Schlafwandler, die unabsichtlich in einen Krieg hineinstolpern?

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Schlafwandler, die unabsichtlich in einen Krieg hineinstolpern? Klingt vielleicht ein bisschen abwegig, aber diese These ist eben auch nicht wirklich von der Hand zu weisen. Gemeint ist damit nicht die gegenwärtige Situation, sondern die Geschehnisse am „Vorabend“ des Ersten Weltkrieges. Steht nun in der heutigen Zeit eine vergleichbare Ereignis vor der Tür?

„Fokus neuerdings wieder auf die Handlungen aller Großmächte legen“

>>Die Julikrise Europas Weg in den Ersten Weltkrieg von Annika Mombauer (Buch) <<

„Wenn wir den Fokus neuerdings wieder auf die Handlungen aller Großmächte legen, heißt das nicht, wie es in der Zwischenkriegszeit von David Lloyd George beschwichtigend behauptet wurde, Europas Mächte seien hilflos in einen Krieg geschlittert, den niemand gewollt habe. Wie wir gesehen haben, war dieser Krieg nicht das Resultat von «professionellen Fehlern» einer relativ kleinen Gruppe von Diplomaten, Politikern und Militärs (Holger Afflerbach). Der Krieg war kein «Unfall», er war nicht das Resultat von Fehlern oder Versäumnissen, und die Verantwortlichen von 1914 waren keine «Schlafwandler» (Christopher Clark), sondern sie wussten im Gegenteil ganz genau, was sie taten. Der Krieg brach aus, weil einflussreiche Kreise in Wien und Berlin ihn herbeiführen wollten und ihn absichtlich riskierten und weil man in Paris und Petersburg bereit war, diesen Krieg zu führen, wenn er denn käme. Gewiss, es gab auch in Paris und Petersburg und zu einem viel geringeren Teil sogar in London im Juli 1914 Befürworter des Krieges, vor allem unter den Militärs.“

„Der Krieg brach aus, weil einflussreiche Kreise in Wien und Berlin ihn herbeiführen wollten“

Selbst in der Nachtbetrachtung ist die Situation nicht ganz einfach aufzuschlüsseln, da eine Menge an Akteuren sehr verschiedene Ziele verfolgten. Zumal der letzte größere Krieg „nur“ die deutschen Staaten und Frankreich betroffen haben. Das damalige Szenario hätte also nicht zwangsläufig in einem großen Krieg münden müssen, sondern hätte auch als begrenzter Konflikt zwischen zwei Staaten enden können. Aber das Wesen des Krieges lässt sich nicht so einfach kalkulieren. Die Ereignisse können sich leicht hoch schaukeln und am Ende tritt eine Situation herbei, die niemand mehr wirklich kontrollieren kann. Als Lehrstück kann hierbei auch der Falklandkrieg gesehen werden.

„Der Falklandkrieg 1982 zwischen Argentinien und Großbritannien war im Vergleich dazu ein begrenzter Konflikt“

>>Die Kunst der Niederlage von Holger Afflerbach (Buch) <<

„Der Falklandkrieg 1982 zwischen Argentinien und Großbritannien war im Vergleich dazu ein begrenzter Konflikt und endete mit einer geradezu klassischen Schlachtentscheidung. Der Kampf fand auf See und auf dünn besiedelten Inseln statt, so dass es sich um einen Kriegsschauplatz fast ohne Zivilisten handelte. Der Kampf war trotzdem für Sieger und Besiegte eine äußerst unangenehme Erfahrung. Britische Soldaten erinnern sich noch Jahrzehnte später an die schrecklichen Wetterbedingungen auf den Falkland-Inseln.“

„Britische Soldaten erinnern sich noch Jahrzehnte später an die schrecklichen Wetterbedingungen auf den Falkland-Inseln“

Noch heute sind die Falklandinseln sehr dünn besiedelt und stellen für Menschen eher unwirkliche klimatische Bedingungen bereit. Wie ist es also zum Krieg gekommen? Einer der Gründe: Zu dieser Zeit hat in Argentinien eine recht unbeliebte Militärdiktatur geherrscht und ein erfolgreicher Krieg sollte vermutlich vor innenpolitischen Problemen ablenken. Denn das haben Kriege so an sich. Alle anderen Probleme treten danach in den Hintergrund zurück. Dieser Faktor sollte keineswegs unterschätzt und könnte gerade in der aktuellen Situation noch wichtig werden.

