Spreewald als Wildnis? – Weshalb viele bedrohte Wildtiere aktiv die Nähe zur Kulturlandschaft suchen

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Ist der Lausitzer Spreewald eine Wildnis? – Einige würde dies vielleicht mit „Ja“ beantworten. Allerdings werden hierbei einige Fakten ausgeblendet. Trotz des oberflächlichen Anscheins ist der Spreewald eine Kulturlandschaft und keine Wildnis. Teile davon sollen jedoch zur Wildnis werden und dadurch würden viele Arten ihren natürlichen Lebensraum verlieren.

„Der Spreewald ist Weltkulturerbe nicht Weltwildniserbe“

>>Change.org<<

„Der Spreewald ist Weltkulturerbe nicht Weltwildniserbe – Vom Landesamt für Umwelt kam der Vorschlag große Flächen des Ober- und Unterspreewaldes vom 350 Jahre alten Kulturwald unter anderem aus Kostengründen stillzulegen. In den jetzt schon vorhandenen Schutzgebieten im Spreewald gibt es keinen Hochwald mehr, nur noch Verbuschung durch massives Erlensterben. Durch mangelnde Gewässerpflege in den Schutzgebieten verursacht und verbotene Wiederaufforstung ist unser Hochwald sehr stark vom Aussterben bedroht. Durch natürliche Aussaat kann sich der Hochwald nicht regenerieren, weil ein keimen der Saat nicht möglich ist.“

„Verbotene Wiederaufforstung ist unser Hochwald sehr stark vom Aussterben bedroht“

Zwar mag der Spreewaldoberflächlich betrachtet – wie Wildnis aussehen, aber es handelt sich dabei um eine Kulturlandschaft. Ohne menschliche Eingriffe würde sich der Spreewald – mehr oder weniger – in ein nahezu unzugängliches Sumpf oder Moorgebiet verwandeln. Doch einige Tierarten brauchen genau diese Kulturlandschaft zum überleben.

Kulturfolger: „Fuchs, Steinmarder, Rehwild und Wildkaninchen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Menschen leben“

>>Grundwissen Jägerprüfung von Siegfried Seibt (Buch) <<

„Die Anpassungsfähigkeit der Säugetiere an die menschliche Zivilisation ist sehr unterschiedlich. Während zum Beispiel Fuchs, Steinmarder, Rehwild und Wildkaninchen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Menschen leben (Kulturfolger), haben sich einige Arten wie Rotwild und Baummarder in ruhige, große zusammenhängende Wälder zurückgezogen (Kulturflüchter).“

Unterschiede zwischen Kulturfolger & Kulturflüchter

Der Weißstorch dürfte sicherlich zum bekannteren Kulturfolgern zählen. Diese Vogelart sucht die unmittelbare Nähe des Menschen auf. Nicht selten sind Storchennester mitten im Dorf anzutreffen. Mit einer „Wildnis“ kann diese Tierart wenig anfangen. Auch die recht unscheinbare Waldameisen kann zur Sorte der Kulturfolger zählen.

Warum der Weißstorch mit einer Wildnis wenig anfangen kann

>>Das geheime Netzwerk der Natur von Peter Wohlleben (Buch) <<

„Die Waldameisen sind also ganz klar in die Kategorie »nützlich« einzusortieren. Wenn wir allerdings einen zweiten, etwas genaueren Blick auf die Art werfen, kommen leichte Zweifel auf. Da wäre zum einen die Frage, ob diese Ameisen tatsächlich schützenswert sind. Zur Klarstellung: Schützenswert im Sinne von erwiesenem Respekt sollte für jede Art gelten, egal, ob sie häufig oder selten ist. Schützenswert im Sinne von erforderlicher aktiver Unterstützung ist jedoch ein ganz anderes Etikett, das in diesem Fall fehl am Platz ist, zumindest in unseren Breiten. Denn die Waldameisen sind Kulturfolger, die sich nur im Rahmen des zügellosen Nadelholzanbaus ausbreiten konnten. In unseren ursprünglichen Laubwäldern waren die Hügelbauer nicht vertreten – oder haben Sie schon einmal einen Ameisenhaufen aus Blättern gesehen?“

Kulturfolger: „Die Waldameisen sind also ganz klar in die Kategorie »nützlich« einzusortieren“

Einige Arten können aus der Nähe des Menschen einem ungeheuren Nutzen ziehen. Beispielsweise hat infolge des Energiemaisanbaus – für Biogas – die Wildschweinpopulation zugenommen. Natürlich will niemand das Wildschwein in Europa ausrotten, aber die unnatürliche hohe Anzahl dieser Tiere kann anderen bedrohten Arten gefährlich werden: Denn das Wildschein ist ein Allesfresser und es kann daher enormen Schaden anrichten. Deshalb müssen Jäger punktuell eingreifen und doch viele von ihnen üben die Jagd als reine Freizeitbeschäftigung – mit wenig Ansehen – aus.

„Verantwortung, die der Jäger gerade heute für die moderne Kulturlandschaft zweifelsohne hat“

>>Heute noch jagen? von Hans-Dieter Pfannenstiel (Buch) <<

„Für viele Jäger ist Jagd heute zur reinen Freizeitbeschäftigung geworden. Der in der Öffentlichkeit dafür gebrauchte Begriff Hobbyjagd hat entsprechend auch einen deutlich negativen Klang. Die Verantwortung, die der Jäger gerade heute für die moderne Kulturlandschaft zweifelsohne hat, wird von einigen Jägern tatsächlich nicht im erforderlichen Maße gesehen, geschweige denn wahrgenommen. Das zeigt sich auch daran, dass immer weniger Waidmänner langfristig Verantwortung für ein Revier übernehmen wollen.“

„In der Öffentlichkeit dafür gebrauchte Begriff Hobbyjagd hat entsprechend auch einen deutlich negativen Klang“

Ähnlich wie die Jagd in einer Kulturlandschaft, müssen auch die Gewässer – respektive Fließe – des Spreewalds regelmäßig gepflegt werden. Andernfalls ist eine Verbuschung zu befürchten und viele Arten würden ihren Lebensraum verlieren.