Lausitzer Kultur & Slawen: Wurde wirklich erst im Mittelalter die Schriftsprache eingeführt? 

Screenshot youtube.com Screenshot youtube.com

Trotz umfangreicher Kenntnisse in Metall- und Keramikverarbeitung wird die historische Lausitzer Kultur als keine Hochkultur – offiziell – anerkannt. Als ausschlaggebender Grund wird das Fehlen einer Schrift angeführt. – Aber ist diese Sichtweise überhaupt korrekt?

Warum nach heutigen Historiker-Kriterien die moderne Zivilisation keine Hochkultur mehr sein kann?

>>Klexikon<<

„Mit Hochkultur meint man eine ausgeklügelte Organisation eines Volkes. Es geht also nicht nur um die Menschen an sich sondern um die Art und Weise, wie sie ihr Zusammenleben ordnen und gestalten. Zu einer Hochkultur gehören eine gemeinsame Schrift, Religion, Kultur, eine Armee und viele verschiedene Berufe.“

„Mit Hochkultur meint man eine ausgeklügelte Organisation eines Volkes“

Diese Kriterien sollen historische Kulturen und Hochkulturen auseinander halten. Allerdings wirft schon der Punkt „gemeinsame Religion“ erheblich Zweifel auf: Demnach würde sich die gegenwärtige Kultur als keine Hochkultur – durch verschiedene Religionen und Atheisten – mehr ausweisen können, außer man würde die zeitgenössische Wissenschaft als Religion offiziell klassifizieren. Jedoch die meisten historischen Kulturen sollen an der gemeinsamen Schrift gescheitert sein.

Gemeinsame Religion als Kriterium für eine Hochkultur: Ist die Wissenschaft zur modernen Religion verkommen?

Auch die historische Lausitzer Kultur wird – wegen der vermeintlich fehlenden Schrift – als keine Hochkultur – offiziell – anerkannt. Wie die allermeisten historischen Kulten sollen sie keine – belegte – Schrift entwickelt haben.

„Mit der Lausitzer Kultur in der Bronzezeit gab es in der Region eine frühe kulturelle Blüte“

>>Prähistoriker Dr. Eberhard Bönisch<<

„Mit der Lausitzer Kultur in der Bronzezeit gab es in der Region eine frühe kulturelle Blüte. Die Lausitzer Kultur war fast eine Hochkultur. Lediglich die Schrift hat dafür als Kriterium gefehlt.“

Lausitzer Kultur als Hochkultur – „Lediglich die Schrift hat dafür als Kriterium gefehlt“

Allerdings sind an diesem Bewertungskriterien erhebliche Zweifel angebracht. Speziell die ausdifferenzierte Arbeitsteilung macht eine Form von Schrift eigentlich undenkbar. Zumal die Rekonstruktion der Geschichte wegen der langen zurückliegenden Zeit als äußerst kompliziert anzusehen sei. Immerhin kann organisches Material nur in seltenen Ausnahmefällen solch eine lange Zeit überdauern und genau so stellt sich die Fundsituation auch dar: Vorwiegend sind nur Stein-, Keramik- und Metallobjekte gefunden worden. Erst die Schriften der byzantinischen Missionare Kyrill und Method – im 9. Jahrhundert – haben die Zeiten überdauert.

Lausitzer Kultur & Slawen: Wurde wirklich erst im Mittelalter die Schriftsprache eingeführt? 

>>Invasion der Barbaren von Peter Heather (Buch) <<

„So bedeutsam die Entstehung des slawischen Europa ist, so überaus schwierig ist die Rekonstruktion dieses Prozesses. Dafür gibt es einige auf der Hand liegende und einige eher exotische Gründe. Erstens verfügen wir über keinerlei zeitgenössische Zeugnisse eines slawischen Autors. Lesen und Schreiben lernten die Slawen erst mit der Christianisierung. Mitte des 9. Jahrhunderts verschriftlichten die byzantinischen Missionare Kyrill und Method in Mähren für ihre Bibelübersetzung erstmals eine slawische Sprache.“

Geleugnet & Zerstört: Wie sieht der Umgang mit Kyrill und Method in der Gegenwart aus?

In dieser Betrachtungsweise wird gern eine wesentliche Tatsache ausgeblendet: Die Zerstörungswut der Eroberer. Selbst die – belegte – griechische Schriftsprache von Kyrill und Method wird heute gerne als Tatsache ausgeblendet. Sogar das recht abgelegene Denkmal von Kyrill und Method in der Lausitz muss regelmäßig eine Welle der Zerstörungmit „politische Aussage?“ – über sich ergehen lassen. Mit welche „Genauigkeit“ die Eroberer in der Regel vorgehen: Das kann Anhand der Maya-Schriften heute gut nachvollzogen werden.

Maya-Schriften: „Außer der Dresdner Handschrift sind weltweit nur noch drei weitere originale Codices bekannt“

>>Sächsische Landesbibliothek — Staats- und Universitätsbibliothek Dresden<<

„Außer der Dresdner Handschrift sind weltweit nur noch drei weitere originale Codices bekannt, die der am 12. Juli 1562 auf Anordnung von Diego de Landa, dem späteren Bischof von Yucatán, vorgenommenen Verbrennung von Maya-Schriften als Zeugnissen für Aberglauben und Teufelslügen entgangen sind … „

„Verbrennung von Maya-Schriften als Zeugnissen für Aberglauben und Teufelslügen“

Die Eroberer haben beinahe ganze Arbeit geleistet: Nicht mal eine handvoll Codices haben die Zeiten überdauert. Wären auch diese Zerstörungswut zum Opfer gefallen, dann würden man die Maya heutzutage nicht mehr als Hochkultur anerkennen, weil sie angeblich keine Schrift hervorgebracht hätten. Das Fehlen einer Schriftsprache bei einer Kultur kann also auf recht banale Gründe zurückzuführen sein.