Lausitzer Strukturwandel: Der große Kahlschlag bei den Metallern

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Bedeutende Branchen im Lausitzer Revier sind neben der Energiewirtschaft im industriellen Bereich die Ernährungs­wirtschaft, die Chemie-, Papier-, Glas-, Gips- und Kunststoffindustrie, die Metallerzeugung und -bearbeitung und das Herstellen von Metallerzeugnissen, insbesondere im Leichtbau. Weiterhin sind der Maschinenbau inkl. Fahr­ zeug­bau/Fahrzeugteilen … “ – So steht es im amtlichen Gutachten der Kommission für „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ geschrieben: Alles Arbeitsplätze die massiv auf eine günstige und zuverlässige Energieversorgung angewiesen seien.

Lausitz – „Metallerzeugung und -bearbeitung und das Herstellen von Metallerzeugnissen“

Doch besonders die Metallerzeugung und -verarbeitung scheint regelrecht angezählt zu sein: Diese Unternehmen müssen deswegen nicht zwangsläufig von Bildfläche verschwinden, aber der Wirtschaftsstandort Lausitz dürfte wackligen Beinen stehen. Denn ein paar Meter jenseits der Grenze spiegelt sich ein ganz anderes Bild wider.

„Tschechien treibt Ausbaupläne für AKW weiter“

>>Wiener Zeitung<<

„Tschechien treibt Ausbaupläne für AKW weiter – Laut bisherigen Plänen sollte in Dukovany mit vier Blöcken ein fünfter Reaktor gebaut werden, … „

„Plänen sollte in Dukovany mit vier Blöcken ein fünfter Reaktor gebaut werden“

Und auch beim tschechischen Kernkraftwerk Temelín nehmen die Ausbaupläne konkrete Formen an. Allgemein: Der verfügbare Kraftwerksleistung steigt im Nachbarland somit massiv an. Auch im Polen findet eine etwas andere „Energiewende“ statt: Die Erweiterung des Tagebau Turow soll die Energieversorgung mit Strom aus Kohle für die Zukunft sicherstellen. Interessant: Der Tagebau Turow ist gefühlt nur ein Steinwurf hinter der Lausitzer Grenze gelegen und baut praktisch – aus geologischer Sichtweise – die selben Kohlevorkommen ab.

Energiewende hin zur Kohle in Polen: „Die Erweiterung des Tagebau Turow“

Aber im Lausitzer Revier soll faktisch dieselbe Kohle in Zukunft nicht mehr gefördert werden. Alleine diese politische Weichenstellung lässt so manches Unternehmen aufhorchen.

„Siemens Energy fürchtet die IG Metall am Görlitzer Standort“

>>Zeit<<

„Im Zuge des verkündeten Stellenabbaus bei Siemens Energy fürchtet die IG Metall am Görlitzer Standort um mehr als 120 Arbeitsplätze. Unter den Mitarbeitern herrsche große Verunsicherung, … „

Siemens in Görlitz – „Mitarbeitern herrsche große Verunsicherung“

Die Arbeitsplätze sind schon seit langer Zeit gefährdet: Aber was genau stellt Siemens in Görlitz hauptsächlich eigentlich her? Es handelt sich um industrielle Dampfturbinen für konventionelle Kraftwerke: Also genau solche Kraftwerke, die planmäßig alle zur Stilllegung angezählt seien sollen. Selbst ohne Wirtschaftsstudium kann sich jeder an drei Fingern abzählen, dass dieser Standort auf lange Sicht für das Unternehmen eher Rufschädigend sei: Über diese Art der Stromerzeugung wird gefühlt beinahe täglich öffentlich hergezogen. Aber im Zuge des Strukturwandels könnten noch ganz andere Arbeitsplätze hinten runterfallen.

„ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt etwa 500 Arbeitsplätze abbauen“

>>Guss-Gefluester.de<<

„Laut dem Berliner Stadtportal, will der Stahlkocher ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt etwa 500 Arbeitsplätze abbauen.“

ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt: Der ganze Standort könnte stillgelegt werden

Nicht nur 500 Arbeitsplätze sollen verschwinden, sondern der ganze Standort könnte stillgelegt werden. Am Ende stellen sich die Gründe ungefähr deckungsgleich wie bei Siemens in Görlitz heraus: Eine Mischung aus teuren Energiepreisen und eine öffentliche Abwertung des gesamten Berufsstandes: Sogar in Wirtschaftsmagazinen wird die Stahlproduktion mittlerweile öffentliche angeprangert.

Wo genau sollen die Ersatzarbeitsplätze für das Lausitzer Revier herkommen?

Sicherlich mögen ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt und Siemens in Görlitz recht große Standorte seien. Aber vor vergleichbaren Problemen dürften viele metallverarbeitende Betriebe stehen.

Metaller: Kaum öffentliche Wertschätzung für das Handwerk

Aber im amtlichen Gutachten der Kommission für „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ steht etwas ganz anderes drin: Nach deren Vorstellungen sollen genau diese Unternehmen neue „Ersatzarbeitsplätze“ wie durch Zauberhand schaffen und somit dem Wegfall der Arbeitsplätze im Lausitzer Revier ausgleichen: Die Realität ist gefühlt zwar schon zwei Schritte weiter gegangen, aber offiziell wird am behördlichen „Planziel“ noch immer festgehalten. Kurzum: Die Marke „Made in Germany“ dürfte auf lange Sicht weniger für Qualität, sondern mehr für eine völlig abgedrehte Energie- und Wirtschaftspolkit stehen.

 

–W E R Β U Ν G–

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