Schwarze Propaganda: Fälschung von Dokumenten um Gegner zu diskreditieren

Screenshot vimeo.com

Die verschiedenen Propagandatechniken werden im klassischen Sinne zwischen schwarzer und weißer Propaganda unterschieden. Dazwischen gibt es noch einen undefinierten Graubereich. Die schwarze Methode zeichnet sich in der Regel durch Fälschen von Dokumenten und Verbreiten von Lügen aus. Nicht selten wird diese Praktiken verwendet, um potentielle Gegner zu diskreditieren.

>>Amerikas Schattenkrieger von Eva C. Schweitzer (Buch) <<

„Es war Mitte 1940. Die USA hatten das erste Ölembargo gegen Japan verhängt, und die Wehrmacht hatte angefangen, England zu bombardieren. Donovan war gerade von einer geheimen Mission für Roosevelt aus London zurückgekehrt. »Wir werden noch vor Ende 1941 im Krieg sein«, sagte er zu Allen. »Deshalb müssen wir uns vorbereiten.« Donovan – so schreibt Stephen Kinzer – hatte in England beobachtet, wie der britische Geheimdienst funktionierte, nun wollte er so etwas Ähnliches in den USA aufbauen. Allen fragte nur: »Wann fange ich an?« Die Antwort lautete: »Warten Sie die Präsidentschaftswahl ab.« Der neue, mit 100 Millionen Dollar ausgestattete Geheimdienst hieß »Office of the Coordinator of Information« (COI). Er wurde im Juni 1941 gegründet, nach Pearl Harbor wurde Allen Dulles dazugeholt. Anfang 1942 zog er ins Rockefeller Center, in den 36. Stock des International Building, wo Sir Willam Stephenson saß. Im Sommer 1942 ging Donovan nach England, um die Special Operations Executive zu studieren, die MI6-Abteilung für Sabotage. Die wollte »Europa in Flammen setzen«, um die Nazis zu besiegen. Aus dem COI wurde das Office of Strategic Services (OSS), mit Donovan als Direktor. Das OSS war für Auslandsspionage zuständig, mit Ausnahme von Südamerika, das – dem Kontrollbedürfnis von J. Edgar Hoover geschuldet – dem FBI unterstand. Das OSS erstattete Bericht an die Joint Chiefs of Staff der U.S. Army und führte selber auch verdeckte paramilitärische Operationen durch. Damit gab es zum ersten Mal in den USA eine Spionageagentur, bei der das Nachrichtensammeln, die Gegenspionage, die Unterstützung des Widerstands, Sabotage, also alles unter einem Dach war. Das OSS belegte nach und nach vier Stockwerke alleine im Rockefeller Center sowie acht weitere Bürogebäude in Manhattan, darunter eines an den Docks. Bei Kriegsende verfügte es über 13 000 Mitarbeiter. Die Nähe zwischen Donovan und Sir William war durchaus umstritten. Adolf Berle, ein Roosevelt-Berater im State Department, fand, Donovan sei eine Marionette der Briten. Er glaubte, der heimliche Chef des OSS sei Donovans britischer Assistent Nicholas Elliot, der vom MI6 kam. Elliot war ein Freund von Kim Philby, der später zu den Sowjets flüchtete. Das OSS begann durchaus nicht als die semi-faschistoide Bastion des militärisch-industriellen Komplexes, als welche die CIA heute unter Linken verrufen ist. Anfangs arbeiteten beim OSS auch Linke und Intellektuelle. Als Donovan erst Hunderte, bald Tausende von Geheimagenten engagierte, waren viele davon keine professionellen Spione, sondern Anwälte, Bankiers, Diplomaten und Geschäftsleute, auch Wissenschaftler, Lehrer, Bibliothekare, Autoren, Missionare, Sportler und sogar Barmänner. Schriftsteller und Intellektuelle waren darunter, wie Lewis Mumford, Dorothy Parker, Dashiell Hammett und John Steinbeck, der Historiker Arthur Schlesinger oder der Bankier James Warburg. Zum OSS gehörte aber auch der »Morale Operations Branch« für psychologische Kriegsführung und schwarze Propaganda. Er war der britischen »Political Warfare Executive« nachgebildet. Beide waren für Demoralisierung in Feindstaaten zuständig, mit Flüsterkampagnen und Flugblättern, Zeitungen und Rundfunk. Der »Political Warfare Executive« unterstand der Soldatensender Calais, der Europa und den Mittelmeerraum abdeckte und von den Nazis oft blockiert wurde. Calais war die wichtigste Quelle, die Deutsche über den Holocaust informierte. Der Sender spielte aber auch Lieder von Marlene Dietrich oder Bing Crosby. Calais hatte die gleiche »verheerende Auswirkung auf die Moral wie ein Luftangriff« befand die »United States Strategic Bombing Survey«, die die Bombenangriffe der Alliierten evaluierte. Neben dem OSS, das sich um Spionage kümmerte, gab es eine Agentur, die für Rundfunkpropaganda zuständig war und zu der die Voice of America gehörte. Das war der Foreign Information Service, dem der Theaterautor und Roosevelt-Redenschreiber Robert Sherwood vorstand und der zum Office of War Information (OWI) gehörte. Zum OWI gehörte auch das »Office of Facts and Figures«, die Behörde für Fakten und Zahlen, die Archibald MacLeish unterstand, dem Direktor der Library of Congress. Das OSS und das OWI waren angehalten zu kooperieren. Das OWI machte »weiße« Propaganda, bei der die Quelle ersichtlich war, während der »Morale Operation Branch« des OSS, der auf Armeebasen stationiert war, schwarze Propaganda produzierte – gefälschte Dokumente, Briefe, Todesanzeigen oder Reden von OSS-Agenten, die sich als Deutsche ausgaben. Bei der »Operation Sauerkraut« beispielsweise wurden Gerüchte gestreut, deutsche Soldatenfrauen hätten einen »Club der einsamen Herzen« gegründet. Im Sommer 1944 kreierte der »Branch« eine erfundene Widerstandsbewegung, »Das Neue Deutschland«, samt einer gleichnamigen Zeitung, die von umgedrehten deutschen Kriegsgefangenen verteilt wurde. Sie warfen falsche Postsäcke, gefüllt mit Zeitungen (und gefälschten Briefen), neben bombardierte Züge, sodass die Säcke von der echten Post aufgesammelt und weiterverteilt wurden.“

