„Das sei alles nur Einbildung“ – Kann die „gefühlte Inflation“ eine Währung zu Fall bringen?

Screenshot youtube.com Screenshot youtube.com

Gefühlte Inflation: Oder wenn die Preise subjektiv schneller steigen, als die offizielle Inflationsrechnung proklamieren will. Die sogenannte gefühlte Inflation wird schnell als Täuschung abgetan. Doch es sind gut Gründe vorhanden: Warum die offiziellen Zahlen zu misstrauen seien.

„Zweifel an den offiziellen Zahlen zur Preissteigerung aufkommen“

>>Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden von Andreas Marquart & Philipp Bagus (Buch) <<

„Wahrscheinlich machen es die Statistiker im Auftrag ihres Arbeitgebers (der Staat) deshalb so kompliziert, damit kein Laie auch nur den Hauch einer Chance hat, die Zahlen zu überprüfen. Und wenn vonseiten der Bürger ab und zu Zweifel an den offiziellen Zahlen zur Preissteigerung aufkommen, dann wiegelt man ab, mit dem Hinweis, das sei alles nur Einbildung, und es handle sich um die sogenannte »gefühlte Inflation«. Was sind wir Bürger doch dumm. Wir »fühlen« die Teuerung wohl einfach falsch.“

„Gefühlte Inflation“ – „Das sei alles nur Einbildung“

Natürlich lässt sich der Vorwurf der Befangenheit mitnichten von der Hand weisen: Schließlich müssten bei einer hohen Inflation die Renten, Löhne und Sozialleistung ebenfalls steigen. Außerdem käme das Mantra einer stabilen staatlichen Währung ins wanken. Nichtsdestoweniger spiegelt die Inflationsberechnung regelrecht abenteuerliche Annahmen wider.

Inflationsberechnung: „Verbraucherpreisindex für Deutschland für Kaltmieten eine Gewichtung von rund 20 Prozent aus“

>>Süddeutsche Zeitung<<

„Das Statistische Bundesamt weist im nationalen Verbraucherpreisindex für Deutschland für Kaltmieten eine Gewichtung von rund 20 Prozent aus…..Die europäische Statistikbehörde Eurostat weist in ihrem harmonisierten Verbraucherpreisindex für Mieten in Deutschland eine Gewichtung von rund 10 Prozent aus – also nur die Hälfte.“

Statistikbehörde Eurostat: „Verbraucherpreisindex für Mieten in Deutschland eine Gewichtung von rund 10 Prozent“

Es dürfte sich dabei vorwiegend eher um eine verschwindend geringe Minderheit von sehr reiche Menschen handeln: Die wirklich zwischen zehn und 20 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten aufwenden. Besonders in Zeiten ausufernder Wohnkosten und explodierender Stromkosten wirkt dieses Zahlenwerk wie aus einer anderen Welt. Tatsächlich klettern durch die Inflation nicht nur die Preise noch oben, sondern es handelt sich um eine Form der verdeckten Staatsfinanzierung. Dieses Mittel wurde bereits in der Weimarer Republik eingesetzt.

Inflation: „Können Regierungen sich insgeheim und unbeachtet einen wesentlichen Teil des Vermögens ihrer Untertanen aneignen“

>>Inflation: Der Untergang des Geldes in der Weimarer Republik und die Geburt eines deutschen Traumas von Frederick Taylor (Buch)<<

“ Konrad Heiden:

„Durch fortgesetzte Inflation können Regierungen sich insgeheim und unbeachtet einen wesentlichen Teil des Vermögens ihrer Untertanen aneignen. Auf diese Weise konfiszieren sie nicht nur, sondern sie tun es auch willkürlich, und während viele arm werden, werden einige in der Tat reich. Der Anblick dieser willkürlichen Verschiebung des Reichtums vernichtet nicht nur die Sicherheit, sondern auch das Vertrauen auf die Gerechtigkeit der bestehenden Verteilung des Reichtums.“

Inflation: „Auf diese Weise konfiszieren sie nicht nur, sondern sie tun es auch willkürlich“

Das Sparvermögen wird durch die Inflation entwertet, während gleichzeitig viele Menschen zu sogenannten „Spitzenverdienern“ aufsteigen: Durch die kal­ten Pro­gres­si­on kann das Finanzamt zusätzliche Einnahmen verbuchen.

