Kalte Progression & Inflation – „Die Steuer frisst von  der Lohnerhöhung also überproportional viel weg“

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Die steigende Preise fressen immer größere Löcher in die Geldbörsen der Bürger hinein. Die Kaufkraft nimmt ab und viele Menschen haben Probleme ihre Lebenshaltungskosten zu bezahlen. Jedoch dürfte die „reine Inflation“ als alleinige Ursache ausscheiden. Es kommen noch andere Effekte hinzu: Jene können den realen Kaufkraftverlust erklären.

„Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern“

>>Zeit<<

„Der finanzielle Spielraum schrumpft – Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger kaufen können als zuvor. Auch an mickrig verzinsten Ersparnissen nagt eine höhere Teuerung. Jeder neunte Deutsche kann nach eigenen Angaben kaum noch seine Lebenshaltungskosten bezahlen, wie eine YouGov-Befragung im Auftrag der Postbank ergab. «Da sich Lebensmittel, Energie und Kraftstoffe erheblich verteuert haben, die Einkommen mit der Preisentwicklung aber nicht Schritt halten können, schrumpft der finanzielle Spielraum», erläuterte Postbank-Chefvolkswirt … „

„Jeder neunte Deutsche kann nach eigenen Angaben kaum noch seine Lebenshaltungskosten bezahlen“

Der finanzielle Spielraum ist durch steigende Preise für viele Menschen zusammengeschrumpft. Dieser Effekt wird allgemein als Inflation bezeichnet: Doch die amtliche Definition von Inflation will hier nicht so recht passen.

„In einer Marktwirtschaft können sich die Preise von Waren und Dienstleistungen immer wieder ändern“

>>Europäische Zentralbank<<

„In einer Marktwirtschaft können sich die Preise von Waren und Dienstleistungen immer wieder ändern. Manche Produkte werden teurer, andere billiger. Steigen die Preise von Waren und Dienstleistungen allgemein, und nicht nur die Preise einzelner Produkte, so bezeichnet man dies als Inflation. Dann kann man heute mit 1 € nicht so viel kaufen wie noch gestern. Anders gesagt: Durch Inflation sinkt mit der Zeit der Wert einer Währung.“

„Durch Inflation sinkt mit der Zeit der Wert einer Währung“

Zwar kann die Inflation die Preissteigerungen erklären, aber keineswegs den – viel entscheidenderen – Kaufkraftverlust. Vereinfacht: Bei einer „gewöhnlichen Inflation“ steigen Preise und Löhne an und am Ende läuft es auf ein Nullsummenspiel hinaus. Vielmehr kommen noch andere Effekte hinzu. Die inflationsausgleichenden Lohnsteigerungen lassen sich häufig nicht umsetzen. Zu allen Überfluss frisst die geringen Lohnsteigerungen noch die kalte Progression auf.

„Kalten Progression“ – „Die Steuer frisst von  der Lohnerhöhung also überproportional viel weg“

>>Abgezockt und kaltgestellt: Wie der deutsche Steuerzahler systematisch ausgeplündert wird von Peter Lüdemann (Buch) <<

„Das Dilemma der kalten Progression ist nun, dass die Einkommen sämtlicher  Bundesbürger mit der Zeit allein deswegen steigen, weil auch die Preise  steigen. Wenn das Leben teurer wird, brauchen die Menschen höhere Gehälter,  um sich den gleichen Lebensstandard wie vorher leisten zu können. Damit  rutschen sie im progressiven Tarif aber immer höher. Die Steuer frisst von  der Lohnerhöhung also überproportional viel weg. Nun muss der Arbeitgeber  nicht mehr nur ein höheres Gehalt zahlen, um die Inflation auszugleichen. Er muss das Gehalt nochmal erhöhen, um die überproportional zugreifende  Steuer auszugleichen. Um das zu bezahlen, muss er jedoch die Preise für  seine Waren und Dienstleistungen erhöhen, was die Lohn-Preis-Spirale nur  befeuert. Hier widerspricht der progressive Tarif dem Gedanken, dass nur  derjenige höher belastet werden soll, der auch leistungsfähiger ist. Bei einem inflationsbedingten Anstieg des Einkommens ist meine  Leistungsfähigkeit unverändert. Es ist daher nicht gerecht, dass meine Steuerlast steigt.“

„Bei einem inflationsbedingten Anstieg des Einkommens ist meine  Leistungsfähigkeit unverändert“

Durch inflationsbedingte Lohnsteigerung steigt nominal das Einkommen an und dadurch schnellt die Steuerlast unverhältnismäßig nach oben. Überspitzt: Trotz Lohnsteigerungen findet ein Kaufkraftverlust statt. Sogar das Bundesfinanzministerium hat dieses Problem erkannt.

