„Die Frage, auf welche Schule das eigene Kind geht, ist eine persönliche Entscheidung“

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Die Polizei setzt in schwerer Kampfmontur zum Sturm einer Einrichtung an: Organisierte Kriminalität, Menschenhandel oder Terrorismus? – Nein, weit gefehlt! Aus Sicht des Staates wiegen die Vorwürfe noch viel schwerer: Es handelt sich um eine illegale Schule.

„Polizei stürmt illegale Schule – und findet 15 Kinder in alter Mühle“

>>inFranken.de<<

„Polizei stürmt illegale Schule – und findet 15 Kinder in alter Mühle – Dort ist laut Stadt eine illegale Schule betrieben worden. …. In diesem Zuge seien Unterlagen und Gegenstände beschlagnahmt worden, der Betrieb der Einrichtung sei „von der Regierung von Mittelfranken als zuständige Behörde vorläufig untersagt“ worden.“

„Dort ist laut Stadt eine illegale Schule betrieben worden“

Abgesehen von Steuerdelikten wird kaum ein anderes „Verbrechen“ so unnachgiebig verfolgt. Vermutlich können selbst Mörder und Vergewaltiger mit mehr Nachsicht des Staates rechnen. Der Öffentlich-Rechtliche-Rundfunk hat zum „Vergehen“ gleich zwei tendenziöse Berichte abgeliefert. Selbstverständlich wurde nicht die Frage gestellt: Warum diese Schulform überhaupt verboten sei?

„Eine US-Amerikanerin fragt, warum Homeschooling in Deutschland verboten ist“

>>Goethe-Institut<<

„Eine US-Amerikanerin fragt, warum Homeschooling in Deutschland verboten ist – Die Kinder zuhause unterrichten? Das ist in Deutschland verboten. Menschen aus anderen Ländern können das häufig nicht glauben. Nahaufnahme Journalistin Martha Dalton aus den USA auch nicht. … „Die höheren Schichten, die Adligen, das Großbürgertum, haben sich sozusagen die Bildung für ihre Kinder erkauft, indem sie Unterricht durch Hauslehrer für ihre Kinder besorgt haben“,

„Die höheren Schichten, die Adligen, das Großbürgertum, haben sich sozusagen die Bildung für ihre Kinder erkauft“

Also der Heimunterricht ist verboten, damit Adlige und das Großbürgertum ihre Kinder auf die selben Schulen schicken müssen. Dummerweise haben die daran noch nie wirklich einen Gedanken verschwendet.

„Es gehe nicht an, dass die Wahl einer guten Schule eine Frage des Geldbeutels ist“

>>taz<<

„Sie kann es sich leisten – SPD-Ministerpräsidentin … schickt ihren Sohn auf eine Privatschule. Dafür bekommt sie Kritik von links und rechts. … Es gehe nicht an, dass die Wahl einer guten Schule eine Frage des Geldbeutels ist. Sie sprach von einem „fatalen Signal“.

„SPD-Ministerpräsidentin“ -„Schickt ihren Sohn auf eine Privatschule“

Demnach schicken die Parteifunktionäre ihre Sprösslinge lieber auf eine angesehene Privatschule, während sich die übrige Bevölkerung mit einer heruntergewirtschafteten öffentlichen Schule begnügen kann. Und mehr noch: Die Begründung für diese Entscheidung kann sich sehen lassen.

„Die Frage, auf welche Schule das eigene Kind geht, ist eine persönliche Entscheidung“

>>taz<<

„Dem NDR gegenüber begründete sie die Schulwahl mit der Nähe zur Wohnung der Familie und dem damit kurzen Schulweg. „Die Frage, auf welche Schule das eigene Kind geht, ist eine persönliche Entscheidung“, ließ sie ihren Regierungssprecher mitteilen. Ansonsten halte sie es „für falsch, Schulen in staatlicher und in freier Trägerschaft gegeneinander auszuspielen“.

„Für falsch, Schulen in staatlicher und in freier Trägerschaft gegeneinander auszuspielen“

Die Frage, auf welche Schule das eigene Kind geht, ist eine persönliche Entscheidung“ – Für „bestimmte Menschen“ soll also die Wahl einer Schule eine persönliche Entscheidung sein? – Ob dass die Polizei beim Sturm einer „illegalen Schule“ in Erlangen es auch wusste? Oder anders: Die teuren Privatschulen für die reiche Prominenz und der Rest kann sehen, wo sie bleiben. Es ist also nicht wirklich verwunderlich, dass die soziale Herkunft über dem Bildungserfolg entscheidet.

