Amerikansicher Bürgerkrieg – 1865: Warum die Sklaverei als Kriegsgrund nur eine untergeordnete Rolle spielte

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Zwar wird das Jahr 1776 – als Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika angesehen: Allerdings die allgemeine internationale Anerkennung fand erst im Laufe des 19. Jahrhunderts statt. Zudem haben sich die meisten US-Bundesstaaten erst viel später den amerikanischen Staatenbund angeschlossen.

USA: Staat oder Staatenbund?

Die USA selbst sahen sich zu dieser Zeit auch primär mehr als Staatenbund und weniger als Staat an: An genau dieser Frage entlud sich auch der amerikanische Bürgerkrieg: Der über eine halbe Millionen Menschenleben fordern sollte.

„Kein Krieg in der Geschichte der USA hat mehr amerikanische Leben gefordert“

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„Mehr als jedes andere Ereignis hat der Bürgerkrieg (1861 bis 1865) das „amerikanische Experiment“ auf eine regelrechte Probe gestellt. Kein Krieg in der Geschichte der USA hat mehr amerikanische Leben gefordert – die Zahl wird auf über 600.000 Soldaten und mehrere Hunderttausend Zivilisten geschätzt. Die Hauptursache für den Bürgerkrieg war zweifellos die Sklaverei mit all ihren Begleiterscheinungen und Konsequenzen.“

Die Sklaverei als Kriegsgrund?

Vielmehr dürfte die Sklaverei – als Kriegsgrund – eher zur notdürftigen Rechtfertigung dienen. Zwar war schon damals die Sklaverei nicht besonders gut angesehen, aber häufig löste die unmittelbare Sklaverei nur – sklavenähnliche Arbeitsbedingungen – ab. Rein formal gewannen diese Menschen mit der Abschaffung der Sklaverei ihre Freiheit, fanden sich aber dennoch in einer wirtschaftlich-prekären Abhängigkeit wieder. Da in dieser Zeitalter gleichzeitig die Industrialisierung stattfand, wurde faktisch die direkte Sklaverei nur durch prekäre Arbeitsverhältnisse ersetzt. Diese ganze Entwicklung – rund um die Sklaverei – ist auf recht banale Ursachen zurück zu führen.

Industrielle Revolution: Menschliche Arbeitskraft durch Maschinenkraft ersetzt

Durch die Erfindung der Dampfmaschine wurde zunehmend menschliche Arbeitskraft durch Maschinenkraft ersetzt. Vereinfacht: Selbst der beste Baumwollpflücker kann niemals mit einer schlechten Baumwollerntemaschine mithalten. Durch die fortschreitende Technisierung wurden zunehmend weniger Arbeitskräfte benötigt, während gleichzeitig Sklaven in der Industrie und verarbeitenden Gewerbe schlicht ungeeignet waren. Schon seit der Antike waren Sklaven nur für einfache Arbeiten geeignet: Das zeichnet nun mal das allgemeine Wesen der Sklaverei aus. Ein Unfreier ist eben auch Unwillig irgendwas zu erlernen. Kurzum: Die Sklaverei wurde vorwiegend deshalb abgeschafft, weil sie schlicht nicht mehr gebraucht wurde.

Warum die Sklaverei wirklich abgeschafft wurde

Gleichzeitig wurde menschliche Arbeitskraft zunehmend durch Maschinenkraft ersetzt, womit ein unerschöpfliches Heer an billigen und willigen Arbeitskräften zur Verfügung stand. Gleichzeitig mussten die nunmehr „freien“ Arbeiter nicht mehr bewacht oder versorgt werden. Schon alleine aus ökonomischen Gründen hatte sich das Konzept der Sklaverei in der entwickelten Welt totgelaufen und daran hat sich bis heute nicht viel geändert: Nur noch in bitterarmen Entwicklungsländern findet tatsächlich – noch heute – direkte Sklaverei statt.

