Bei realistischer Verzinsung der Rentenversicherungsbeiträge: Müssten Rentner im Alter noch Pfandflaschen sammeln?

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Wie sehen eigentlich die Renditeversprechen der gesetzlichen Rentenversicherung aus? Die Frage mag sich vielleicht Unsozial anhören, aber Endeffekt läuft sie auf das Gegenteil hinaus. Schließlich sollen sich die eingezahlten Rentenbeiträge sicher sein und am Besten noch Kapitalerträge abwerfen. Immerhin stellt es die Existenzberechtigung der gesetzlichen Rentenversicherung dar. Doch diese durchaus berechtigte Frage wird durch die staatliche Versicherung selbst nicht beantwortet.

Rente: Rendite & Kapital statt Pfandflaschen im Alter sammeln

Viele Arbeitnehmer zahlen im Laufe ihre Arbeitsleben enorme Summen – zwangsweise – in die Versicherung ein: Die Kündigung des Versicherungsverhältnisses ist unmöglich. Diese Geld steht für die Bewältigung des Alltags nicht mehr bereit. Schon der oberflächliche Blick verrät: So richtig „Sozial“ hört sich das auf keinen Fall an. Aber die entscheidende Frage lautet ganz anders: Müsste bei einer realistischen Verzinsung der Rentenversicherungsbeiträge ein Rentner im Alter noch Pfandflaschen sammeln?

„Bild des Pfandflaschen sammelnden Seniors ist heutzutage traurigerweise keine Seltenheit mehr“

>>Merkur<<

„Millionen Rentner klagen hierzulande darüber, dass sie mit ihrer mageren Rente, die sie erhalten, kaum über die Runden kommen. Das Bild des Pfandflaschen sammelnden Seniors ist heutzutage traurigerweise keine Seltenheit mehr.“

„Mit ihrer mageren Rente“ – „Kaum über die Runden kommen“

Deshalb dürfte es wenig Verwunderung auslösen: Das immer mehr Menschen das gesamte Rentenversicherungssystem grundsätzlich infrage stellen. Besonders die fehlende Rendite lässt die Gemüter hochkochen.

Rentenversicherung: „Über eine Million Euro in Gebühren und entgangener Rendite kosten“

>>Wirtschafts Woche<<

„Dem IT-Berater aus Thüringen platzte der Kragen. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ließ er Mitte November seinem Ärger freien Lauf: „Die beschissene Rentenversicherung wird mich in meinem Erwerbsleben über eine Million Euro in Gebühren und entgangener Rendite kosten. Das ist absurd.“ Er würde doch gerne selbst entscheiden, welche Versicherung er abschließt, schrieb der Mann.“

„Er würde doch gerne selbst entscheiden, welche Versicherung er abschließt“

Selbstverständlich stellt die Rentenversicherung einen Eingriff in die Handels- und Vertragsfreiheit dar. Besonders die geringen Rentenzahlungen lassen diesem Eingriff ins Grundrecht unverhältnismäßig erscheinen. Einige Studien haben sogar die Rendite der gesetzlichen Rentenversicherungen zu errechnen versucht: Doch solche Studien sind stets mit Vorsicht zu genießen.

„Gesetzliche Rente: Ein schlechtes Geschäft“

>>Ärzteblatt<<

„Gesetzliche Rente: Ein schlechtes Geschäft – Trotz steigender Belastungen für die Beitragzahler und sinkender Leistungen für die Rentner errechnen verschiedene Studien für die gesetzliche Rentenversicherung bislang noch positive, wenn auch fallende Renditen. Dahinter stehen allerdings sehr optimistische gesamtwirtschaftliche Erwartungen.“

Rente & Rendite: „Dahinter stehen allerdings sehr optimistische gesamtwirtschaftliche Erwartungen“

Diese Studien bauen meist auf sehr optimistischen Annahmen auf und viele Faktoren bleiben dabei unberücksichtigt. Immer häufiger müssen Rentner eine Nullrunde hinnehmen, während gleichzeitig die Inflation sich nach oben schraubt. Teilweise wird dadurch die Rente einfach weginflationiert. Selbst das Renteneintrittsalter ist für viele Berufsgruppen in unerreichbare Höhen geschraubt worden. In diesem Punkt nehmen sich die staatlichen Versicherungsunternehmen offenbar selbst nicht mehr für ganz voll. Überspitzt: Es gibt keine älteren Arbeitslosen mehr.

