Lausitzer Sorben – „War die Ernte beendet, versteckte sich der Hahn unter der letzten Garbe“

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Lausitzer Sorben – Der Hahn kommt in der Lausitz eine besondere Bedeutung zu. Aus vorchristlicher Zeit haben sich einige Bräuche erhalten und werden noch heute gepflegt. Diese Bräuche wurden als immaterielles Kulturerbe bereits gewürdigt.

„Die Lausitzer Sorben sind eine ethnische Minderheit im östlichen Teil Deutschlands“

>>UNESCO<<

„Die Sorben zeichnen sich nicht nur durch ihre eigene Sprache aus, sondern auch durch Eigenarten in der materiellen und der immateriellen Volkskultur. Besonders hervorzuheben sind die vielfältigen lebendigen Bräuche im Jahreslauf. Sie werden aktiv gepflegt und sind wichtige Merkmale der sorbischen Identität und der ethnischen und kulturellen Selbstverwirklichung. Die Lausitzer Sorben sind eine ethnische Minderheit im östlichen Teil Deutschlands.“

Lausitzer Sorben: „Eigenarten in der materiellen und der immateriellen Volkskultur“

Insbesondere nimmt der Hahn bei der kulturellen Selbstverwirklichung der Lausitzer Sorben eine Schlüsselrolle ein. Das Tier wurde aber auch in anderen Kulturen eine besondere Bedeutung zugemessen.

„Hahn als Künder des Tages, als Auferstehungssymbol und als Symbol für die Wiederkunft Christi am Jüngsten Tag“

>>Symboldatenbank<<

„Die frühe christliche Ikonographie behandelt das Thema sehr häufig Beispielsweise auf Sarkophagen, wovon sich mindestens zwölf allein im Lateranmuseum in Rom befinden. Ebenso häufig gilt jedoch in frühchristlicher Deutung der Hahn als Künder des Tages, als Auferstehungssymbol und als Symbol für die Wiederkunft Christi am Jüngsten Tag. Der häufig auf Kirchturmspitzen angebrachte, wegen seiner hohen Position als erster von den Sonnenstrahlen berührte Wetterhahn symbolisiert den Sieg des Lichtes Christi über die Macht der Finsternis.“

Warum der Hahn bei der Getreideernte eine Sonderrolle hat

Die traditionell eher ländliche Bevölkerung der Lausitzer Sorben hat ebenfalls den Hahn in ihre Bräuche mit eingeschlossen. Schließlich wurde einer guten Ernte eine hohe Bedeutung zugemessen, weswegen die heidnischen Geister milde gestimmt werden mussten.

„Seit jeher galt bei den sorbisch / wendischen Bauern die Getreideernte als wichtigste Periode des Jahres“

>>CMT Cottbus Congress<<

„Seit jeher galt bei den sorbisch / wendischen Bauern die Getreideernte als wichtigste Periode des Jahres, da sie maßgebend für das Überleben der Dorfbevölkerung war. Vor allem dem Hahn (sorb. kokot) galt ihr Dank, da er dem heidnischen Glauben nach die Geister der Fruchtbarkeit verkörpert.“

„Getreideernte“ – „Da sie maßgebend für das Überleben der Dorfbevölkerung war“

Nach diesem Glauben hat der Hahn symbolisch für das Ende einer Vegetationsperiode gestanden. Zugleich sollte neue Kraft für die nächste Ernte gesammelt werden.

„War die Ernte beendet, versteckte sich der Hahn unter der letzten Garbe“

>>Stadt Cottbus<<

„War die Ernte beendet, versteckte sich der Hahn unter der letzten Garbe, um neue Kraft für die nächste Ernte zu sammeln, denn die Vegetationsperiode war vorüber. Diese Garbe wurde von den Schnittern mit bunten Blumen und Bändern ausgeschmückt und dabei wurde gerufen: „Źins jo kokot- heut ist kokot“, was soviel bedeutete, dass an diesem Tag die Ernte abgeschlossen war.“

„Źins jo kokot- heut ist kokot“ – „Was soviel bedeutete, dass an diesem Tag die Ernte abgeschlossen war“

Der Hahn wird dabei aber vorwiegend mit der Getreideernte in Verbindung gebracht, da dies eine der wichtigsten Feldfrüchte darstellt und es bis heute geblieben ist.