Jährliche Rentenerhöhungen: „Inflation steigt noch schneller“ – Warum die kalte Progression viele Rentner noch ärmer macht

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Die Zahlen der Armutsrenten schnellen schon seit vielen Jahren in die Höhe hinauf. Das Rentenniveau wurde bereits vielfach abgesenkt und gleichzeitig das Renteneintrittsalter erhöht. Zusätzlich müssen Rentner obendrauf noch Steuern zahlen: Zu allen Überfluss schlägt auch noch die kalte Progression voll zu. Deshalb ist es kaum verwunderlich: Warum immer mehr Rentner durch sehr seltsame Straftaten auffallen.

„Rentner zerlegt Wildschwein auf Berliner Supermarktparkplatz“

>>Vice<<

„Rentner zerlegt Wildschwein auf Berliner Supermarktparkplatz – Vorher soll er das „zutrauliche Tier“ dort erschlagen haben. … Der 80-Jährige war jedoch kein mordlustiger Schweinehasser. …. Er soll der Polizei erzählt haben, dass er nur das „gute Fleisch“ essen wolle. Da er sich das finanziell nicht leisten könne, habe der gelernte Metzger das „zutrauliche Tier“ mit einem Beil erschlagen, um es anschließend zu verputzen.“

Wilderei aus Armut: „Da er sich das finanziell nicht leisten könne“

Die vermeintlich so „reichen Rentner“ fallen immer wieder durch sehr skurrile Straftaten auf: Eine Rentnerin muss wegen Diebstahl von Haarklammern und Sahnesteif eine Haftstrafe antreten. Ein anderer Rentner hat Kaffee illegal aus einem Supermarktmülleimer gefischt. Natürlich lassen solche Straftaten lassen dem Sozialstaat in einen sehr bizarren Licht erscheinen. Tatsächlich wurde nicht nur das Rentenniveau abgesenkt, sondern die Renten werden noch durch ganz andere Tricks gemindert.

Diebstahl aus Armut: Haarklammern – Sahnesteif – Kaffee

Bei der Steigerung der Rente plustert sich der Staat regelmäßig als großer „Wohltäter“ auf: Doch bei genauer Betrachtung gleichen die Rentenerhöhungen nicht mal die jährliche Inflationsrate aus.

Warum frisst die Inflation die Rente auf?

>>Focus<<

„Inflation steigt noch schneller – bleibt der Anstieg der Renten einem Bericht zufolge hinter der steigenden Inflation zurück. … Diesem Plus von 28 Prozent stünden allerdings insgesamt 29,9 Prozent Inflation gegenüber, wie sich aus Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ergebe.“

Jährliche Rentenerhöhungen – „Inflation steigt noch schneller“

Alleine über die Inflation sinkt jedes Jahr die Rente weiter ab. Aber auch über die Steuerschrauber werden Rentner um ihre Altersbezüge gebracht. Zudem schlägt die kalte Progression unnachgiebig zu: Mit jeder inflationsbedingten „Rentenerhöhung“ steigen die Renten zwar auf den Papier an, aber gleichzeitig müssen immer mehr Rentner an das Finanzamt viel Geld überweisen: Denn plötzlich fallen sie aus den jährlichen Grundfreibetrag raus

„Rentner verpflichtet – Eine Steuererklärung abzugeben“

>>n-tv<<

„Doch damit sind auch immer mehr Rentner verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Denn dies ist immer dann der Fall, wenn das zu versteuernde Einkommen den jährlichen Grundfreibetrag überschreitet.“

Existenzminimum: Warum der Grundfreibetrag real sinkt?

Vereinfacht: Durch eine Rentenerhöhung sind am Ende viele Rentner ärmer als vorher: Die bizarre Logik eines Finanzamtes macht es möglich. Formal soll der Grundfreibetrag das – per Grundgesetz geschützte – Existenzminimum sichern, aber offenkundig kann der Grundfreibetrag genauso wenig mit der Inflation mithalten.

Wie das Finanzamt sich an der Rente bereichert

Jedoch in regelmäigen Abständen gibt die Deutsche Rentenversicherung bekannt: Alles sei halb so schlimm. Denn dann ist die große Stunde des berühmten Eckrentners angebrochen.

Um Altersarmut zu kaschieren: Wenn die große Stunde des berühmten Eckrentners kommt

>>Deutsche Rentenversicherung<<

„Das Rentenniveau drückt das Verhältnis des sog. Standard- oder Eckrentners mit 45 Entgeltpunkten zum Durchschnittsverdiener aus und beträgt derzeit 48,1 Prozent.“

„Eckrentners mit 45 Entgeltpunkten zum Durchschnittsverdiener aus und beträgt derzeit 48,1 Prozent“

Der Eckrentner ist eine reine behördliche Phantasiefigur und muss ein Leben jenseits jeglicher wirtschaftlicher Realität geführt haben. Faktisch nirgendwo kann jemand soviel durch Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verdienen und noch dazu so viele Jahre zur Arbeit gegangen sein. Aber man kann ja – einen Moment – in der behördlichen Phantasiewelt bleiben und als Gegenstück den Begriff des Eckbeamten erfinden.

Wenn der „Eckbeamten“ sich zur Ruhe setzt

>>Beamte – Was die Adeligen von heute wirklich verdienen von Torsten Ermel (Buch) <<

„Den Begriff des Eckbeamten gibt es eigentlich gar nicht. Dennoch soll er hier als Gegenstück zum Eckrentner eingeführt werden, um einen sinnvollen Vergleich zwischen Rentnern und Pensionären möglich zu machen. … Der durchschnittliche Beamte arbeitet somit im gehobenen Dienst und ist damit am Ende seiner Laufbahn in Besoldungsstufe A12 angelangt. Sein letztes aktives Einkommen beträgt dann inklusive ruhegehaltsfähiger Zulagen und Ehegattenzuschlag gut 4.800 €. Daraus errechnet sich eine Pension in Höhe von 3.600 €.

Altersruhegehalt eines Beamten im Jahr 2014: „Pension in Höhe von 3.600 €“

Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2014 und im selben Jahr hat – zum Vergleich – die reale Durchschnittsrente (West) bei 783 Euro gelegen. Selbstredend sind bei der Deutschen Rentenversicherung viele Beamte beschäftigt und die wollen im Alter keine Rente, sondern lieber ihre viel üppigere Pension beziehen.

 

–W E R Β U Ν G–

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