Vergessene Fronten: Der Meinungskrieg in der Wikipedia

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Das unterschätzte Wissen der Laien“ – Auf diesem Prinzip beruht die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Mittlerweile hat das digitale Nachschlagewerk seine herkömmliche Konkurrenz verdrängt oder in die faktische Bedeutungslosigkeit geschoben. Bedeutet: Wikipedia ist nicht eine, sondern – die – Enzyklopädie. Natürlich ruft das zahlreiche Akteure mit auf den Plan: Von EU-Beamte, über Geheimdienste bis hin zu Firmen schreibt eigentlich jeder in der Wikipedia mit. Teilweise kommt es zu regelrechten Schreibkriegen: Die mit der systematischen Diskreditierung von Personen enden.

Erfolg der Wikipedia beruht auf Citizen Science

>>Citizen Science: Das unterschätzte Wissen der Laien von Peter Finke (Buch) <<

„Was sie antrieb, war eine unstillbare Neugier, die auch heute noch vielen Laien zu Eigen ist und in leidenschaftlich gepflegten Hobbys und ehrenamtlicher Forschung in vielen Problemfeldern der Zivilgesellschaft ihren Ausdruck findet. Doch Wissenschaft und Forschung gelten mittlerweile als Privileg der Profis, das oftmals lebensnähere Wirken der Laien als zweitklassig. Dabei sind ihre Leistungen bedeutsamer denn je: das Jahrhundertprojekt Wikipedia wäre ohne Citizen Science undenkbar und auch erfolgreiches bürgerschaftliches Engagement kommt ohne fundierte Sachkenntnisse nicht aus.“

Wenn vermeintliche Profis „Laien als zweitklassig“ abstempeln

Auf diesem Prinzip beruht auch die Wikipedia. Die etablierte Wissenschaft ist abhängig von staatlichen Forschungsgeldern. Darum bewegen sich Wissenschaftler gerne in wissenschaftlichen Forschungsbereichen: Die nirgendwo Anecken. Gewissermaßen ist es einfacher: Das Rad Tausendmal neu zu erfinden, als eingetretene Lehrsätze – auch nur einmal – in Frage zu stellen.

Wissenschaft: Warum das Rad immer wieder neu erfunden wird

Wer aus diesen wissenschaftlichen Wolkenkuckucksheim ausbrechen will: Verschwindet recht schnell von der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bildfläche. Denn die Wissenschaft ist immer nur so frei: Wie es Forschungsgelder gibt. In diesem wissenschaftlichen Milieu können auch sehr skurrile Stilblüten gedeihen. Aber im Allgemeinen, hat sich der Wissenschaftsbetrieb immer weiter von der Realität vieler Bürger entfernt: Daher ist der Siegeszug der Wikipedia, auch kaum verwunderlich.

Wissenschaft: Das Wolkenkuckucksheim für staatliche Forschungsgelder

>>Amazon Echo – Das ultimative Handbuch von Tom Schillerhof (Buch) <<

„Darüber hinaus ist Echo ein wandelndes Lexikon und hervorragend dafür geeignet, Wörter zu buchstabieren und zu definieren. Echo kann mittlerweile seine Informationen auch direkt von Wikipedia beziehen. Dafür muss man das Wort „Wikipedia“ einfach vor den Sprachbefehl setzen.“

Wikipedia übernimmt die Deutungshoheit

Mit dem Siegeszug der Wikipedia, kommt folglich auch eine Definitionshoheit von Sachverhalten daher. Vereinfacht: Was in der Wikipedia steht ist erstmal „wahr“ – selbst dann, wenn es offenkundig falsch ist. Der Erfolg der Digital-Enzyklopädie weckt natürlich Begehrlichkeiten: Konzerne versuchen – beispielsweise – ihren Wikipedia-Auftritt zu „verschönern“ .

