Geringverdiener: „Niedrigere Monatsrenten, sondern sie nehmen diese auch systematisch kürzer in Anspruch“

Screenshot youtube.com Screenshot youtube.com

Viele Geringverdiener müssen sich später mit einer geringen Rente rechnen. Zusätzlich geht – durch die geringe Lebenserwartung – auch die Rentenbezugsdauer  zurück. Die geringe Lebenserwartung wird gerne pauschal auf schlechte Bildung, ungesunde Lebensweise und andere Faktoren geschoben. Kurzum: Arme sind selbst die Schuldigen an ihrer Situation und damit ist die Diskussion beendet.

Arm und selber schuld: Warum arme Menschen früher sterben?

Aber stimmen diese Argumente überhaupt? Ein Blick nach Kuba und auf die dortige Lebenserwartung lassen erhebliche Zweifel aufkommen.

Ist in armen Kuba die Lebenserwartung wirklich höher?

>>Statista<<

“ … betrug die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt in Kuba rund 78,8 Jahre, wobei die Lebenserwartung der Frauen rund 80,8 Jahre beträgt und rund 76,8 Jahre bei den Männern.“

„Lebenserwartung bei der Geburt in Kuba rund 78,8 Jahre“

Zum Vergleich: Die durchschnittliche Lebenserwartung – laut des Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung – ist in Brandenburg 77,9 und Sachsen 78,1 hoch. Verkürzt: In Kuba leben die Menschen länger. Zusätzlich kommen noch andere Faktoren hinzu. In Kuba gibt es fast keine reichen Menschen. Aber im direkten Vergleich: Durchschnittlich leben gerade arme Menschen in Deutschland viel kürzer.

„Studie zufolge leben Menschen durchschnittlich bis zu zwölf Jahre länger“

>>Zeit<<

„Einer Studie zufolge leben Menschen durchschnittlich bis zu zwölf Jahre länger, wenn sie gut verdienen und eine hohe Bildung haben. … Arme und wenig gebildete Menschen leben in Deutschland deutlich kürzer als ökonomisch besser gestellte Bürger. Das zeigt eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und bestätigt damit viele ähnliche internationale Befunde.“

„Arme und wenig gebildete Menschen leben in Deutschland deutlich kürzer“

Diese Angaben lassen sich bis hinein in die einzelnen Regionen verifizieren. Die Kluft zwischen Arm und Reich zeichnet sich sogar in Landkreisen und Städten ab.

„Zusammenhang zwischen Wohlstand und Lebenserwartung steigt“

>>Süddeutsche Zeitung<<

„Den Zusammenhang zwischen Wohlstand und Lebenserwartung steigt auch eine andere Statistik: Ordnet man alle Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland nach dem Medianeinkommen ihrer Bewohner und sieht sich dann die mittlere Lebenserwartung an, zeigt sich ein klarer Zusammenhang: Dort, wo die Menschen mehr verdienen, leben sie im Mittel auch länger. In ärmeren Regionen sterben die Menschen früher.“

„In ärmeren Regionen sterben die Menschen früher“

Das amtliche Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung hat zu diesem Themenbereich überhaupt keine Zahlen vorgelegt. Dabei wären solche Daten besonders für die Rente interessant: Denn die unterschiedlichen Lebenswartungen spiegeln sich keineswegs in der Rentenzahlung wider. Zwar wird gerne pauschal bei Altersgrenzen für die Rente auf die Lebenserwartung verwiesen, aber auf die ärmere Bevölkerung wird dabei keinelei Rücksicht genommen: Für nicht wenige Menschen laufen Rentenbeginn und Lebenserwartung auf das selbe Alter hinaus.

„Gesetzlichen Rentenversicherung keine Risikodifferenzierung“

>>Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (PDF-Datei) <<

„Geringverdiener erzielen derzeit nicht nur niedrigere Monatsrenten, sondern sie nehmen diese auch systematisch kürzer in Anspruch. Dass in der gesetzlichen Rentenversicherung keine Risikodifferenzierung vorgenommen wird oder dass besonders langlebige Bevölkerungsgruppen nicht länger arbeiten, wird in der Regel mit der fehlenden Akzeptanz eines solchen Systems begründet.“

Rentendauer von Geringverdienern: „Nehmen diese auch systematisch kürzer in Anspruch“

„Fehlenden Akzeptanz eines solchen Systems“ – Das Argument ist wohl kaum ernst zu nehmen. Schließlich können sich die umfangreichen faktischen Rentenkürzungen und Rentenbesteuerung wohl kaum auf eine breite Akzeptanz der Bevölkerung stützen. Zumal für eine derartige Ungleichbehandlung noch nicht mal eine ernstzunehmende Rechtfertigung existiert.