„Freiheit sitzt als manipulierter Gedanke in den Köpfen“ – Von antiken Schuldsklaverei zur modernen Lohnsklaverei?

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Von antiken Schuldsklaverei zur modernen Lohnsklaverei? – Ist solch eine abwegige These überhaupt haltbar?

Sklaverei – Nur eine Form der Unfreiheit?

Die antike Sklaverei war in unterschiedlichen Regionen zu verschiedenen Zeiten wenig einheitlich geregelt. Die Sklaverei stellt somit – als kleinster gemeinsamer Nenner – eine Form der Unfreiheit dar. Damit können die modernen Arbeitnehmer wohl schlechterdings verglichen werden? – Oder etwa doch? Schließlich sollen sie alle Vorzüge der Freiheit genießen. Jedoch die „abhängig Beschäftigten“ sind aber in Wirklichkeit gar nicht so frei. Ihre Steuerlast ist hoch und vorm Finanzamt können sie davon wenig geltend machen. Die teuren Sozialversicherungen sind in der Praxis unkündbar. Am Ende läuft es ebenso auf eine Form der Unfreiheit hinaus: Die abhängig beschäftigten Personoffizieller Terminus – können nur wenige Rechte tatsächlich geltend machen.

„Abhängig Beschäftigt“ – Auch nur eine Form der Unfreiheit?

In der antiken Vergangenheit sind die viele Menschen durch Schulden in die Sklaverei geraten. Das dahinter liegende Rechtssystem hat sich im Laufe der Jahrtausende eher geringfügig gewandelt. Auch Strafgefangene hatten in der Neuzeit – selbst nach Absitzen ihrer Strafe – ihren Status behalten.

Sträflingskolonie – Warum verurteilte Strafgefangene nach Verbüßung ihrer Strafe in der Verbannung blieben?

>>Irische Geschichte für Dummies von Mike Cronin (Buch) <<

„Seit 1788 nutzten die Briten Australien als Sträflingskolonie, und Iren gehörten zu den ersten Strafgefangenen, die dorthin geschickt wurden. Sie kamen 1791 an. Seit der Ankunft dieser ersten Gefangenen, haben so viele Iren die lange Reise ans andere Ende der Welt unternommen, dass es nach Irland selbst das irischste Land der Welt ist: ein Drittel der 19 Millionen Australier haben irische Vorfahren. … Die Iren waren ein solch zentraler Bestandteil der Welt des Verbrechens – zumindest die Briten waren dieser Meinung –, dass sie ein Viertel derer stellten, die nach Australien deportiert wurden.“

„Ein Drittel der 19 Millionen Australier haben irische Vorfahren“

Bereits zuvor wurden andere britische Kolonien – darunter die spätere USA – als Sträflingskolonien genutzt. Schon geringe Vergehen haben für eine Deportation nach Übersee ausgereicht. Selbst nach Absitzen ihrer Strafe war ihnen entweder die Heimfahrt verwehrt oder sie konnten sich die Fahrkarte nicht leisten. Kurzum: Die Strafe war meist mit einer Verbannung auf Lebenszeit verbunden. In dieser zeitlichen Epoche hat eine große Hungersnot in Irland gewütet: Aus purer Not sind vermutlich viele Menschen mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Warum auch heute Schulden vererbt werden können?

Letztendlich muss die Situation politisch gewollt gewesen sein: Schließlich wurde wenig gegen die offenkundige Armut getan und die verhängten Strafen – die Verbannung auf Lebenszeit – können wohl kaum als Verhältnismäßig angesehen werden. Die dahinter liegende Ideologie lässt sich direkt aus der Schuldsklaverei ableiten. Schließlich haben die verurteilten Sträflingsolonisten einem anderen Status erhalten und dieser weist erstaunliche Parallelen zur Antike mit der Schuldsklaverei auf.

„Die Schuldsklaverei war in der Antike eine verbreitete Praxis“

>>Kapital und Ideologie von Thomas Piketty (Buch) <<

„Die Schuldsklaverei war in der Antike eine verbreitete Praxis. Und die Bibel wie auch mesopotamische und ägyptische Stelen zeugen von endlosen Kreisläufen aus dem Anhäufen von Schulden und der Versklavung, zuweilen unter brochen von Phasen des Schuldenerlasses und der Sklavenbefreiung, um den sozialen Frieden wiederherzustellen. Die Bedeutung der historischen Beziehung zwischen Sklaverei und Verschuldung illustriert im Englischen der Begriff bondage, der auf die kennzeichnende Abhängigkeit von Leibeigenschaft oder Sklaverei verweist. Bond bezeichnet so ab dem 13. Jahrhundert sowohl die rechtlichen und finanziellen Beziehungen zwischen Gläubiger und Schuldner als auch die der Abhängigkeit zwischen Grundherr und Bauer. Die Rechtssysteme, die im 19. Jahrhundert errichtet wurden, schafften am Ende die Sklaverei gleichzeitig mit dem Schuldgefängnis und vor allem der Übertragung von Schulden an die nachfolgenden Generationen ab.“