„Über 58-jährige Arbeitslose“ – „Rutschen aus der Arbeitslosenstatistik heraus“

>>Cicero<<

„Es ging um die gezielte Verschönerung der Arbeitslosenstatistik durch die sogenannte 58er-Regelung, die folgendes besagt: Über 58-jährige Arbeitslose, die seit mindestens einem Jahr keine Jobangebote vom Arbeitsamt erhalten haben, rutschen aus der Arbeitslosenstatistik heraus.“

Höheres Renteneintrittsalter als verdeckte Rentenkürzung

Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird immer weiter in die Höhe geschraubt, während es gleichzeitig für Ältere ganz Schlecht auf dem Arbeitsmarkt aussieht. Alleine die Zwangsverrentung – wegen Arbeitslosigkeit – durch das Arbeitsamt oder Jobcenter ist regelrecht selbsterklärend.

„Zwangsverrentung durch Arbeitsamt oder Jobcenter – dürfen die das?“

>>Sozialverband Deutschland Landesverband Schleswig-Holstein<<

„Zwangsverrentung durch Arbeitsamt oder Jobcenter – dürfen die das? – Darf das Jobcenter mich zwingen, früher in Rente zu gehen? – Die ungeschminkte Wahrheit? Ja, sobald Sie das 63. Lebensjahr vollendet haben.“

Zwangsverrentung durch das Jobcenter: „Ja, sobald Sie das 63. Lebensjahr vollendet haben“

Das Renteneintrittsalter ist da noch weit entfernt und die Rentner müssen gewaltige Abschläge bei der Rentenhöhe hinnehmen. Sicherlich ließen sich noch weitere Beispiele aufzählen: Aber die Renditeversprechen der gesetzlichen Rentenversicherung sollten mit viel Skepsis betrachtet werden. Darüber hinaus ist die Fortexistenz des Gesamtsystems als höchst Fraglich anzusehen. Der demographische Wandel dürfte sich kaum aufhalten lassen.

„Die zunehmende Alterung der Gesellschaft gefährdet das bisherige staatliche System der Altersvorsorge“

>>Focus<<

„Die zunehmende Alterung der Gesellschaft gefährdet das bisherige staatliche System der Altersvorsorge. … Eine Alterung der Gesellschaft bedeutet: Immer weniger aktive Arbeitnehmer müssen für die Altersvorsorge einer zunehmenden Zahl von Rentnern aufkommen.“

„Immer weniger aktive Arbeitnehmer müssen für die Altersvorsorge einer zunehmenden Zahl von Rentnern aufkommen“

Die zunehmende Alterung der Bevölkerung dürfte für die Rentenversicherung lange im Voraus bekannt gewesen sein. Genau hier wird die typische Misswirtschaft sichtbar: Denn die staatlichen Institutionen zeichnen sich durch eine Familien- und Kinderfeindlichkeit aus. Es wird nicht mal ein echtes Kindergeld ausgezahlt: Es handelt sich dabei um eine versteckte Steuerrückerstattung, weil das soziale Existenzminimum für Kinder steuerfrei ist. Der Begriff „Kindergeld“ stellt eigentlich nur irreführende Bezeichnung dar.

Warum eine echte Verzinsung der gezahlten Rentenbeiträge wesentlich mehr bringen würde

Die zunehmende Alterung der Bevölkerung hätte man aber auch durch eine Umstellung des Rentensystems begegnen können. Das eingezahlte Kapital wird einfach auf einem individuellen Konto gutgeschrieben und jährlich mit vier Prozent – inklusive Zinseszins – verzinst. Die Zeiten für Kindererziehung oder Pflege der Eltern könnten per großzügigen Bonus extra vergütet werden. Statt abenteuerlicher Rentenformel wäre also ein richtiges Guthaben vorhanden. Bei dieser Kalkulation wird häufig die Macht des Zinseszins völlig unterschätzt, was der sogenannte „Josephspfennig„recht deutlich vor Augen führt.

„Hätte Josef im Jahr 0 einen Eurocent zu einer jährlichen Verzinsung von 4 % angelegt“

>>Torsten Arends<<

„Uns interessiert, wie viel Geld Jesus heute hätte, wenn er zur Bank ginge, um sich die Zinsen nachtragen zu lassen. Es ist ein beeindruckendes Ergebnis. Hätte Josef im Jahr 0 einen Eurocent zu einer jährlichen Verzinsung von 4 % angelegt, wäre nach 2012 Jahren ein Betrag von 186.671.780.195.916.000.000.000.000.000.000 Euro zustande gekommen.“

Die unterschätzte Macht des Zinseszins

Ein Zinssatz von 4 Prozent ist eigentlich als sehr Gering anzusehen. Jeder kann sich per einfachen Zinseszinsrechner seine „Rente“ selber ausrechnen und da kommen problemlos Millionenwerte zusammen. Zumal der Arbeitgeberanteil der gezahlten Rentenversicherung gerne ausgeklammert wird. Bei genauer Betrachtung stellt sich die Rentenversicherung als sehr Unsozial heraus.

 

–W E R Β U Ν G–

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