Persönliche Inflation & Indexmodell versus Harmonisierte Verbraucherpreisindex als offizielle Methode der Inflationsberechnung

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Die tatsächlichen Preissteigerungsrate werden überschätzen, weil die offizielle Inflation in Wahrheit viel niedriger liegen soll? – Gemeint ist damit vermutlich die gefühlte Inflation. Zuweilen wollen selbst offizielle jenen Angaben keinen Glauben mehr schenken. Dennoch hat sich die Deutsche Bundesbank ihre eigene Erzählung zusammengebastelt.

„Benzin, Brot und Busfahrkarten“ – „Wir messen Änderungen der Preise für diese Güter oft zu große Bedeutung bei“

>>Deutsche Bundesbank<<

„In den letzten Jahren sind die Preise einiger häufig erworbener Waren beziehungsweise in Anspruch genommener Dienstleistungen überdurchschnittlich angestiegen. Beispiele hierfür sind Benzin, Brot und Busfahrkarten. Wir messen Änderungen der Preise für diese Güter oft zu große Bedeutung bei, wenn wir über Inflation nachdenken. Dies kann dazu führen, dass wir die tatsächliche Preissteigerungsrate überschätzen.“

„Preise einiger häufig erworbener Waren beziehungsweise in Anspruch genommener Dienstleistungen überdurchschnittlich angestiegen“

Dies wurde im Rahmen eines offiziellen Vortrags veröffentlicht. Kurzum: Die Geldentwertung – sprich Inflation – findet also nur nach sehr eigenwilligen Kriterien statt und der Rest soll augenscheinlich nur Einbildung sein. Tatsächlich sind an der Idee des Warenkorbs zur Ermittlung der Inflation erhebliche Zweifel angebracht.

Inflationsberechnung: „Zudem sind die jährlichen Anpassungen der Produkte und deren Gewichtung im Warenkorb zu hinterfragen“

>>Die große Geldrevolution von Daniel Tröster & Torsten Wolf (Buch) <<

„Die Idee eines Warenkorbs zur Ermittlung der Teuerungsrate mag ja von der Grundidee her Sinn ergeben. Doch für einen einzelnen lässt sich daran nicht die “persönliche Inflation” ablesen. Zudem sind die jährlichen Anpassungen der Produkte und deren Gewichtung im Warenkorb zu hinterfragen, denn diese ermöglichen eine Verfälschung der Statistik. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Gefühl und “Wahrheit” wie so oft weit auseinanderliegen.“

Offizielle Inflation: „Für einen einzelnen lässt sich daran nicht die “persönliche Inflation” ablesen“

Dieser Warenkorb oder Harmonisierte Verbraucherpreisindex  – kurz HVPI – spiegelt eher die wohlhabenderen Bevölkerungsschichten wider. Oder anders: Für einem erheblichen Teil der Bevölkerung sehen die täglich sichtbaren Preissteigerungen ganz anders aus.

Harmonisierte Verbraucherpreisindex:  „Basiert auf einem aus bestimmten Waren und Dienstleistungen bestehenden Warenkorb“

>>Der Crash ist die Lösung von Marc Friedrich & Matthias Weik (Buch) <<

„Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) basiert auf einem aus bestimmten Waren und Dienstleistungen bestehenden Warenkorb. Dieser ist repräsentativ für alle privaten Haushalte. Diejenigen Haushalte, die eine überdurchschnittliche Inflation erleben, sind sich dieser Tatsache unter Umständen stärker bewusst als jene, die von einer unterdurchschnittlichen Teuerungsrate profitieren.« Als Beispiel führt die EZB aus, dass bei steigenden Spritpreisen die »persönliche Inflation« der Autofahrer stärker sei als diejenige der Menschen, die selten oder nie Auto fahren. Diese Argumentation und besonders dieses Beispiel machen uns fast sprachlos. Ist es tatsächlich eine persönliche und darum nur »gefühlte« und eben nicht reale Inflation, wenn die Spritpreise steigen? Klar, wenn wir alle nicht mehr heizen und tanken und am besten auch nicht essen und wohnen, sondern uns nur laufend neue Flatscreen-Fernseher, USB-Sticks und Laptops zulegen, dann wird uns die Inflation nicht mehr belasten.“

„Klar, wenn wir alle nicht mehr heizen und tanken und am besten auch nicht essen und wohnen“

Eigentlich hätte den Verantwortlichen klar sein müssen, dass der Harmonisierte Verbraucherpreisindex bestenfalls nur für eine Minderheit der Bevölkerung gilt. Jenseits davon kann sich jeder seine persönliche Inflation berechnen. Dazu sind keine modernen Computerprogramme, sondern ein klassisches Haushaltsbuch nötig.

„Wie man eine persönliche Inflation berechnet“

>>Rente ohne Roulette von Eva Abert & Anette Weiß (Buch) <<

„Wie man eine persönliche Inflation berechnet – Es gibt mehrere Ansätze, sich seiner eigenen persönlichen Inflation anzunähern. Der wissenschaftlichste Ansatz wäre, über Jahre hinweg ein Haushaltsbuch geführt zu haben und hier ganz sauber herauszurechnen, wann Du wie viel von was gekauft hast und wie sich die Preise dieser Waren im Laufe der Zeit verändert haben. Der Abstand dieser Preise wiederum aufs Jahr umgerechnet ergäbe dann die Teuerungsrate der einzelnen Produkte, aus der Du dann wiederum eine Inflationsrate für Deinen persönlichen Warenkorb ausrechnen könntest.“

„Es gibt mehrere Ansätze, sich seiner eigenen persönlichen Inflation anzunähern“

Dieses Verfahren per Haushaltsbuch ist keineswegs weit hergeholt. Vielmehr will selbst der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk der offiziellen Inflationsberechnung keinen rechten mehr Glauben schenken und will – auf durchaus vergleichbare Weise – seine eigenen Berechnungen anstellen. Stichwort: Indexmodell

Rundfunkbeitrag: „Danach würde der Beitrag genauso ansteigen wie auch alle anderen Preise“

>>taz<<

„Danach würde der Beitrag genauso ansteigen wie auch alle anderen Preise. Mit der Inflation also. Sprich: Der Beitrag bliebe faktisch, real, kaufkraftbereinigt für immer gleich. Wonach sich die automatische Steigung bemisst, ist noch unklar. Schon jetzt nimmt die KEF bei ihren Empfehlungen die Teuerungsrate im Bereich Rundfunk in den Blick. Für die Zahlenden wäre es aber besser, man nähme die allgemeine Teuerungsrate – die ist niedriger.“

Rundfunkbeitrag: „Der Beitrag bliebe faktisch, real, kaufkraftbereinigt für immer gleich“

>>T-Online<<

„Denn auch eine Anpassung an die Preisentwicklung könne auf ein Schrumpfen hinauslaufen. Teuerungsraten und Tarifabschlüsse bei den Sendern lägen längst über dem Verbraucherpreis-Index. Deswegen wird es entscheidend sein, welchen Ausgangswert der neue Index als Sockel haben wird.“

„Teuerungsraten und Tarifabschlüsse bei den Sendern lägen längst über dem Verbraucherpreis-Index“

Teuerungsrate im Bereich Rundfunk“ – Im Prinzip ist es – vereinfacht – nichts anderes als Berechnung der persönlichen Inflation per Haushaltsbuch. Natürlich ließe sich – auf einer ähnlichen Grundlage – die Teuerungsrate für Niedriglohnempfänger, Rentner oder Hartz IV berechnen: Aber dies würde vermutlich für einige Verantwortlich viel zu viel soziale Gerechtigkeit darstellen.