„Künstliche Nahrungsmittelknappheit“ – Warum sich Menschen keine Lebensmittel mehr leisten können?

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Die Nahrungsmittelknappheit wird häufig als eine Art von Naturkatastrophe oder schicksalhafte Fügung dargestellt. Doch meist hat der Mensch selbst die Finger im Spiel und das ist keine neue Entwicklung, sondern es reicht bis in die Antike zurück. Auch die viele der heutigen Hungersnöte lassen sich in dieses Schema einordnen.

„Lebensgefahr durch Nahrungsmittelknappheit betrifft weltweit 800 Millionen Menschen“

>>Das geheime Netzwerk der Natur von Peter Wohlleben (Buch) <<

„Lebensgefahr durch Nahrungsmittelknappheit betrifft weltweit 800 Millionen Menschen, von denen jedes Jahr allein 6,9 Millionen Kinder unter fünf Jahren verhungern. Der Krieg im Kongo kostete seit 1996 etwa vier Millionen Einwohner das Leben.“

„Jedes Jahr allein 6,9 Millionen Kinder unter fünf Jahren verhungern“

Viele Hungersnöte lassen sich auf militärische Konflikte zurückführen. Durch kriegerische Einwirkungen kann Landwirtschaft nicht stattfinden oder die Bauern müssen – freiwillig oder unfreiwillig – Militärdienst ableisten. Gleichzeitig kann die Nahrungsmittelversorgung selbst zur Waffe werden und das stellt keine neues Phänomen dar: Schon in der Antike wurde eigens dafür ein Amt geschaffen.

„Zum Jahr 14 n. Chr. ist für den Bereich der Nahrungsmittelversorgung erstmals ein Amtsträger bezeugt“

>>Das antike Rom von Frank Kolb (Buch) <<

„Zum Jahr 14 n. Chr. ist für den Bereich der Nahrungsmittelversorgung erstmals ein Amtsträger bezeugt: der praefectus annonae, stets ein Mann ritterlichen Ranges. Er wurde vom Kaiser ernannt und war nur ihm verantwortlich. … Der Annona-Präfekt verfügte über richterliche Kompetenzen innerhalb seines Amtsbereiches, aber stets behielt der Kaiser sich eine direkte Kontrolle vor, zumal korrupte Präfekten anscheinend nichts Unübliches waren. Ein unzuverlässiger Amtsträger in diesem für die Versorgung Roms prekären Bereich konnte sogar gefährlich für die kaiserliche Autorität und die öffentliche Ordnung werden, wie eine bürgerkriegsähnliche Revolte im Jahr 189/190 zeigte, als anscheinend der Annona-Präfekt den Haß des Volkes auf einen einflußreichen Höfling lenken wollte und eine künstliche Nahrungsmittelknappheit herbeiführte.“

Antike: „Künstliche Nahrungsmittelknappheit“ – „Eine bürgerkriegsähnliche Revolte im Jahr 189/190“

Eine künstliche Nahrungsmittelknappheit zur Erreichung von politischen Zielen? – Eigentlich hat sich seit der Antike hieran wenig verändert. Auch in Deutschland sind künstlich-erzeugte Hungersnöte belegt.

„Das Hungerjahr“ – „Die Weltproduktion im Jahr 1947 war praktisch normal, außer in Deutschland“

>>Verschwiegene Schuld: Die alliierte Besatzungspolitik in Deutschland nach 1945 von James Bacque (Buch) <<

„Die Weltproduktion im Jahr 1947 war praktisch normal, außer in Deutschland, wo 1947 als »das Hungerjahr« in die Geschichte einging. Da der Rest der Welt jedoch dem Normalzustand so nahe war, lag die Hungersnot in Deutschland offensichtlich nicht an einer fatalen weltweiten Nahrungsmittelknappheit. Die Deutschen hungerten hauptsächlich deshalb, weil sie daran gehindert wurden, sich selbst zu versorgen. Die verfügbare Nahrung wurde ihnen nicht geschickt, und gleichzeitig wurden sie daran gehindert, sowohl selbst genügend anzubauen als auch das Fehlende im Ausland einzukaufen, um sich zu ernähren.“

„Deutschen hungerten hauptsächlich deshalb, weil sie daran gehindert wurden, sich selbst zu versorgen“

Die allermeisten Hungersnöte lassen sich weniger auf natürliche Missernten, sondern auf rein menschengemachte Ursachen zurückführen. Spätestens seit Industrialisierung und der Erfindung der Eisenbahn – etwa Mitte des 19. Jahrhunderts – werden Nahrungsmittel weltweit transportiert: Somit spielen regionale Ernteausfälle nicht mehr die entscheidende Rolle. Durch künstliche Bewässerung und Kunstdünger sind nicht nur neue landwirtschaftliche Flächen hinzugekommen, sondern der Ertrag ist massiv gestiegen. Natürlich fanden in der Landwirtschaft noch mehr Entwicklungen statt, aber eine Hungersnot kommt durch ganz andere Faktoren zustande. In der damaligen Sowjetunion wurden viele Bauernhöfe enteignet und die ehemaligen Besitzer häufig gleich noch verhaftet und deportiert.