„Firmen und PR-Leute haben das Online-Nachschlagewerk längst für sich entdeckt“

>>Aargauer Zeitung<<

„Firmen und PR-Leute haben das Online-Nachschlagewerk längst für sich entdeckt. … Und auch solche Manipulationen, wie sie die Zürcher Kantonalbank (ZKB) im vergangenen Sommer versuchte: Angestellte der Bank löschten unliebsame Passagen über die Rolle der ZKB bei der Übernahme des Industriekonzerns Sulzer durch den russischen Milliardär Viktor Vekselberg.“

Wikipedia: „Angestellte der Bank löschten unliebsame Passagen“

Nicht nur Firmen beeinflussen erfolgreich die Wikipedia-Sichtweise: Auch Geheimdienste versuchen aktiv ihre „Weltanschauung“ zu verbreiten.

Geheimdienst als Autor: „Liste mit IP-Adressen aufgetaucht die vom BND stammen sollen“

>>taz<<

„Wikipedia-Artikel angeblich geändert Im Internet ist eine Liste mit IP-Adressen aufgetaucht, die vom BND stammen sollen. Von ihnen aus wurden Einträge im Online-Lexikon Wikipedia verändert. … Im Artikel über den BND stand, es sei ein offenes Geheimnis, dass viele Auslandsniederlassungen des Goethe-Instituts verdeckte Büros des BND seien.

Auslandsniederlassungen des Goethe-Instituts verdeckte Büros des BND“ 

Trotz der offenkundigen Geheimdienst-Manipulation bleibt die Passage in der Wikipedia gelöscht. Doch die Verstrickungen des Goethe-Instituts mit den Bundesnachrichtendienst sind alles andere als „geheim“ . Die aktive Bearbeitung durch den Geheimdienst – innerhalb der Wikipedia – gilt quasi als zusätzliche Bestätigung: Selbst unter den niedrigen Maßstäben des BND, ist die ganze Posse einfach nur Peinlich. Aber nicht nur Geheimdienste, sondern auch EU-Beamte hauen für die Wikipedia fleißig in die Tasten.

Wikipedia: EU-Beamte schreiben über sich selbst

>>Spiegel<<

“ … Mar­tin Sel­mayr spät­nachts an sei­nen Com­pu­ter und be­ginnt, sein Le­ben um­zu­schrei­ben. … Er hat ei­nen Wi­ki­pe­dia-Ein­trag auf­ge­ru­fen, den Ein­trag über sich selbst. … Wer liest, was Sel­mayr über Sel­mayr schreibt, den be­schleicht das Ge­fühl, die EU wür­de ohne das Wir­ken die­ses hoch­mö­gen­den Be­am­ten viel­leicht gar nicht mehr exis­tie­ren.“

„Prinzip des kollaborativen Schreibens“

>>Diether Dehm (PDF-Datei) <<

„Im Fall des Künstlers und Linkspolitikers Diether Dehm ist über einen langen Zeitraum das „Prinzip des kollaborativen Schreibens“ ersetzt worden durch einen „edit war“ vonseiten interessierter Kreise. Diese streben danach die Artikel in ihrem Sinne zu formen und das Propagandamaterial sog. „Extremismusforscher“ einzubauen. Das unverbrämte Ziel dabei die politisch motivierte Schädigung einer Person.“

„Das unverbrämte Ziel dabei die politisch motivierte Schädigung einer Person“

Mittlerweile finden innerhalb der Wikipedia sogenannte „edit-wars“ statt. Verschiedene Nutzer versuchen falsche Einträge zu verändern oder zu berichtigen. Doch manche Wikipedia-Schreiber haben in der Enzyklopädie-Hierarchie – mehr Schreibrechte als andere – und können die Änderung von Wikipedia-Einträgen einfach unterbinden. Zwar mag es zahlreicher freiwillige Schreiber für die Wikipedia geben, aber nur sehr Wenige haben administrative Befugnisse. Diese kleine Gruppe kann die vermeintliche „Wahrheit“ in der Enzyklopädie bestimmen. Der Wikipedia-Eintrag des Politikers und Künstlers Diether Dehm ist da leider keine Ausnahme.

„Schreibkriege“ – Innerhalb der Wikipedia

Innerhalb der Partei der Linken existiert eine Spaltung. Daher ist es schon auffällig: Das bestimmte Linken-Politiker – die einem Flügel zugerechnet werden – in der Wikipedia durch negative Artikel häufig oft auffallen. Die sogenannten „Schreibkriege“ erstreckt sich also Mittlerweile: Auf die Politik und somit auch auf politische Entscheidungen.

 

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