Sklaverei als Kriegsgrund spielte nur eine untergeordnete Rolle

Dass die Sklaverei als Grund für den amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) bestenfalls nur eine untergeordnete Rolle spielte, zeigt sich schon daran, dass die ehemaligen Sklaven noch mindestens bis zu Martin Luther King benachteiligt wurden: Also über hundert Jahre nach den formalen Ende des Bürgerkriegs. Im amerikanischen Bürgerkrieg  diente die „Befreiung der Sklaven“ vorwiegend dazu: Um den blutigen Krieg in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen und daran hat sich bis heute nicht viel geändert.

Sklaverei: Als Grund um dem Krieg in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen

Tatsächlich ging es mehr um wirtschaftliche Gründe und weniger um moralisch-erheische Ansichten. Die Südstaaten der USA unterhielten seit jeher enge Handelsbeziehungen zu ihren Ex-Kolonialmächten. Europäische Produkte hatten schon damals einen guten Ruf, während die US-Südstaaten selbst Rohstoff – wie Baumwolle – exportierten. Viele US-Südstaaten lagen entweder direkt am Meer oder waren indirekt durch dem schiffbaren Mississippi angebunden. Zu der Zeit war zwar die Eisenbahn schon erfunden worden, aber das dazugehörige Eisenbahnnetz noch nicht sonderlich gut ausgebaut. Kurzum: Der Weg nach Europa und Südamerika war sprichwörtlich näher, als zu den übrigen US-Bundesstaaten. Auch kulturell stand man den alten Europa sehr nahe.

US-Südstaaten standen Europa sehr nahe

Zudem kam noch der Umstand hinzu, dass die US-Südstaaten noch nicht allzu lange Teil der USA waren. Texas war – zu jener Zeit – kurz zuvor noch ein unabhängiger Staat gewesen, der erst wenige Jahren vor dem Bürgerkrieg – aus freien Stücken – dem USA beigetreten war. Gleichzeitig sahen sich die USA primär als Staatenbund und weniger als Staat an. Bedeutet: Eigentlich sollten die autonomen Rechte der US-Bundesstaaten gewahrt bleiben. Genau an diesem Punkt hing sich auch der ganze Konflikt auf.

Europäischen Staaten standen auf der Seite der Konföderierten Staaten von Amerika

Die US-Südstaaten wollten sich primär nur als eigenständiger Staatenbund vom Rest-USA abspalten. Diese Vorhaben wurde auch aus Europa eher wohlwollend betrachtet. Deshalb war man auch bereit, dem Konföderierten Staaten von Amerika militärisch beizustehen. Allerdings hätte das Einschreiten der europäischen Staaten einen offenen Konflikt mit den damaligen Russland bedeutet. Denn zu dieser Zeit waren das damalige Kaiserreich Russland und die USA noch enge Verbündete. Das sollte sich erst mit der russischen Revolution im Jahre 1917 ändern.

USA und Russland waren enge Verbündete

Die europäischen Mächte waren zwar bereit dem Konföderierte Staaten von Amerika militärisch zu helfen, aber einen offenen Krieg mit Russland war ihnen das ferne Amerika dann doch nicht wert. Zu jener Zeit standen sich noch England und Russland als große Territorialmächte argwöhnisch gegenüber und jeder suchte sich seine Verbündeten. In diesem Jahren wurde auch Alaska von Russland an die USA verkauft. Der schon damals geringe Kaufpreis resultiert aus den einfachen Grund: Es war ein Freundschaftspreis unter Verbündeten. In der Nachtbetrachtung könnte man durchaus zum Schluss kommen: Das Russland damals das berühmte Zünglein an der Waage gewesen war, wodurch der Norden dem Krieg letztlich gewonnen hatte.

Russland war im Krieg das berühmte Zünglein an der Waage

Letztlich hatte der Krieg auch einen wirtschaftlichen Hintergrund: Auf diese Weise waren die europäischen Konkurrenten verdrängt und die amerikanischen Industriellen konnten stattdessen ihre Produkte – auch Richtung Süden – verkaufen.

 

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