Sterben nach LCP-Schema: Wie ein mathematischer Algorithmus einem Menschen für Tod erklärt

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Am Beispiel des Patienten Andy Flanagan wird geschildert, dass dieser in den LCP aufgenommen worden wäre, da er von „einem Doktor“ als unheilbar eingestuft worden war.“ – So jedenfalls schildert es Dr. phil. Elke Müller. Es stellt sich allerdings hierbei die Frage: Ab wann jemand als Unheilbar gilt? Sollte man auf einer ominösen  „LCPListe“ tatsächlich landen: Finden dann noch Reanimationsmaßnahmen statt oder macht der Rettungswaagen bei einen Notfall gleich wieder kehrt? Zumindest hat der sogenannte „Liverpool Care Pathway“ schon für reichlich Gesprächsstoff gesorgt.

„Liverpool Care Pathway“ – Macht der Rettungswaagen bei einen Notfall gleich wieder kehrt?

Die Verantwortlichen hüllen sich entweder in Schweigen oder werfen mit medizinischen Fachbegriffen um sich herum: Transparenz sieht jedenfalls anders aus. Dabei sollten gerade Medizineralleine wegen ihrer Geschichte – besonders Sensibel bei solchen Themen sein.

Nicht-Thema bei der Medizin: Verantwortlichen hüllen sich in Schweigen

>>Adolf Hitler: Die Jahre des Untergangs von Volker Ullrich (Buch) <<

„Am 18 . August 1939 , wenige Tage vor Kriegsbeginn, wurden Ärzte und Hebammen durch einen Runderlass des Reichsinnenministeriums verpflichtet, diesem »Reichsausschuß« alle Fälle von Missbildungen bei Neugeborenen und Kleinkindern bis zu drei Jahren anzuzeigen. Die eingehenden Meldebögen wurden an Gutachter weitergeleitet, die damit faktisch über Leben und Tod entschieden. War das Urteil gefällt, wurden die designierten Opfer in spezielle Klinikeinrichtungen, sogenannte Kinderfachabteilungen, verbracht, wo sie zumeist durch eine Überdosis des Schlafmittels Luminal oder andere Arzneien getötet wurden. Es dauerte nur wenige Monate, bis die Kinder-»Euthanasie« in ein umfassendes Programm für den Mord an erwachsenen Anstaltspatienten überging.“

„Luminal-Schema“ – „Durch eine Überdosis des Schlafmittels Luminal oder andere Arzneien getötet“ 

Allerdings war das Schlafmittels Luminal nicht allein für dem Tod von Menschen verantwortlich. Vielmehr rührte das sogenannte Luminal-Schema aus einer Kombination von Unterernährung und der gezielten Vergabe von Berührungsmitteln her.

„Tod durch Reduktionskost, in Hungerhäusern systematisch herbeigeführt, und das sog. Luminal-Schema waren die Methoden“

>>Deutsche Apotheker Zeitung<<

„Tod durch Reduktionskost, in Hungerhäusern systematisch herbeigeführt, und das sog. Luminal-Schema waren die Methoden. Die Psychiater kannten die letalen Risiken der Dauerapplikation von Barbituraten aus der Praxis der 20er Jahre und aus der Literatur. Was lag näher, als sich dieser berechenbaren und unverdächtigen Methode zur Ermordung hilfloser Kranker zu bedienen?“

„Was lag näher, als sich dieser berechenbaren und unverdächtigen Methode zur Ermordung hilfloser Kranker zu bedienen?“

Schlussendlich lässt sich ein Mensch schon mit wenigen Handgriffen – ganz unauffälligtöten. Die damaligen Mediziner arbeiteten zusammen mit den Juristen die Grundlage hierfür aus. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war eigentlichen der einhellige Konsens hergestellt: Solche Dinge dürfen sich nie mehr wiederholen. Doch die Geister aus der Vergangenheit tauchen im neuen Gewand wieder auf.

„Behandlungsrahmen des LCP mehr und mehr auf sämtliche Patientengruppen ausgeweitet“ 

>>Palliativ-Portal<<

„Zunächst nur für unheilbare Krebspatienten entwickelt, wurde der Behandlungsrahmen des LCP mehr und mehr auf sämtliche Patientengruppen ausgeweitet, die in Sterben liegen.“

Liverpool Care Pathway: Ein Algorithmus sollen den Tod voraussagen

Gegen ein selbstbestimmtes Leben und Sterben ist grundsätzlich nichts einzuwenden: Wenn nun aber außenstehende Ärzte und Juristen diese Entscheidung treffen, dann kommt eine ganze andere Note noch hinzu. Doch es kommt noch schlimmer: Ein Algorithmus sollen den Tod sogar voraussagen.

„Wenn ein Algorithmus den Tod voraussagt“ – Euthanasie kommt beim staatlichen Rundfunk wieder in Mode

>>Staatsfunk „Deutschlandfunk“ <<

„Künstliche Intelligenz in der Palliativmedizin – Wenn ein Algorithmus den Tod voraussagt – Doch wie kann der Tod vorausgesagt werden? Amerikanische Wissenschaftler setzen dabei auf Künstliche Intelligenz.“

„Ärzte die Prognose von Patienten einschätzen, von kranken Menschen, also wie lange die höchstwahrscheinlich noch zu leben haben, sie generell immer weit daneben“ 

Allerdings ist beim staatlichen Rundfunk auch ein Missgeschick unterlaufen: Denn sie gaben vermutlich – unfreiwillig – auch ein paar Informationen preis.

Liverpool Care Pathway: Wie „freiwillig“ darf das Sterben noch sein?

>>Staatsfunk „Deutschlandfunk“ <<

„Denn entgegen des Wunsches der Patienten sterben zwei Drittel der Amerikaner in Krankenhäusern, wo sie oftmals bis zuletzt belastenden Behandlungen ausgesetzt sind. Ein ähnliches Bild zeichnen Untersuchungen in Deutschland. „Weil wenn Ärzte die Prognose von Patienten einschätzen, von kranken Menschen, also wie lange die höchstwahrscheinlich noch zu leben haben, sie generell immer weit daneben … “

Liverpool Care Pathway: Zwei Drittel aller Menschen sterben im Krankenhaus

Wenn tatsächlich zwei Drittel aller Menschen im „Krankenhaus“ sterben, dann dürfte „Todeshaus“ wohl die treffendere Bezeichnung sein. Doch noch viel bedenklicher sollte ein ganz anderer „Befund“ sein: Wenn Ärzte mit ihrer selbst erstellten „Todesprognose“ so weit daneben liegen: Wie verantwortlich soll dann das staatlich-propagierte LCP-Schema-Sterben durch Betäubungsmittel dann noch sein? – Wie auch immer die Antwort darauf lauten mag: Immerhin ist beim staatlichen Rundfunk, Staatsjuristen und Mediziner über das menschliche Sterben einhellige Einigkeit zu beobachten.

 

–W E R Β U Ν G–

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