter.“

Gumball 3000: „Hinter dem einen oder anderen Steuer sitzt ein Prominenter“

Also wenn „Prominente“ ein Autorennen auf öffentlichen Straßen veranstalten, dann bleibt die Empörungswelle – bei der aus Steuergeldern finanzierte Deutschen Welle –  aus. Beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk wird zwar regelmäßig über illegale Straßenrennen berichtet, doch ausgerechnet bei „Gumball 3000“ herrscht meist betretenes Schweigen vor. Normalerweise finden illegale Straßenrennen unter großer Geheimhaltung statt: Allerdings „Gumball 3000“ ist so ziemlich das Gegenteil davon. Über das offenkundig zweierlei Maß in der Berichterstattung: Darüber will der staatliche Rundfunk dann lieber doch keinen Kommentar abgeben.

 

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