Warum spiegeln Kyrill und Method eine andere Lausitz wider

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Zitat: „Die Archäologen stießen in Mikulčice auf Fundamente von Sakralbauten sowie von einem Palast.“ – Es handelt sich dabei um die Hinterlassenschaften der heute wenig beachteten Großmacht Großmähren. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Lausitz hat sich ein Staat angeschickt eigene Interessen durchzusetzen. Dazu hat auch eine eigne orthodoxe Kirche gehört. Etwas vergleichbares hat sich auch in anderen slawischen Ländern zu dieser Zeit abgespielt.

Großmacht Großmähren – Polen – Lausitz: Der heutige Einfluss der Slawenapostel Kyrill und Method

Im geistigen Mittelpunkt des Geschehens haben die beiden Brüder Kyrill und Method gestanden. Diese haben auch in der Lausitz ihre Spuren hinterlassen. Noch heute sind sie gewissermaßen als eine Art andere Lausitz im Bewusstsein der Menschen present. Denn schon im Nachbarland Polen ist das Wirken der beiden Slawenapostel Kyrill und Method im Alltag allgegenwärtig. Die heutige orthodoxe Kirche in Polen geht unmittelbar auf ihr Wirken zurück.

„In unserem Nachbarland Polen ist die orthodoxe Kirche mit etwa 600.000 bis 800.000 Gläubigen“

>>Orthodoxe Kirche Albstadt<<

„In unserem Nachbarland Polen ist die orthodoxe Kirche mit etwa 600.000 bis 800.000 Gläubigen nach der römisch-katholischen Kirche die größte Glaubensgemeinschaft. Sie wird durch den Metropoliten von Warschau und ganz Polen geleitet.“

Orthodoxe Kirche in Polen: „Nach der römisch-katholischen Kirche die größte Glaubensgemeinschaft“

Besonders in der östlichen Hälfte von Polen ist die orthodoxe Kirche stark vertreten. Aus heutiger Perspektive mag es für viele Menschen nach einem seltsamen Kuriosum klingen. Aber dieses religiöse Schisma lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Sowohl die katholische, als auch die orthodoxe Kirche sandten jeweils ihre Missionare in die damals bekannte Welt hinaus. Die byzantinischen Missionare Kyrill und Method waren zwei bekannte Vertreter hiervon gewesen.

Kyrill und Method: „Immer auf Reisen, voller Abenteuer, aber auch Anstrengungen und Gefahren“

>>Vatican News<<

„Immer auf Reisen, voller Abenteuer, aber auch Anstrengungen und Gefahren: das war das Leben der beiden Männer, die nicht nur Blutsbande verbanden, sondern auch der christliche Glaube und das gemeinsame Schicksal, dort einen neuen Weg aufzutun, wo die Tradition bereits eine weite, bevölkerte Straße bereitet hatte. … Nur zwei Jahre trennen die beiden Brüder. Der Ältere, Method, der eigentlich Michael hieß, wurde 825 in Thessaloniki geboren. 827 erblickte dort auch sein Bruder Kyrill – mit Taufnamem Konstantin – das Licht der Welt.“

Slawenapostel Kyrill und Method: „Der christliche Glaube und das gemeinsame Schicksal“

Die byzantinischen Missionare Kyrill und Method waren keine blutigen Eroberer gewesen. Vielmehr brachten sie nicht nur den christlichen Glauben, sondern auch viel antikes Wissen mit: Denn das damalige Byzantinisches Reich – Kyrill und Method eigene Heimat – konnte direkt an das antike Griechenland anknüpfen. Aber nicht nur das: Kyrill und Method haben eine kyrillische Schrift für die slawische Sprache entwickelt.