Kal­ten Pro­gres­si­on: „Das deutsche Steuersystem die Inflation nicht berücksichtigt“

>>Lohn-Info.de<<

„Da das deutsche Steuersystem die Inflation nicht berücksichtigt, steigt mit jeder Erhöhung des Bruttolohns die Einkommensteuer stärker als das Einkommen selbst. In Zeiten stark steigender Preise sorgt dieser Effekt dafür, dass das Realeinkommen sinkt. Die Gehaltserhöhung muss deutlich über der Inflationsrate liegen, wenn nach der schleichenden Steuererhöhung etwas übrig bleiben soll.“

Kal­ten Pro­gres­si­on: „Mit jeder Erhöhung des Bruttolohns die Einkommensteuer stärker als das Einkommen selbst“

Überspitzt: Das Realeinkommen sinkt und gleichzeitig wird die Steuerschrauben angezogen, weil der Steuerpflichtige auf dem Papier reicher geworden sein soll: Das Bundesministerium der Finanzen räumt diesem Effekt unumwunden ein. Mit munteren Gelddrucken kann der Staat also seine Einnahmen erhöhen und seine Schuldenberge weginflationieren. Über die Kehrseite der Medaille wird freilich wenig geredet.

„Stagnierende Löhne und Gehälter zerren im Zusammenspiel mit Inflation und Mini-Zinsen auch an den Portemonnaies“

>>Der Crash ist die Lösung von Marc Friedrich & Matthias Weik (Buch) <<

„Steuern und Sozialabgaben, stagnierende Löhne und Gehälter zerren im Zusammenspiel mit Inflation und Mini-Zinsen auch an den Portemonnaies und den Sparbüchern der Normalverdiener.“

Warum steigende Löhne meistens die Inflation nicht ausgleichen können?

Steigende Löhne können aus verschiedenen Gründen die Inflation nicht ausgleichen. Die wirtschaftliche Lage lässt für viele Unternehmen wenig Luft noch oben und außerdem frisst jede Brutto-Lohnsteigerung die dadurch anteilig-steigenden Steuer- und Sozialabgaben größtenteils wieder auf. Überspitzt: Um fünf Prozent Inflation auszugleichen müssten die Bruttolöhne um zehn Prozent steigen und das jedes Jahr erneut. Solche Geldexperimente bleiben deshalb – auf lange Sicht – nicht alleine auf die Inflation beschränkt. Genau dazu sind in der jüngeren Geld-Geschichte einige Paradebeispiele zu finden.

„Zweimal binnen einer Generation, 1923 und 1948, verloren die Deutschen ihre Geldvermögen“

>>Sprengsatz Inflation: Können wir dem Staat noch vertrauen? von Henrik Müller (Buch) <<

„Die derzeitige Lage weckt böse Erinnerungen. Zweimal binnen einer Generation, 1923 und 1948, verloren die Deutschen ihre Geldvermögen. Bis heute bewahren viele Familien die absurden Millionenlappen auf, schlechtes, mies bedrucktes Papier, dem man ansieht, dass es kaum mehr Wert hatte als das Material selbst. Zeugnisse verlorener Ersparnisse der Groß- oder Urgroßeltern-Erinnerungen an die schlechte alte Zeit. Die Bilder der Inflationszeit haben sich ins kollektive Gedächtnis geätzt: Kinder, die mit backsteingroßen Geldpaketen spielen, als wären es Bauklötze; Frauen, die den Ofen mit Bündeln von Scheinen befeuern, weil sie billiger waren als Briketts; Männer, die Haufen von Papiergeld wiegen lassen, weil zählen eine Ewigkeit dauern würde.“

„Männer, die Haufen von Papiergeld wiegen lassen, weil zählen eine Ewigkeit dauern würde“

Viele staatliche Währungen wurden im Laufe der Zeit weginflationiert. Bedingt durch knappe Kassen haben Staatenlenker die wundersame Geldvermehrung für sich entdeckt. Die ehemalige Reichsmark hat da keine sonderliche Ausnahme gemacht, sondern sie fügt sich nahtlos in eine Reihe von anderer gescheiterter Geldexperimenten ein.

„Im geschichtlichen Rückblick“ – „Wie bisher alle Papiergeld-Währungen kläglich gescheitert oder spektakulär zusammengebrochen sind“

>>Geldsozialismus – Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression von Roland Baader (Buch) <<

„Die Eroberung des Geldes durch den Staat, der damit zum totalen Staat und zum Götzen wurde, hat der israelische Historiker Martin van Crefeld in seinem genialischen Werk ,The Rise and Fall of the State‘ eindrücklich beschrieben. Er zeigt auch im geschichtlichen Rückblick, wie bisher alle Papiergeld-Währungen kläglich gescheitert oder spektakulär zusammengebrochen sind, von den Papiergeldversuchen der chinesischen Kaiser vor Beginn unserer Zeitrechnung über den Schah von Iran (1294) und die ersten modernen Versuche in Spanien und Schweden um die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, bis zum Experiment von John Law in Frankreich und der Ausgabe der Greenbacks durch die amerikanische Regierung während des Bürgerkrieges.“

„Die Eroberung des Geldes durch den Staat, der damit zum totalen Staat und zum Götzen wurde“

Bisher sind noch die meisten Regierungen der Versuchung erlegen: Durch die Schaffung von Massen an neuen Geld ihre Probleme lösen. Am Anfang ist die Inflation gekommen und am Ende musste die staatliche Währung aufgegeben werden.