„Versailler Konferenz“ – „Über die Vereinigung der Lausitz mit der Tschechoslowakei“

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Zwar sind die Sorben als Minderheit anerkannt, aber sie können auf keinen eignen Staat verweisen. Doch am Ende des Ersten Weltkrieges hätte die Geschichte auch leicht anders ausgehen können. Denn die europäischen Landkarten wurden zu jeder Zeit neu gezeichnet und viele Minderheiten haben ihren Nationalstaat bekommen. Auch die Sorben haben sich daher berechtigte Hoffnungen gemacht.

 Lausitzer Sorben: „Rufe nach nationaler Unabhängigkeit“

>>Sorbisches Institut<<

„Die Sorben sind eine nationale Minderheit ohne eigenen Staat. Ihr Siedlungsgebiet ist die Lausitz, eine Region im Südosten Deutschlands, in direkter Nachbarbarschaft und engen Beziehungen zu Tschechien und Polen. Rufe nach nationaler Unabhängigkeit erlangen unter den Sorben, die man auch Wenden nennt, ab dem 19. Jahrhundert Einfluss. „Die Freiheit winkt“ heißt es Anfang 1919 hoffnungsvoll, als die europäische Landkarte nach dem Ende des Ersten Weltkriegs neu geordnet wird.“

„Die Sorben sind eine nationale Minderheit ohne eigenen Staat“

Im Zuge der Friedensverhandlungen sind viele neue Staaten neu entstanden. So sind beispielsweise die Tschechoslowakei und Polen entstanden. Allerdings waren zur Friedenskonferenz nicht alle Kriegsparteien eingeladen worden.

„Am 18. Januar 1919 traten die Siegermächte in Paris zur Friedenskonferenz zusammen“

>>14 – Der große Krieg von Oliver Janz (Buch) <<

„Am 18. Januar 1919 traten die Siegermächte in Paris zur Friedenskonferenz zusammen. … Zunächst fanden interalliierte Vorverhandlungen statt – offiziell »Präliminarfriedenskonferenz« genannt –, von der die Besiegten ausgeschlossen waren. … Die Vertreter der 32 alliierten Sieger und deren Verbündeten repräsentierten etwa drei Viertel der Weltbevölkerung. Dominiert wurden die Verhandlungen jedoch von wenigen Mächten, vor allem den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und Italien, die Anfang März einen Viererrat bildeten, in dem alle wichtigen Entscheidungen fielen.“

„Die Vertreter der 32 alliierten Sieger und deren Verbündeten repräsentierten etwa drei Viertel der Weltbevölkerung“

So ganz waren die „Besiegten“ am Ende doch nicht ausgeschlossen. Vertreter des Sorbische Nationalausschuss wurde der Einlass gewährt. Jedoch mussten der Delegierte sich in der Heimat eine Anklage – wegen Landesverrat – über sich ergehen lassen.

Sorbischer Nationalausschuss: „In der Lausitz gründet sich unter dem Eindruck der revolutionären Ereignisse“

>>Sächsisch.de<<

„In der Lausitz gründet sich unter dem Eindruck der revolutionären Ereignisse im Land Ende 1918 der sorbische Nationalausschuss, Arnošt Bart reklamiert für das sorbische Volk das Recht auf Selbstbestimmung. „Weil er damit bei der deutschen Politik nur auf taube Ohren stößt, macht er sich Anfang 1919 auf den Weg nach Paris“, … Die deutsche Delegation betrat das Schloss durch den Nebeneingang“, … Nach Hause zurückgekehrt, erwartet den sorbischen Patrioten übrigens ein Prozess wegen schweren Landesverrats. „Sowas konnte sich der deutsche Staat nicht bieten lassen, dass ein deutscher Staatsbürger – und das war Bart immer noch – eigenmächtige Verhandlungen mit ausländischen Mächten aufnahm“, … „

„Arnošt Bart reklamiert für das sorbische Volk das Recht auf Selbstbestimmung“

Neben einer unabhängigen Lausitz wurde noch weiter Variante diskutiert. Auch ein Zusammenschluss oder Staatenbündnis mit der damaligen Tschechoslowakei hat bei der Konferenz eine ernstzunehmende Diskussionsgrundlage gebildet.

„Versailler Konferenz“ – „Über die Vereinigung der Lausitz mit der Tschechoslowakei“

>>Radio Prague International<<

„Über die Vereinigung der Lausitz mit der Tschechoslowakei wurde auf der Versailler Konferenz ernsthaft gesprochen. Diesen Vorschlag machte als „Lausitzer Memorandum“ Adolf Cerny, Professor der sorbischen Sprache an Prager Universität. Er argumentierte, dass die kleine slawische Minderheit innerhalb des deutschen Meeres der dauerhaften Germanisierung standhalten muss und dass der befreundete slawische Staat ihre Identität am besten gewährleisten könne.“

Tschechoslowakei & Lausitz: „Befreundete slawische Staat ihre Identität am besten gewährleisten könne“

Vorwiegend Großbritannien muss sich wohl gegen diese Argumente gesperrt haben. Zu dieser Zeit waren die Erinnerungen an die vielen grausamen Schlachten während des Ersten Weltkrieges noch frisch in Erinnerung und die Engländer haben sozusagen die „Sorbischen Legionen“ vermisst.

„Die Lage der Lausitzer Sorben war dem Westen bekannt“

>>Radio Prague International<<

„Dagegen sprach sich vor allem Großbritannien mit dem Argument aus, dass die Sorben keine fremden Legionen während des Krieges geschaffen und nicht für ihre nationalen Rechte gekämpft hätten. Diese Behauptung war aber laut Josef Lebeda nicht ganz richtig:

„Die Lage der Lausitzer Sorben war dem Westen bekannt. Sie mussten – ähnlich wie Tschechen und Slowaken – für Deutschland, also für einen ungeliebten, sogar feindlichen Staat kämpfen. Es waren aber sehr wenige und sie waren noch dazu in der Armee weit verstreut, sodass sie keine Chance hatten, sich für eine Revolte zu organisieren. Dass musste z.B. Professor Jobson aus Oxford Universität wissen, denn er betreute die Korrespondenz der in Britannien gefangenen sorbischen Soldaten.“

„Sorben keine fremden Legionen während des Krieges geschaffen und nicht für ihre nationalen Rechte gekämpft“

Zudem dürfte die meisten nur widerwillig im Krieg gekämpft haben. Schließlich hat am Beginn des Ersten Weltkrieges allgemeine Mobilmachung geherrscht und jede Form von Ungehorsam wurde drakonisch bestraft.