Czorneboh – „Projektionsfläche vielfältiger mythologischer Vorstellungen“

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Die Berge Czorneboh und Bieleboh stechen als markante Höhenzüge im Lausitzer Bergland hervor. Schon in der Frühzeit wurden sie mit einen Götterglauben in Verbindung gebracht. Noch heute geben die beiden Berge so manche Geographie eines Ortes vor.

Cunewalde: „Mitten im Lausitzer Bergland zwischen Bautzen und Löbau“

>>Gemeinde Cunewalde<<

„Cunewalde liegt im Ostsächsischen Landkreis Bautzen mitten im Lausitzer Bergland zwischen Bautzen und Löbau. Der Ort Cunewalde liegt im Tal zwischen den Bergketten des Czorneboh (556 m) mit Döhlener Berg im Norden und des Bieleboh (499 m) im Süden.“

„Cunewalde liegt im Tal zwischen den Bergketten des Czorneboh (556 m) mit Döhlener Berg im Norden und des Bieleboh (499 m) im Süden“

Der Ort Cunewalde ist über elf Kilometer lang und hat sich maßgeblich entlang des Tales zwischen den beiden Bergen ausgebreitet. Die beiden Höhenzüge sind mit dem Ort also untrennbar verbunden.

„Der Name Czorneboh kommt aus dem Sorbischen und bedeutet schwarzer Berg“

>>Waldhufe am Czorneboh<<

„Der Name Czorneboh kommt aus dem Sorbischen und bedeutet schwarzer Berg. Zusammen mit seinem Gegenüber, dem weißen Berg Bieleboh, bettet er das Cunewalder Tal ein.“

Czorneboh -Als echter Berg & mythologische Gottheit

Der „Czorneboh“ stellt gleichzeitig eine Gottheit dar. Der „Schwarzer Gott“ wird manchmal fälschlich als „Teufel“ übersetzt, obwohl es mit den christlichen Teufel keineswegs zu vergleichen ist.

“ … das sorbische Volk – gibt es das?“

>>Tage und Werke von Peter Handke (Buch) <<

“ … das sorbische Volk – gibt es das? ja, es gibt es noch, vor allem Wort um Wort, bei Kito Lorenc – als seinen, na ja, mehr oder weniger heiligen Berg ansieht, den čornobóh (»č« wie in Tschernobyl), von den Metaphysikern unter den Sorben übersetzt als »Schwarzer Gott«, von den eher physikalisch-mathematisch Gesonnenen als »Schwarzer Bogen« oder »Schwarze Seite«; »Schwarze Saite«, mit »ai«, wäre zwar sicher falsch, aber das wäre der dem Anblick des Czorneboh (so schreibt er sich deutsch) zumindest zeit-, tag-, nacht- oder jahreszeitweise entsprechende, wenigstens nicht falsche Ton. Woher ich, ein Fremder im Dreiländereck, das weiß? Ich hab’s erlebt. Immer wieder bin ich im letzten Jahrzehnt dort in der Oberen Łužica gewesen, habe sie durchfahren und, mehr noch, durchwandert, eher durchstreunt, durchschnüffelt, durchstöbert, durchforstet, wenn auch kaum als ein zünftiger Förster.“

„Schwarzer Gott“ – „Metaphysikern unter den Sorben übersetzt“

Aller Wahrscheinlichkeit müssen die beiden Berge Czorneboh und Bieleboh für den vorchristlichen Götterglauben entscheidend gewesen sein. Zwar geben die zeitgenössischen Schriften kein einheitliches Bild ab, aber zumindest scheint ein Czorneboh-Kult belegt.

„1791 ist schließlich im 6. Heft der „Lausitzer Monatsschrift“ eindeutig der heutige Czorneboh als solcher bezeichnet“