„Einkommensteuerzahlung ist an der Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen ausgerichtet“

>>Bundesfinanzministerium<<

„Die Einkommensteuerzahlung ist an der Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen ausgerichtet. Durch eine progressive Ausgestaltung des Einkommensteuertarifs wird erreicht, dass die durchschnittliche Steuerbelastung mit der Höhe des Einkommens ansteigt. Die Steuerprogression wird auch für den Teil einer Bruttolohnerhöhung wirksam, der lediglich für einen Inflationsausgleich sorgt. Diesen Effekt nennt man „kalte“ Progression.“

„Steuerprogression wird auch für den Teil einer Bruttolohnerhöhung wirksam“

Infolge der Inflation hat das Bundesfinanzministerium dem Grundfreibetrag etwas angehoben: Dennoch ist die kalte Progression keineswegs aus der Welt geschafft worden.

„Immer mehr Deutsche müssen den Höchststeuersatz zahlen“

>>Focus<<

„Immer mehr Deutsche müssen den Höchststeuersatz zahlen. Was einst für die wirklich Reichen gedacht war, trifft heute den deutschen Mittelstand in voller Breite. … Historisch liegt dem Spitzensteuersatz die Vorstellung zugrunde, dass nur Spitzenverdiener dem Spitzensteuersatz unterliegen und daher sehr hohe Steuersätze zu einer gerechten Umverteilung führen.“

„Was einst für die wirklich Reichen gedacht war, trifft heute den deutschen Mittelstand in voller Breite“

Tatsächlich müssen längst nicht nur „Spitzenverdiener“ dem Spitzensteuersatz zahlen. Um 1960 hat der Spitzensteuersatz noch beim 18-fachen des Durchschnittseinkommens gelegen und dieser Wert ist auf das 1,6-fache des Durchschnittseinkommens abgesunken. Diese Ergebnisse spiegeln sich auch im Steueraufkommen wider.

„Steueraufkommen in Deutschland“ – „So lag dieses 1950 bei (umgerechnet) 10,7 Milliarden Euro“

>>Abgezockt und kaltgestellt: Wie der deutsche Steuerzahler systematisch ausgeplündert wird von Peter Lüdemann (Buch) <<

„Dies ist schon mit einigen Zahlen leicht zu belegen. Nimmt man beispielsweise das Steueraufkommen in Deutschland insgesamt, so lag dieses 1950 bei (umgerechnet) 10,7 Milliarden Euro. Um die Inflation bereinigt entspricht dies heute 51,2 Milliarden Euro. Tatsächlich betrug das Steueraufkommen 2013 jedoch rund 620 Milliarden Euro. Absolut gesehen hat sich das Steueraufkommen also verzwölffacht.“

„Absolut gesehen hat sich das Steueraufkommen also verzwölffacht“

Anders ausgedrückt: Der Staat nimmt immer mehr Geld ein, während seine Bürger immer tiefer in Armut abrutschen. Zusätzlich kommt kommt noch eine weitere Tatsache hinzu: Selbst ohne kalte Progression lassen sich – bei einer hohen Inflation – die erforderlichen Lohnsteigerungen kaum durchsetzen. Dieser Effekt wurde schon lange vorher beschrieben.

„Härten und Ungerechtigkeiten viel größer wären als die alten, die man beseitigen wollte“

>>Der Weg zur Knechtschaft von Friedrich A. von Hayek (Buch) <<

„Der Punkt, auf den es uns ankommt, ist dieser: wenn wir entschlossen sind, Arbeitslosigkeit um keinen Preis zu dulden, andererseits aber keinen Zwang anwenden wollen, werden wir zu allen möglichen Behelfen getrieben, von denen keiner dauernde Entlastung bringen kann und die alle die produktivste Verwendung unserer Wirtschaftskräfte ernstlich beeinträchtigen werden. Es muß besonders hervorgehoben werden, daß die Währungspolitik kein wirkliches Heilmittel gegen diese Schwierigkeit bieten kann, es sei denn durch eine allgemeine Inflation von so beträchtlichem Ausmaß, daß alle anderen Löhne und Preise im Verhältnis zu denen, die nicht herabgesetzt werden können, steigen. Selbst dann aber würde das erwünschte Ergebnis nur dadurch eintreten, daß die unmittelbar nicht zu erzielende Herabsetzung der Reallöhne jetzt heimlich auf einem Umweg erfolgt. Aber wenn man alle anderen Löhne und Einkommen so sehr steigern wollte, wie es nötig wäre, um die richtigen Lohnrelationen wiederherzustellen, so würde das eine so gewaltige Inflation bedeuten, daß die dadurch neu geschaffenen Störungen, Härten und Ungerechtigkeiten viel größer wären als die alten, die man beseitigen wollte.“

„Herabsetzung der Reallöhne jetzt heimlich auf einem Umweg erfolgt“

Würde man also ernsthaft die Lohn- und Preisrelationen wieder ins Gleichgewicht bringen: Dann würde eine gewaltige Inflation eintreten und am Ende womöglich die Währung hinwegfegen. Letztendlich wird der existierende Kaufkraftverlust als feste Größe sicherlich bestehen bleiben.