„Die Kiewer Rus hatte lange Kontakt mit Byzanz gehabt“

>>Verschwundene Reiche: Die Geschichte des vergessenen Europa von Norman Davies (Buch) <<

„Die Kiewer Rus hatte lange Kontakt mit Byzanz gehabt und so wurden die Ostslawen langsam vom griechisch-orthodoxen Glauben erfasst. In der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts hatten die byzantinischen Missionare Kyrill und Method sowohl die kyrillische Schrift als auch das Altkirchenslawisch entwickelt, um die Bekehrung der Slawen zu erleichtern.“

„Byzantinischen Missionare Kyrill und Method sowohl die kyrillische Schrift als auch das Altkirchenslawisch entwickelt“ 

Die Kiewer Rus haben den orthodoxen Glauben angenommen und das ist bis heute so geblieben. Selbst über die Jahrhunderte und Wirren der Zeit hinweg: Viele slawische Völker haben ihren Glauben bis heute behalten. Doch in der damaligen Zeit haben die Glaubensfragen auch weit in den politischen Bereich hinein geragt. Das ehemalige Großmähren – etwa das heutige Tschechien und Slowakei – wollte auf diese Weise ihre eigene Unabhängigkeit festigen. Dazu wollte man sich aus der Umklammerung des Fränkischen Reiches und der katholischen Kirche befreien.

„Wie alle Länder Ostmitteleuropas strebte auch Großmähren nach der vollen Souveränität“

>>Chroniken des Mittelalters von Gerhard Wolf & Norbert H. Ott (Buch) <<

„Mit dem Begriff Großmähren bezeichnet man die im 9. Jahrhundert entstehende erste große westslawische Reichsgründung. … Die weniger als 100 Jahre dauernde Geschichte Großmährens war wesentlich bestimmt von seinem Verhältnis zum Ostfrankenreich (Regnum francorum orientalium), aus dem später das Heilige Römische Reich hervorging. Wie alle Länder Ostmitteleuropas strebte auch Großmähren nach der vollen Souveränität. Dazu diente der Aufbau einer Kirchenstruktur, die im Rahmen der lateinischen Westkirche verbleiben, aber von der fränkischen Kirche unabhängig sein sollte. Deshalb lud man 863 die byzantinischen Priester Konstantin, der später den Namen Kyrill annahm, und Method nach Großmähren ein, wo sie die bayerischen Missionare ersetzen sollten. Die beiden ‚Slawenmissionare‘ Kyrill und Method schufen slawische Übersetzungen wichtiger Bücher der Bibel sowie eine slawische, von Papst Hadrian II. anerkannte Liturgie. Beide wurden zu Begründern der ersten slawischen Literatursprache, dem ‚Altkirchenslawischen‘. Chroniken aus der Zeit des Großmährischen Reiches sind zwar nicht bekannt, aber die altkirchenslawische Hagiographie in Form der Lebensbeschreibungen von Kyrill und Method (die sog. Pannonischen Legenden) spiegelt die Konflikte um die slawische Liturgie in dieser Zeit wider.“

„Kyrill und Method schufen slawische Übersetzungen wichtiger Bücher“

Sowohl die katholische, als auch die orthodoxe Kirche wollten den offenen Konflikt vermeiden, aber die Spannungen zwischen der griechisch-orthodoxen und lateinisch-katholischen Welt blieben – unter anderen Voraussetzungen – seit der Antike bestehen. Der Riss ging schon vor dem Aufkommen des Christentums mitten durch das Römische Reich hindurch. Zwar haben die Römer im Zuge der Punischen Kriege das antike Griechenland unterworfen, aber die griechische Kultur und Sprache konnte sich trotzdem besonders in der Osthälfte des Römischen Reiches ausbreiten. Die spätere Teilung des Römischen Reiches in Westrom und Ostrom war letztlich nur das finale Ende eines langen Entfremdungsprozesses gewesen. Anders als Westrom konnte Byzanz – gleichbedeutend mit Ostrom – auf eine lange griechische Tradition verweisen. Die Slawenapostel Kyrill und Method konnten also gute Argumente vortragen.

Großmähren: „Mitte des 9. Jahrhunderts aus den Trümmern des Awarenreichs hervorgegangen“

>>Invasion der Barbaren von Peter Heather (Buch) <<

„Das erste slawische Land, das um Aufnahme in diesen erlauchten Kreis ersucht und sie auch erhalten hatte, war Großmähren gewesen, das Mitte des 9. Jahrhunderts aus den Trümmern des Awarenreichs hervorgegangen war. Hier wirkten unter anderem in den 860er Jahren die später heilig gesprochenen Missionare Kyrill und Method, auch als Slawenapostel bekannt. Um den frisch Bekehrten das Wort Gottes verkünden zu können, brachten sie die erste slawische Sprache in eine Schriftform.“

Großmähren: „Hier wirkten unter anderem in den 860er Jahren die später heilig gesprochenen Missionare Kyrill und Method“

Zwar ging Großmähren im Verlauf der Geschichte unter: Dennoch sind in dieser Zeit einige Sakralbauten entstanden, die logischer Weise den orthodoxen Christentum zuzurechnen sein müssten. Bis heute ist dieser Teil der Geschichte ein Politikum geblieben, was so manche „kritische Autoren“ mit viel Mühe herausarbeiten.