 

>>Propaganda Konzepte und Theorien von Thymian Bussemer (Buch) <<

„Häufig gebraucht wird auch die Unterscheidung zwischen weißer Propaganda, welche durch publizistische Kanäle kommuniziert wird, die sich selbst korrekt identifizieren (wie etwa die BBC im Zweiten Weltkrieg oder heute Voice of America) und schwarzer Propaganda, die entweder die Senderidentifikation nicht zu erkennen gibt oder diese absichtlich verfälscht. Für diese Technik der Propaganda gibt es unzählige Belege, vor allem im Bereich der Radiopropaganda in Kriegszeiten, wie etwa der vermeintlich deutsche, in Wahrheit britische Soldatensender Calais oder der 1956 betriebene sowjetische Sender Radio Freies Ungarn. Auch die Fälschung von Dokumenten, die dann dem Gegner mit der Absicht zugeschrieben werden, diesen zu diskreditieren, gehören in den Bereich der schwarzen Propaganda. Die graue Propaganda rangiert zwischen der schwarzen und der weißen. Ein Akt grauer Propaganda könnte es etwa sein, wenn die Regierung eines Satellitenstaates anstelle der sie beherrschenden Großmacht Erklärungen abgibt, welche dann der Großmacht die Legitimation zu bestimmten Handlungen verschaffen. Graue Propaganda ist nicht zwangsläufig Desinfonnation, kann es aber durchaus sein.“

 

>>Killing Business. Der geheime Krieg der CIA von Mark Mazzetti (Buch) <<

„Auch wenn die amerikanische Öffentlichkeit in den ersten vier Jahrzehnten nach der Gründung der CIA vor allem von ihren Putsch- und Attentatsversuchen und ihrem Waffenschmuggel fasziniert war, verwendete der Geheimdienst im Kalten Krieg einen viel größeren Teil seines Budgets für verdeckte Operationen auf subtilere Methoden der Kriegführung. Schwarze Propaganda und psychologische Kriegführung waren einst ein grundlegender Bestandteil der geheimen Arbeit der CIA. Sie reichten von der Wahlbeeinflussung durch Geldgeschenke in europäischen Ländern bis zur Gründung CIA-finanzierter Radiosender im Ostblock und in Südostasien. Laut Frank Wisner, einem Veteranen des OSS, später bei der CIA Chef der klandestinen Operationen, mussten Propagandaeinsätze von einer voll entwickelten Organisation durchgeführt werden, die mehrere Kampagnen gleichzeitig bewältigen konnte – von einem Apparat, den er als eine »mächtige Wurlitzer« bezeichnete, die in einem Krieg der Ideen die martialische Musik spielte. Nach dem Ende des Kalten Kriegs sah die CIA nicht mehr die Notwendigkeit, massiv in schwarze Propaganda zu investieren oder ihre Beamten in psychologischer Kriegführung auszubilden, und die entsprechenden Programme fielen den drastischen Haushaltskürzungen der 1990er-Jahre zum Opfer. Doch es ging nicht nur um Geld. Durch das Internet und die Globalisierung der Information war jede Propagandakampagne für die CIA juristisch riskant geworden. In den Vereinigten Staaten ist es dem Geheimdienst gesetzlich verboten, Propagandaaktionen gegen amerikanische Medien oder Kampagnen zur Beeinflussung amerikanischer Staatsbürger durchzuführen. Bevor das Internet existierte, konnte der Dienst ausländische Journalisten auf seine Gehaltsliste setzen und erfundene Geschichten in ausländischen Zeitungen platzieren, ohne fürchten zu müssen, dass diese Lügengeschichten auch von amerikanischen Medien aufgegriffen würden. Ab Mitte der 1990er-Jahre jedoch konnten Web-Surfer in New York oder Atlanta auch Nachrichten-Websites aus Pakistan oder Dubai lesen. Die amerikanischen Medien widmeten Nachrichten aus dem Ausland zunehmend mehr Aufmerksamkeit und begannen, in ihren Berichten ausländische Artikel zu zitieren. In der Folge wurde es schwieriger für die CIA, ihre Kontrolleure im Kongress, die sämtliche verdeckten Operationen des Geheimdiensts irgendwann absegnen müssen, davon zu überzeugen, dass eine geplante Propagandakampagne keine Rückwirkung auf die Vereinigten Staaten haben würde.“

 

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