„Harte Wirtschafts- und Finanz-Sanktionen gegen Russland beschlossen“

>>Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz<<

„In Reaktion auf die fortgesetzten Angriffe der russischen Streitkräfte in der Ukraine hat die EU – abgestimmt mit den USA, Großbritannien, Kanada und weiteren Partnerländer – seit dem 23.02.2022 in mehreren Tranchen harte Wirtschafts- und Finanz-Sanktionen gegen Russland beschlossen. Diese neuen Sanktionen ergänzen und erweitern die seit 2014 bestehenden EU-Sanktionen.“

„Deutschland will weitere Waffen an die Ukraine liefern“

>>Handelsblatt<<

„Deutschland will weitere Waffen an die Ukraine liefern – auch fabrikneue Zuletzt wurde auf NVA-Bestände zurückgegriffen. Nun hat die Bundesregierung bei den Rüstungskonzernen angefragt, welche Militärgüter neu und als Soforthilfe verfügbar seien.“

„Welche Militärgüter neu und als Soforthilfe verfügbar seien“

Die Spirale aus Wirtschaftssanktionen und Waffenlieferungen könnte sich auch zum offenen Krieg weiterdrehen. Zumal die Bundesregierung – selbst ohne diesem Konflikt – vor massiven wirtschaftlichen Problemen steht. Deshalb dürfte für viele Akteure im inneren Kreis der Bundesregierung dieser Krieg beinahe wie gerufen kommen. Es stellt eine perfekte Ausrede für praktisch alles dar und jegliche Diskussionen hierüber sind faktisch unterbunden. Auch in der Außenpolitik wird der Kriegskurs noch eher unterstützt.

„Die enge Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika“

>>Auswärtiges Amt<<

„Die enge Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika beruht auf historisch gewachsenen Beziehungen, gemeinsamen Erfahrungen, Werten und Interessen.“

„Offensive deutsche Außen- und Sicherheitspolitik mit klarer Westbindung“

In vielerlei Hinsicht stellt diese „Freundschaft“ vielmehr eine Einbahnstraße dar. Im Endeffekt üben die USA großen Einfluss einseitig auf Deutschland aus und die deutschen Interessen in der USA sind kaum vorhanden. Sogar der staatliche Rundfunk musste es eingestehen.

„Transatlantiker mit Meinungsmacht“

>>Staatsfunk „Deutschlandfunk“ <<

„Transatlantiker mit Meinungsmacht – Die sogenannten Transatlantiker … stehen fest an der Seite der USA. Sie vertreten eine offensive deutsche Außen- und Sicherheitspolitik mit klarer Westbindung. Was passiert in transatlantischen Netzwerken, und wie groß ist ihr Einfluss wirklich?“

„Was passiert in transatlantischen Netzwerken, und wie groß ist ihr Einfluss wirklich?“

Viele wichtige Politiker sind in transatlantische Netzwerke eingebunden und der daraus resultierende amerikanische Einfluss ist kaum zu übersehen. Der amerikanische Irakkrieg im Jahr 2003 hat genauso gegen das Völkerrecht verstoßen und der deutschen Seite war es völlig egal gewesen. Zumal sich die Frage im derzeitigen Ukrainekrieg aufdrängt: Wozu muss sich Deutschland überhaupt auf eine Seite schlagen und am Ende sogar noch Akteur werden? Denn durch die Waffenlierfungen und Wirtschaftssanktionen wurde bereits eine wichtige Schwelle zum offenen Krieg überschritten. Zumal die Vereinigten Staaten von Amerika ein doppeltes Spiel treiben: Zwar fordern sie harte Wirtschaftssanktionen gegen Russland und mehr Unterstützung für die Ukraine von Deutschland ein, aber sie selbst haben nur marginale Wirtschaftssanktionen verabschiedet. Auch der Gasstreit fällt darunter. Die USA sind selbst Exporteur von Gas, weshalb ihnen irgendwelche russischen Gassanktionen egal sein können. Am Ende des Krieges könnte also die USA als strahlender wirtschaftlicher Sieger hervortreten.