Kodi-Boxen: Wie die Urheberrechtslobby Bürger in die Illegalität treibt

Screenshot kodi.tv

Die Software >>Kodi<< erfreut sich bei vielen einer großen Beliebtheit. Das Standardprogramm lässt sich mit zahlreichen Erweiterungen ergänzen und auf diese Weise: Großes Kino, ins noch so kleine Zimmer bringen. Aber das ist einigen ein Dorn im Auge.

>>WinFuture.de<<

„Kodi wurde ursprünglich unter dem Namen Xbox Media Center (XBMC) entwickelt und brachte einen vielseitigen Multimedia-Player auf die erste Generation der Xbox. Inzwischen ist es ein Open-Source-Projekt, das von Freiwilligen vorangetrieben wird, und ist in seinen inzwischen auch für PCs, Smartphones und Tablets vertriebenen Versionen ein beliebtes Tool, um auf Geräten wie dem Amazon Fire TV Stick eine alternative Oberfläche für den Medienkonsum zu nutzen. Da Kodi freie Software ist, gibt es auch diverse Anbieter von sogenannten Android-TV-Boxen, die ihre Geräte mit Kodi ausstatten. Die Plattform kann ohne weiteres um zahllose kostenlose Erweiterungen ergänzt werden, die unterschiedlichste Funktionen bieten, darunter eben auch die Möglichkeit, eigentlich kostenpflichtige Programme und Serien, Filme und anderes zu konsumieren. Teilweise werden diese Erweiterungen wie im Fall des Engländers schon ab Werk aufgespielt und somit mitgeliefert, so dass es für die Endkunden kein Problem ist, die rechtlich nicht ganz einwandfreien Erweiterungen zu nutzen.“

 

>>DWDL.de<<

„In ihrer Anfrage an die Bundesregierung fragt die FDP auch, inwieweit die Allgemeinheit durch Fernsehpiraterie betroffen ist – dabei geht es um verringerte Steuereinnahmen, aber auch um die Umgehung von Jugendschutzregelungen und dem möglichen Wegbrechen von Produktionen. Man könne derzeit nicht ausschließen, dass die Interessen der Allgemeinheit von der Piraterie betroffen sein könnten, antwortet die Bundesregierung.“

Die Argumentation die herbei angeführt wird, ist schon regelrecht abenteuerlich. Die Filmindustrie hat es bis heute nicht geschafft, ein legales und nutzerfreundliches Angebot für ihre Kunden zu generieren. Dafür aber Gesetze durch Lobby-Arbeit schreiben lassen, womit große Teile der Bevölkerung in die Illegalität getrieben wurden. Aber völlig bizarr ist der Zirkelschluss, als von plötzlich von den „Interessen der Allgemeinheit“ der Rede ist. Viele mündige Bürger – also die Allgemeinheit – hat die Kodi-Boxen Zuhause stehen und diese stimmen somit mit den Füßen ab. Und weil man ansonsten mit der Rhetorik weitestgehend am Ende ist, wird sogar noch der „Jugendschutz“ aus der Mottenkiste geholt.

>>derStandard.de<<

„Da jedermann Anwendungen für Kodi entwickeln und über sogenannte Repos vertreiben kann, erfreut sich das Mediacenter auch großer Popularität bei Filmpiraten. Den Betreibern von Kodi ist dies ein Dorn im Auge, wirklich verhindern lässt sich dies aber aufgrund der Open-Source-Natur der Anwendung nicht. Auch die Tatsache, dass zuhauf TV-Boxen mit der kostenlosen Anwendung verkauft und mit vorinstallierten Piracy-Anwendungen ausgeliefert werden, stört Entwickler wie Rechteinhaber. Kodi-Boxen mit derartigen Applikationen haben bereits den Europäischen Gerichtshof beschäftigt. Ein Niederländer verkaufte diese online und ging bis zur letztmöglichen juristischen Instanz vor. Das Gericht bestätigte die vorherigen Entscheidungen: TV-Boxen mit Kodi vorinstalliert sind legal, sind allerdings Piracy-Anwendungen mitinstalliert, ist der Verkauf verboten.“

 

>>Rechtsanwalt Martin Steiger<<

„Die amerikanische Unterhaltungsindustrie scheitert bei Fernsehserien und Filmen weiterhin an der Digitalisierung. Eine zukunftsorientierte Strategie, die sich an den Bedürfnissen der Konsumentinnen und Konsumenten orientiert, ist nicht erkennbar. Anstatt die große Nachfrage und auch Zahlungsbereitschaft mit überzeugenden Angeboten zu bedienen, wird mit rechtlichen Mitteln versucht, überkommene Geschäftsmodell am Leben zu erhalten.“

Die wirtschaftliche Lage von Bezahlsender wie Sky ist prekär. Aber daran sind nicht nur teure Übertragungsrechte oder Kodi-Boxen schuld, sondern vielmehr das krampfhafte Festhalten von überlebten Geschäftsmodellen.

 

Werbung

Loading...
Bild: nordvpn.com
Scroll Up