Lausitzer Geschischte: „Einbäume waren noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts im Gebrauch“

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Noch bis ins 19. Jahrhundert gehörten Einbäume im Spreewald zum alltäglichen Anblick einfach dazu. Doch das maritime Fortbewegungsmittel war auch in anderen Teilen der Lausitz anzutreffen. Es hängt sicherlich mit relativ einfachen Bauweise des Einbaums zusammen.

„Einbaum“ – „Der Kahn entstand aus einer Urform“

>> Spreewald Info<<

„Der Kahn entstand aus einer Urform, dem Einbaum, der aus einem Stamm mit Hilfe einer Rundaxt, zur Aushölung oder durch Ausbrennen mit Feuer gefertigt wurde. Einbäume waren noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts im Gebrauch.“

„Einbäume waren noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts im Gebrauch“

Weder an Bauweise oder Form des Einbaums dürfte über Jahrhunderte sich nicht viel geändert haben. Insbesondere die Sorben haben die Fertigungstechniken beherrscht.

„Der Einbaum (wendisch: pławnik) aus Eiche“

>>Spreewaldblog<<

„Der Einbaum (wendisch: pławnik) aus Eiche oder der einfacher zu fertigende, aber nicht so haltbare aus Pappel, dürften über Jahrhunderte als Wasserfahrzeuge dem westslawischen Stamm der Lusici, den Vorfahren der heutigen Sorben/Wenden, gedient haben. Erst mit dem Einzug der Sägetechnik, besonders in den Schneid- und Sägemühlen, war der Mensch in der Lage, aus Langbrettern Kähne in der heute bekannten Form zu fertigen.“

Einbaum: „Über Jahrhunderte als Wasserfahrzeuge dem westslawischen Stamm der Lusici“

Einschränkend muss aber gesagt sein: Archäologische Funde von Einbäumen sind zwar vorgekommen, sie sind aber sehr selten und lassen daher nur wenige Rückschlüsse zu. Denn diese Baumstämme verwittern für gewöhnlich, so wie alle organische Materialien. Deswegen lässt sich der Übergang von Einbaum zu Kähnen mit Langbrettern – wie am Beispiel der Wikinger –  nicht so einfach erklären.

„Einbaum“ – „Mit aufgesetzten Seitenbrettern zusehends erweitert wurde“

>>Die Wikinger von Jörn Staecker (Buch) <<

„Diese Bautechnik geht darauf zurück, dass der Ursprung der nordischen Plankenschiffe im Einbaum liegt, der mit aufgesetzten Seitenbrettern zusehends erweitert wurde. Der Übergang zum Plankenschiff war aber offenbar schon mehrere Jahrhunderte vor Christus vollzogen, wie der Fund eines Schiffs im dänischen Hjortspringmoor bezeugt, das bereits aus recht dünn gearbeiteten Lindenholzplanken bestand.“

„Übergang zum Plankenschiff war aber offenbar schon mehrere Jahrhunderte vor Christus vollzogen“

Ursprünglich haben die Wikinger mit klassischen Einbäumen angefangen und in späterer Zeit kamen Seitenbretter hinzu, bis die typischen Wikingerschiffe dabei herausgekommen sind. Auch die Verbreitung von Einbäumen scheint nicht nur auf dem Spreewald beschränkt gewesen zu sein. In der slawischen Burganlage in der Nähe von Kleinsaubernitz wurde ebenfalls ein Einbaum gefunden.

„Einbaum und ein hölzerner Schlegel gefunden“

>>Oberlausitz: Die Lausitzer Kultur und ihre Burgen von Friederike Koch-Heinrichs (Veröffentlichunge) <<

„In Kleinsaubernitz bot der Wall eine nutzbare Innenfläche von ca. 1,8 ha. Das noch erhaltene oder zumindest dokumentierte Fundmaterial umfasst neben den bereits erwähnten Resten von Gießereiwerkstätten zahlreiche Grab- und Siedlungskeramik, auch Spinnwirtel, Webgewichte, rund 50 Mahlsteine sowie runde „Tonbatzen“, die vermutlich der Keramikherstellung dienten. … Darüber hinaus wurden ein Einbaum und ein hölzerner Schlegel gefunden. Auch wenn das Boot leider nicht erhalten ist, gehören beide Holzobjekte zu den seltenen organischen Funden dieser Zeit. In Verbindung mit der als Netzsenker angesprochenen durchlochten Tonscheibe von der Ortenburg könnte das Boot darauf verweisen, dass eventuell auch der Fischfang Teil der Ernährungsgrundlage auf den Burgen war. Der Einbaum wurde allerdings nur in der Nähe des Walls in 2,75–3,00 m Tiefe gefunden. Im Hinblick darauf, dass der Wall sowohl in der Spätrömischen Kaiserzeit als auch im Spätmittelalter nochmals genutzt oder zumindest begangen wurde, ist die Zuweisung des Bootes in die Zeit der Lausitzer Kultur nicht sicher.“

„Einbaum wurde allerdings nur in der Nähe des Walls in 2,75–3,00 m Tiefe gefunden“

Sicherlich nimmt der Spreewald mit seinen Fließen einem besonderen Stellenwert innerhalb der Lausitz ein, aber trotzdem ist Fischfang auch an anderen Orten der Lausitz möglich. Offenbar wurde der Einbaum mehr oder weniger überall in der Lausitz zur damaligen Zeit genutzt.