Schattenstruktur Weiterbildungsindustrie: “Das ist pure Erniedrigung erwachsener intelligenter Menschen”

Screenshot facebook.com

Mit Lamas durch die Stadt spazieren? Einkaufsladen spielen? Oder primitive Wortspielaufgaben lösen? Das sind keine Tipps, wie man kleine Kinder unterhalten kann, sondern amtliche Aufgabenstellungen für Erwachsene. Ziel soll es angeblich sein, mündige Bürger so in Arbeit zu bringen. Das es sich vielmehr um eine Herabwürdigung von Menschen handelt, wollen die Verantwortlichen nicht so recht erkennen. Hinter diesen umstrittenen Maßnahmen, verstecken sich Schattenstrukturen einer milliardenschweren Weiterbildungsindustrie.

>>Huffpost<<

„Innerhalb der sogenannten Hartz-IV-Maßnahmen werden den Arbeitssuchenden offenbar Aufgaben auf Grundschulniveau gestellt. Eine Hartz-IV-Empfängerin berichtet, wie sehr sie das seit 20 Jahren demütigt. Ein Bild von einer Katze mit dem richtigen Wort beschriften: Katze. Ein Bild von einem Herz mit dem richtigen Wort beschriften: Herz. Aufschreiben, welches Wort davon mit “tz” geschrieben wird: Katze. Aufgaben wie diese sollten nicht etwa Zweitklässler lösen, sondern erwachsene Menschen innerhalb einer Hartz-IV-Maßnahme. Das zumindest schreibt eine junge Frau auf Twitter. Mila, die sich auf Twitter ”@CamJMilaC” nennt, hat ein Aufgabenblatt getwittert, das ihre Mutter während einer Hartz-IV-Maßnahme ausfüllen sollte. “Das ist pure Erniedrigung erwachsener intelligenter Menschen”, schreibt Mila. Wenn ihre Mutter nicht an den Maßnahmen teilnehme, würden Sanktionen drohen. Ihr Hartz-IV-Satz würde also gekürzt werden.“

 

>>Spiegel<<

„Arbeitslose spielen Kaufmannsladen Aufblasbarer Plastikkäse, kopiertes Spielgeld, gefärbtes Wasser in Weinflaschen: Das Jobcenter Hamburg finanziert einen kompletten Supermarkt. Hartz-IV-Empfänger sollen dort wieder arbeiten lernen.“

Einkaufladen spielen oder Grundschulaufgaben lösen, die Liste an sogenannten „Maßnahmen“ ließe sich beliebig verlängern. Die Amtsträger sind sich offensichtlich nicht mal im Klaren darüber, dass dieses – nennen wir es mal – „Unterhaltungsprogramm“ eine Herabwürdigung von mündigen Bürger darstellt. Damit sich darüber niemand aufregt: Werden munter drakonische Strafen ausgeteilt. Natürlich liegt es auf der Hand, dass so ein Unsinn niemand in Arbeit bringt.

>>Der Tagesspiegel<<

„Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) macht deutlich, dass Arbeitslose dadurch kaum nachhaltig in Arbeit gebracht werden. Sechs Monate danach sind mehr als zwei Drittel der Teilnehmer noch immer im Hartz-IV-Bezug. Warum ist die Auslastung der Kurse den Jobcentern dann so enorm wichtig? „Ob so ein Kurs den Arbeitslosen etwas bringt, spielt bei der Vergabe keine Rolle“, sagt Petra Friedrichs, eine ehemalige Jobcenter-Mitarbeiterin, die eigentlich anders heißt. „Nicht die Interessen der Arbeitslosen stehen dabei im Mittelpunkt, sondern die der Mitarbeiter“, sagt sie. Das habe eine einfache Erklärung: Arbeitslose, die in einem Kurs stecken, werden in der Arbeitslosenstatistik nicht mitgezählt. Und an der Statistik hängt neben den Erfolgsmeldungen der BA die berufliche Zukunft der Jobcenter-Mitarbeiter auf unterster Ebene – sowie Boni-Zahlungen an ihre Vorgesetzten.“

Laut Statistik gelten alle „erfolgreich“ Vermittelt: Unabhängig davon, ob sie im Einkaufsladen spielen, eine Scheinselbstständigkeit aufgenommen haben oder tatsächlich in Arbeit sind. Selbst der Bundesrechnungshof hat schon Kritik an diesen „Maßnahmen“ geübt – nur leider erfolglos. Unglücklicherweise, schüttet der Staat jedes Jahr Milliarden dieser Gelder, an alle möglichen und unmöglichen „Bildungsträger“ freigiebig aus und entstanden ist daraus: Eine Weiterbildungsindustrie, die selbst wiederum Lobbyarbeit betreibt. Von diesen scheinbar endlos sprudelnden Geldsegen, profitieren auch parteinahe Organisationen, wie die Arbeiterwohlfahrt.

 

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