„Abhängigkeit von Leibeigenschaft oder Sklaverei“

Die Übertragung von Schulden an die nachfolgenden Generationen wurde gesetzlich geregelt, aber besteht bis in die Neuzeit fort. Wer sein Erbe nicht ausschlägt: Derjenige kann selbst heute noch einen Schuldenberg erben. Solche Regelungen lassen problemlos bis in die Antike zurückverfolgen. Die Kinder eines in die Schuldknechtschaft geratenen Sklaven sind ebenfalls Sklaven. Vorwiegend wird die Sklaverei am anderen Status der Person festgemacht: Er kann weder Verträge schließen oder kündigen, und sein persönlicher Besitz ist stark eingeschränkt. Diese Form der „abhängigen Beschäftigung“ wird heutzutage gerne auf – etwas überspitzt – auf die sogenannte „Lohnsklaverei“ übertragen: Dennoch lassen sich die offenkundigen Parallelen schlecht leugnen.

„Abhängig Beschäftigter“ – „Lohnsklaverei“ – „Der grösste Teil der arbeitenden Bevölkerung“

>>Nach dem Finanz-Kollaps von Walter K. Eichelburg (Buch) <<

„Lohnsklaverei: Der grösste Teil der arbeitenden Bevölkerung macht das heute als Arbeitnehmer, offiziell „abhängig Beschäftigter“. … Er ist lohnabhängig; das Gehalt vom Arbeitgeber ist meist das einzige Einkommen. … Alle seine Abgaben werden automatisch vom Arbeitgeber an den Staat abgeführt. Erarbeiten muss er sie aber. Diese Abgaben aus Sozialversicherung und Lohnsteuer betragen bei uns etwa 50 % des realen Bruttogehaltes (nicht dem, das auf der Gehaltsabrechnung steht). Zudem muss er noch etwa 20 % indirekte Steuern auf den Konsum zahlen, meist in Form von Umsatzsteuer. Bei Treibstoffen, Autos, Tabak und Alkohol ist es mehr. Diese Abgaben liefern die Firmen ab, bei denen er einkauft. Daher merkt er die hohe Steuerbelastung real nicht.“

„Abgaben aus Sozialversicherung und Lohnsteuer betragen bei uns etwa 50 % des realen Bruttogehaltes“

Der Begriff „Lohnsklaverei“ mag vielleicht überspitzt sein, aber im Kern ist viel Wahrheit enthalten. Denn bei Licht betrachtet: Alleine die sogenannten „Sozialversicherung“ stellen sich als sehr Unsozial heraus. Die gesetzlichen Versicherungen zeichnen sich durch hohe Beiträge, eine riesige Bürokratie und geringe Leistungen aus. Bei der Arbeitslosenversicherung rutschen – trotz gezahlter Beiträge – viele bei Arbeitslosigkeit direkt in Hartz IV hinein. Die Rentenversicherung kann bestenfalls eine lächerliche Armutsrente garantieren.

Was ist an unkündbaren Versicherungen sozial?

Selbstverständlich kann der „abhängig Beschäftigte“ diese teuren und unvorteilhaften Versicherungsverträge keinesfalls kündigen. Normalerweise würden solche Knebelverträge – im privatwirtschaftlichen Bereich – als sittenwidrige Verträge gelten und wären somit unwirksam. Im Kern geht also die sogenannte „Lohnsklaverei“ weniger durch die Arbeitgeber, sondern mehr durch einen übergriffigen Staat aus. Der Begriff „Freiheit“ stellt sich also eher als Illusion heraus.

„Freiheit sitzt als manipulierter Gedanke in den Köpfen“

>>Proleten, Pöbel, Parasiten von Christian Baron (Buch) <<

„Alix Faßmann … ihr Buch »Arbeit ist nicht unser Leben« veröffentlicht hat. Darin geht die Mittdreißigerin mit der Freiheitsillusion der Generation Y hart ins Gericht: »Die Freiheit sitzt als manipulierter Gedanke in den Köpfen derer, die nicht mehr abhängig sein wollen von moderner Lohnsklaverei. … « … Der Niedriglohnsektor sei in den vergangenen zehn Jahren nirgends so rapide gewachsen wie in Deutschland, die durchschnittliche Wochenarbeitszeit steige seit Jahren in allen Branchen, während parallel die Löhne sänken – und die einst in den Chefetagen als »angriffslustige Rottweiler« gefürchteten Gewerkschaften seien kaum mehr als »Chihuahuas mit kupiertem Schwänzchen«, die »nur noch aus Geltungsdrang kläffen«.

„Niedriglohnsektor sei in den vergangenen zehn Jahren nirgends so rapide gewachsen wie in Deutschland“

Natürlich lässt sich der Begriff „Lohnsklaverei“ problemlos zurückweisen. Aber tatsächlich wohnt bei „abhängig Beschäftigten“ – rechtlich gesehen – ein anderer Status inne. Die Sozialversicherungsverträge werden zwangsweise geschlossen und können nicht gekündigt werden. Die allermeisten Steuern – wie Energiesteuer, Mehrwertsteuer, etc. – bleiben faktisch bei der Steuererklärung unberücksichtigt.