Titel

Öffentlichkeitswirksam: Wenn Geheimdienste eine Botschaft senden

Screenshot twitter.com Screenshot twitter.com

Eine riesige Drogenplantage inmitten der Stadt Forst. Zwei ermordete Menschen. Ins Auge springende Verbindungen zur kriminellen Unterwelt. Und offizielle Stellen: Die am liebsten rein gar nichts dazu sagen würden. Einige Indizien deuten auf Verwicklungen mit dem Geheimdiensten hin. Oder: Wenn Geheimdienste eine Botschaft senden.

„Alles deutet auf Mord hin“

>>Nordkurier<<

„Die Polizei ermittelt zu zwei Männerleichen. Alles deutet auf Mord hin. … Nach Polizeiangaben wurden sie Opfer eines Gewaltverbrechens. … Zu weiteren Details – etwa zu der Frage, ob die Männer in der Wohnung lebten – äußerte sich die Polizei nicht. … Rund 116 Anwohner mussten vorläufig ihre Wohnungen verlassen. Dafür wurde eine Sporthalle bereitgestellt.“

Warum offizielle Stellen zu dem Doppelmord schweigen

Warum mussten 116 Anwohner ihre Wohnung verlassen und wurden in einer Sporthalle vorübergehend einquartiert: Keine offizielle Auskunft. Als Allzweckwaffe für Begründungen: Müssen „Ermittlungstaktische Gründe“ für die Verschwiegenheit herhalten.

Medien aus Montenegro: Eine wichtige Quelle für Informationen

>>Tiroler Tageszeitung<<

„Medien in Podgorica berichteten, dass die montenegrinische Polizei den Mordfall von Forst dem „Krieg“ unter den Angehörigen des Skaljari- und des Kavac-Clans aus Kotor zuschrieben würde, der seit 2014 tobt. Laut der Zeitung „Vijesti“ und dem Internetportal „Analitika“ stammte einer der Toten aus der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica, der andere aus der Küstenstadt Bar. Beide hätten zu einem Zweig des Skaljari-Clans in Bar gehört.“

„Stammte einer der Toten aus der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica“

Der Fall wirft natürlich ein sehr fragliches Licht auf die ermittelnden Behörden: Es wird faktisch nur dass zugeben, was sich ohnehin nicht mehr abstreiten lässt. Nur durch ausländische Medien und Berichten von Anwohnern kommen überhaupt nennenswerte Fakten ans Licht. Zudem stellt sich die Frage: Inwieweit überhaupt ermittelt wird – oder wurde?

Doppeltes Spiel: „Informanten des Bundeskriminalamts“

>>Märkische Allgemeine<<

„Grund dafür könnte unter anderem sein, dass es sich bei einem der Opfer nach Informationen aus Sicherheitskreisen um einen Informanten des Bundeskriminalamts handeln soll. Das BKA ist dem Vernehmen nach in die Ermittlungen eingebunden. Eine BKA-Sprecherin in Wiesbaden lehnte jeden Kommentar zu dem Vorgang ab, die Staatsanwaltschaft Cottbus ebenfalls.“

Unter der Hand: Informationen aus fragwürdigen Quellen

Solch zwielichtige „Informationen aus Sicherheitskreisen“ sind immer mit Vorsicht zu genießen. Sprich: Irgendein anonymer Beamter steckt der Presse „unter der Hand“ Informationen zu. Diese können sowohl der Richtigkeit entsprechen, aber auch gezielt gestreute Desinformationen sein. Allgemein klingt die Informanten-Theorie ziemlich abwegig. Kurz: Ein Informantaus einem gewöhnlich kriminellen Milieu – „informiert“ die Behörden, als Gegenleistung erhält er Geld oder andere Vorteile. Jedoch die Informanten-Theorie hat einen widersprüchlichem Hacken: Wenn es Informanten in diesem Kreisen gab, weshalb war dann der Drogenanbau in so einem großen Stil – über einem längeren Zeitraum – möglich?

Umstrittene Informanten-These: Weshalb war der Drogenanbau in so einem großen Stil möglich?

Immerhin war ein ganzer Tross Bereitschaftspolizisten nötig, um die „Drogen-Ernteabzutransportieren. Informanten hin oder her: Für Gewöhnlich lässt sich so eine große Drogenplantage nicht im Geheimen betreiben. Gründe: Exorbitanter Energieverbrauch und neugierige Nachbarn, denen das stete Treiben rund um die Plantage irgendwann auffällt. Kurzum: Eine riesige Drogenplantage, Auftragsmorde, gestreute Informationen aus fragwürdigen Quellen und auffällig schweigsame Behörden: Das alles deutet mehr auf eine Geheimdienstoperation hin. Informationen „unter der Hand“ an die Presse zu geben – ohne das es Konsequenzengibt: Alleine – das – sind Geheimdienstmethoden.