Sowjetunion: „Ver­heerende Hungersnot der Jahre 1932/33 mit geschätzten 6 Millionen Toten“

>>Der Baum der Wahrheit von Gert Scheffler (Buch) <<

„Die Deportation, Neuansiedlung und anfängliche Versorgung fand unter menschenunwürdigsten Bedingungen statt. Teilweise handelte es sich um schlichte Aussetzungen in der absoluten Einöde Sibiriens. Vom Februar bis Dezember 1930 kam unter diesen Bedin­gungen eine halbe Million Menschen um. Damit ging natürlich auch ein ho­hes Potential an Arbeitskraft verloren. Andererseits wird es immer auffälliger, dass hier keine mehrheitliche Kraft, wie die Arbeiterklasse am Wirken war, sondern eine an den Schalthebeln der Macht sitzende degenerierte Oligar­chie, die Krieg gegen das eigene Volk führte. 1930 lag der Durchschnitt des beschlagnahmten Vermögens der Kulaken bei 564 Rubel entsprechend etwa 15 Monatsgehältern eines Arbeiters. Da­ gegen betrugen die Kosten für die Deportation einer Kulakenfamilie 1000 Rubel. Das zeigt, wie geistlos die ganze Angelegenheit geleitet und betrieben wurde. Wenn man dann noch die Kosten der GPU für die „Beschaf­fung“ von Lagerinsassen und die formale Kontrolle der Lager veranschlagt, braucht es nicht zu verwundern, dass der sozialistische Staat 13 Jahre nach der Revolution weiter denn ja davon entfernt war, die wirtschaftliche Überle­genheit über den Kapitalismus nachzuweisen und systematisch in die ver­heerende Hungersnot der Jahre 1932/33 mit geschätzten 6 Millionen Toten hineinsteuerte.“

Sowjetunion: „An den Schalthebeln der Macht sitzende degenerierte Oligar­chie, die Krieg gegen das eigene Volk führte“

Auch diese Hungersnot lässt sich auf rein künstliche Ursachen zurückführen. Zumal die Nahrungsmittelknappheit mit behördlichen Gesetzen geregelt und mit aller Härte durchgesetzt wurde.

Sowjetunion: „Der Staat steuerte der Nahrungsmittelknappheit mit einem rigorosen Gesetz gegen“

>>Der Baum der Wahrheit von Gert Scheffler (Buch) <<

„Der Staat steuerte der Nahrungsmittelknappheit mit einem rigorosen Gesetz gegen, welches für jeden Diebstahl 10 Jahre Lagerhaft oder die Todesstrafe vorsah. Wie bereits erwähnt, wurden in wenigen Monaten 125.000 Men­schen nach diesem Gesetz verurteilt, davon 5400 Personen zum Tode. Wieder mussten die Kulaken und andere negative Elemente der Landbevöl­kerung als Sündenböcke herhalten. Es kam zu einer Massenflucht von Bauern in die Städte, so dass man sich auch hier zu gewaltsamen Gegen­aßnahmen gezwungen sah.“

Sowjetunion: „Es kam zu einer Massenflucht von Bauern in die Städte“

Bei einer Hungersnot kommen nicht alle Menschen nur durch Hunger ums Leben, sondern diverse Begleiterscheinungen gehören immer mit dazu. Auch heutzutage zeichnen sich bereits eine Nahrungsmittelknappheit ab. Die Stilllegung von Ackerflächen sind hierbei nur ein Punkt.

„Stilllegung von Ackerflächen: Werden deutsche Bauern benachteiligt?

>>Agrarheute.com<<

„Stilllegung von Ackerflächen: Werden deutsche Bauern benachteiligt? – Werden Flächen völlig sich selbst überlassen, erschwert das deren erneute Nutzung als Ackerfläche erheblich. … „Jeder Hobbygärtner weiß, wie schwierig es ist, auf stark verunkrautetem Boden beispielsweise Gemüse anzubauen. … “

„Jeder Hobbygärtner weiß, wie schwierig es ist, auf stark verunkrautetem Boden beispielsweise Gemüse anzubauen“

Solche Flächen lassen sich nur mit hohen Kostenaufwand wieder zur landwirtschaftlichen Nutzung reaktivieren. Zugleich die Stilllegung von Ackerflächen nur eine behördliche Verordnung darstellt. Auch mit der künstlichen Reduzierung von Dünger wird der Ertrag erheblich zurückgehen. Ein massiver Preisanstieg von Lebensmitteln wird also zu erwarten sein und besonders die Armen werden darunter leiden.