„Kritisch beleuchtet werden ferner die Legende von der Mission der Lausitz durch Kyrill und Method“

>>Evangelische Verlagsanstalt<<

„Kritisch beleuchtet werden ferner die Legende von der Mission der Lausitz durch Kyrill und Method (Jens Bulisch), die Anfänge der preußischen Judenmissionsgesellschaft (Viola Schrenk) und das Leben des sächsischen Deutschen Christen Oberlandeskirchenrat Adolf Müller (Gunnar Wiegand). Darüberhinaus enthält der Band wieder Rezensionen und die Berichte aus den beteiligten landeskirchengeschichtlichen Arbeitsgemeinschaften und Vereinen.“

Warum Kyrill und Method heutzutage als bedeutungslose Nichtigkeit abgetan werden

Gewiss, aus heutiger Sicht ist es nicht allzu schwierig die Kyrill und Method als bedeutungslose Nichtigkeit herunterzuschreiben. Viele schriftliche Überlieferungen haben die Zeiten nicht überdauert. Schon im Mittelalter wurden orthodoxe Klöster geschleift und deren Mönche vertrieben. Dieses Kapitel will sich also nicht so recht in allgemeine Verständnis der „Christianisierung“ einfügen.

„Elbsorben“ – „Verfolgung und Vertreibung der orthodox gebliebenen Slawen“

>>Sachsen-Anhalt-Wiki<<

„890 kamen die Gebiete der Sorben und damit auch der Gau Nudzici an das Großmährische Reich. Damit setzte eine erneute Verfolgung und Vertreibung der orthodox gebliebenen Slawen ein. Viele Mönche und auch Priester verließen daraufhin das Kloster des Heiligen Pantaleon und gründeten in Liezkau (dem heutigen Leitzkau) das Kloster „Nowe Dupzk“ („Neu-Salfurt“).“

Im Kloster Dubzk sollen angeblich bis zu 60 sorbisch-orthodoxe Mönche gelebt haben

Und noch heute spiegelt sich das schwierige Verhältnis zu Kyrill und Method bei aktuellen Ereignissen regelmäßig wider. Das Cyrill-Methodus-Denkmal in der Lausitz wurde aus Spendengeldern aus der Bevölkerung errichtet. Trotz seiner Abgelegenheit wird es regelmäßig durch „Vandalen“ heimgesucht.

„Nur Vandalismus oder schon politische Aussage?“

>>Lausitzer Rundschau<<

„Nur Vandalismus oder schon politische Aussage? Die Aufregung schien groß, als bekannt wurde, dass wieder einmal die Schrifttafeln am Cyrill-Methodus-Denkmal bei Schmochtitz („Milleniumsdenkmal“) abgerissen, zerbrochen und auf den Boden geworfen wurden. … Es wurde im Jahre 2000 aus Dankbarkeit für 2000 Jahre Christentum innerhalb kürzester Zeit ausschließlich aus Spendenmitteln errichtet.“

Cyrill-Methodus-Denkmal: „Kürzester Zeit ausschließlich aus Spendenmitteln errichtet“

Das Wissen rund um Kyrill und Method ist innerhalb der Sorbischen Lausitz zwar bekannt, aber gewiss kein touristisches Folklore-Thema. Irgendwelche dumme Vandalen würden sich wohl kaum mit diesem Kapitel der Lausitzer Geschichte befassen und danach ein recht abgelegenes Denkmal zerstören. Das  Tatmotiv weist also in eine eindeutige Richtung hin. Demnach dürfte die politische Aussage in der Lausitz angekommen sein. Denn Kyrill und Method spiegeln auch eine andere Lausitz wider.

 

–W E R Β U Ν G–

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