Montenegro: Wo verläuft die Grenze zwischen offiziellen Staat und krimineller Mafia?

Besonders beim Staat Montenegro, wisse eigentlich niemand so genau: Wo die Grenzen zwischen offiziellen Behörden und krimineller Unterwelt eigentlich verlaufen sollen. Genau diese Tendenzen machen sich auch hierzulande breit: Geheimdienst- und Polizeikompetenzen werden miteinander vermischt. Die Spione schließen wiederum lukrative Kooperationen mit Unterwelt ab, um beispielsweise ihre schwarzen Kassen zu füllen. Letztendlich bildet sich so ein undurchdringbares Dickicht. Nur kleine auffällige Details, bringen etwas Licht in die Dunkelheit von der Geheimdienstwelt.

Gesendete Botschaft: Provozierende Luxusautos und hinterlegte Tatwaffen

>>Radio Lausitz<<

„Gesucht wird ein mit mehreren Insassen besetzter Pkw neueren Typs, der vergangenen Montag zwischen 3 und 6 Uhr morgens im Stadtgebiet von Forst unterwegs war. … In einem Wald bei Forst wurden in einem Feuer die Tatwaffen gefunden.“

„Geselbstmordet“ – Wenn Täter unauffällig agieren

Es sind solche Details, die auf eine Nähe von Geheimdienstleuten hindeuten: Oder zumindest eine Zusammenarbeit mit der Mafia. Normalerweise agieren Mafia-Angehörige unauffällig: Ein Mord findet allgemein nur sehr selten statt. Für gewöhnlich wird dieser dann als Selbstmord oder bedauerlicher Unfall – nach außen hin – getarnt. Im Italienischen gibt es dafür sogar ein VerbGeselbstmordet“ . Sprich: Einem Mord – wie einem Freitod oder Selbstmord aussehen – zu lassen. In diesem Fall nimmt die Polizei nicht mal Ermittlungen auf. Bei merkwürdigen „Selbstmorden“ in der Presse, kann sich ja jeder selbst seinem Teil denken. Wie auch immer. Daneben gibt es noch eine andere Kategorie: Einen Mord als Machtdemonstration.

„Gesprengt“ – Wenn Täter auffällig agieren

>>Der schmale Grat der Hoffnung von Jean Ziegler (Buch) <<

„Sizilien, 23. März 1992: Es ist ein strahlender Tag. Drei gepanzerte Fahrzeuge, die den Richter Giovanni Falcone, seine Frau und seine Leibwachen befördern, jagen mit 160 Stundenkilometern die am Meer gelegene Schnellstraße zwischen Messina und Palermo entlang. Auf einem Hügel, von dem aus man eine Brücke im Blick hat, beobachten der Chefmafioso Giovanni Brusca und seine Komplizen die näher kommenden Fahrzeuge. Plötzlich betätigen Bruscas Finger einen kleinen Hebel: Weit unten, auf der Straße, schleudert eine ungeheure Explosion den Konvoi in die Luft und zerfetzt Falcone, seine Ehefrau und drei junge Polizisten. Zwei Monate später stattet Staatsanwalt Paolo Borsellino, der Kollege, Freund und Nachfolger von Falcone – ebenfalls in gepanzerten und bewachten Fahrzeugen sitzend –, seiner Mutter in Palermo einen Besuch ab. Auch sein Konvoi wird von einer Bombe zerfetzt, die von demselben Brusca gezündet wird. Auch dieses Mal gibt es keine Überlebenden.“

„Schleudert eine ungeheure Explosion den Konvoi in die Luft“

Ein Mord als Machtdemonstration und zwar – nach außen hin – für jeden gut Sichtbar. Manchmal hängt auch jemand – Öffentlichkeitswirksam – an einer Brücke. Allerdings der Forster-Doppelmord fällt nicht in diese Kategorie. Dafür könnte es eine Machtdemonstration der anderen Art sein. Eine Botschaft des Geheimdienstes: Zwei Menschen mit Schusswaffen hinzurichten, provokativ mit auffälligen Luxusautos davon zu fahren und zu allen Überfluss – Noch die Tatwaffen zu hinterlassen. Frei nach dem Motto: Uns werdet ihr nie kriegen. Und genauso stellt sich die Situation auch da: Die Ermittlungen laufen ins Leere. Gleichzeitig werden die Bürger von offiziellen Stellen regelrecht für Dumm verkauft.

 

Werbung

Loading...
Bild: nordvpn.com
Scroll Up Seiteninhalt