„Soziale Herkunft entscheidet noch immer über Bildungserfolg“

>>Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft<<

„Soziale Herkunft entscheidet noch immer über Bildungserfolg – Die soziale Herkunft bestimmt in Deutschland in stärkerem Maß über den Schulerfolg als in vielen anderen Ländern. … „Soziale Ungleichheiten werden im Laufe der Schulzeit sogar noch verstärkt“, sagte GEW-Vorstandsmitglied und Schulexpertin Ilka Hoffmann heute in Frankfurt mit Blick auf den neuen OECD-Bericht.“

„Soziale Ungleichheiten werden im Laufe der Schulzeit sogar noch verstärkt“

Allerdings stellt diese Situation keine wirkliche Neuigkeit dar. Schon zu Kaiserzeit war dieses Standesdünkel omnipräsent.Wie kaum eine andere Persönlichkeit hat der langjährige Admiral Alfred von Tirpitz die kaiserliche Marine geprägt. Das damals noch lebende Musterbeispiel für Tugendheftigkeit hatte aber ein paar Schönheitsfehler gehabt und er selbst hat das deutsche Schulsystem offenbar nur wenig zugetraut. Denn seiner Töchter hat er auf ein privates englisches Internat geschickt.

Admiral Alfred von Tirpitz: „Er hatte niemals an einem Seegefecht teilgenommen“

>>Kaiserdämmerung von Rainer F. Schmidt (Buch) <<

„In den gut 30 Jahren seiner militärischen Laufbahn war Tirpitz zwar vom Seekadetten zum Konteradmiral aufgestiegen. Aber er hatte niemals an einem Seegefecht teilgenommen. Tirpitz war weder ein Haudegen noch ein Seeheld. … Genau wie den Kaiser verband den zehn Jahre älteren damaligen Korvettenkapitän eine ambivalente Liebe zu England. Er bewunderte die Leistungen der Royal Navy und die exzellente britische Seeausbildung. Er sprach nahezu perfekt englisch, las britische Zeitungen und Romane, erkor sich englische Philologie zum Freizeitvergnügen und brachte seine beiden Töchter im Ladies’ College in Cheltenham unter.“

Admiral Alfred von Tirpitz: „Brachte seine beiden Töchter im Ladies’ College in Cheltenham unter“

Vermutlich war Tirpitz mehr stupider Verwaltungsbeamter als Militär gewesen. Auch seine hochgerüstete Flotte konnte im Ersten Weltkrieg nicht viel ausrichten. Diese hat die allermeiste Zeit untätig im Hafen gelegen. Am Ende ging der Krieg verloren und seine teure Flotte hat sich im Schottland – kmpflos ohne Fremdeinwirkung – selbst versenkt. So wirklich konnte die militärische Leistung der Elite nicht überzeugen. Am Ende sind es die selben Leute, welche das staatliche Schulsystem verwalten. Interessant ist vielmehr eine ganz andere Tatsache: Das Cheltenham Ladies‘ College existiert noch heute.

Cheltenham Ladies College: „Ich habe einfach stets die beste der vorhandenen Alternativen gewählt“

>>Wirtschaftswoche<<

„Dass sie einmal Karriere machen würde, war ihr immer klar. „Ich habe einfach stets die beste der vorhandenen Alternativen gewählt“, sagt sie. Ihre Eltern, beide Lehrer, schickten das Mädchen auf das Cheltenham Ladies College – eine der angesehensten Privatschulen Englands. Es sei vor allem diese Schule gewesen, sagt Mary Osborn heute, die ihr das nötige Selbstvertrauen für ihren späteren beruflichen Erfolg vermittelt habe.“

„Cheltenham Ladies College – eine der angesehensten Privatschulen Englands“

Das Cheltenham Ladies College ist – vereinfacht – der genau Gegenentwurf des deutschen-staatlichen Schulsystems. Ein „Ladies College“ wäre alleine schon wegen Diskriminierung und fehlender Inklusion in Deutschland augescheinlich verboten oder wahlweise durch die Polizei gestürmt worden. Zumal im öffentlich-deutschen Schulsystem kein Selbstvertrauen der Schüler, sondern eher die unabdingbare Untertanenmentalität und Obrigkeitshörigkeit vermittelt wird.