>>Geschichtliches Cunewalde<<

„Über den Götterglauben wurde Folgendes geschrieben: Sie glauben nämlich, alles Glück werde von einem guten, alles Unglück aber von einem bösen Gott gelenkt. Daher nennen sie auch den bösen Gott in ihrer Sprache „Diabol“ oder „Zcerneboch“, also den schwarzen Gott. Im Jahre 1530 übertrug man den Czorneboh-Kult auf die Sorben der Lausitz. Diese Zeitfolge gilt jedoch als fehlerhaft und daher unzuverlässig. Zwischen 1780 und 1806 entstanden die „Sächsischen Meilenblätter“, ein militärisches Kartenwerk. Darin wurde der Berg mit dem Doppelnamen „Schleifenberg / Zschernebog“ eingetragen. Manche Felsen des Berggipfels trugen die Bezeichnung „Hölle“ und „Teufelssteine“. 1791 ist schließlich im 6. Heft der „Lausitzer Monatsschrift“ eindeutig der heutige Czorneboh als solcher bezeichnet. Der Bautzener Pfarrer, Historiker und Chronist Dr. Erwin Wienecke initiierte die Rückbenennung des Czorneboh in den urkundlich 1571 dokumentierten deutschen und damit aus seiner Sicht einzig richtigen Namen „Schleifberg“. Dieser Begriff war allen befragten Sorben bis dahin gänzlich unbekannt. Die Namensänderung in „Schleifberg“ wurde nach 1945 schließlich wieder gänzlich zurückgenommen. Obwohl der Czorneboh als vorgeschichtlicher Kultplatz archäologisch bisher nicht belegt und damit strittig ist, war er schon in der frühen Neuzeit eine Projektionsfläche vielfältiger mythologischer Vorstellungen. Ihren Hauptgegenstand bildete die Felsgruppe auf dem Gipfel des Berges. In ihnen glaubte man aufgeschichtete Altäre mit „Opferbecken“, „Fackelhaltern“ und „Frageloch“ zu erkennen.“

Czorneboh – „Projektionsfläche vielfältiger mythologischer Vorstellungen“

Allerdings muss auf der anderen Seite nüchtern festgestellt werden: Modernen Archäologen sind auf Czorneboh und Bieleboh selten anzutreffen. So wirklich will sich die Archäologie damit nicht befassen und meisten ist die Forschungsarbeit auf das Auswerten von alten Schriften beschränkt. Dabei sollten die vielen Sagen und seltsamen Steinformationen zu denken geben.

„Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz“ – „Sagenbuch der Lausitz“

>>Sorabicon<<

„Der vermeintliche Kult um den Schwarzen Gott, dem von den Sorben in heidnischer Zeit geopfert worden sein soll, sowie die Übersetzung des alten Namens Prašica als Frage- bzw. Orakelberg haben im 18./19. Jh. zu mythologischen Deutungen bestimmter Naturerscheinungen und zur Sagenbildung geführt (Heinrich Gottlob Gräve: „Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz“, 1839; Karl Haupt: „Sagenbuch der Lausitz“, 1862/63). Unweit des Gipfels befindet sich an einem der Felstürme eine ausgewitterte Öffnung, Teufelsfenster oder Koboldkammer genannt, an der man angeblich Fragen an die Zukunft stellen konnte, worauf man geheimnisvolle Antworten erhielt.“

„Mythologischen Deutungen bestimmter Naturerscheinungen und zur Sagenbildung“

Zumindest die Fragen nach der Wintersonnenwende können diese Felsen noch heute präzise beantworten. Der Berg Czorneboh weist – wie andere Berge der Region ebenso – eine solche Felsformation auf.

„Teufelstisch“ – „Im Spalt erscheint zur Wintersonnenwende die Sonne gegen Mittag“

>>Götterhand<<

„Der Komplex „Teufelstisch“ wird von der turmartigen Felsklippe mit dem Namen Teufelstisch und einem ca. 100 m östlich gelegenen namenlosen Steinturm mit auffälligen Sichtspalt gebildet. Der Name des Berges Czorneboh, kommt aus dem Sorbischen und heißt übersetzt „Schwarzer Gott“. … Der Felsen mit dem Namen Teufelstisch steht allein und bildet unter sich zwei auffällige Durchblickmöglichkeiten. Einen senkrechten Spalt in Nord-Süd-Richtung und ein Sichtfenster in Ost-West-Richtung. Im Spalt erscheint zur Wintersonnenwende die Sonne gegen Mittag. In dem Sichtfenster zum Frühlings-/Herbstanfang am Morgen. Für einen Stein mit einer eierbecherförmigen Vertiefung wird eine Funktion als Lichtmarke für die Wintersonnenwende vermutet.“

„Stein mit einer eierbecherförmigen Vertiefung wird eine Funktion als Lichtmarke für die Wintersonnenwende vermutet“

Natürlich kann sich jeder über Sagen und Steinformationen seine eigene Meinung bilden. Dennoch geht ein entscheidender Punkt bei dieser Betrachtung völlig unter: Die Mythen haben bis zum heutigen Tage kaum etwas an ihrer Faszination verloren und gerade für die Kultur der Sorben können sie Identitätsstiftend sein.