3D-Drucker & Waffen: Was hinter der Debatte wirklich steckt

Screenshot youtube.com

Ein amerikanischer Anarchist und Technikfreak stellt im Internet Baupläne für Waffen bereit. Aus dem laufenden Rechtsstreit dazu zogen sich die US-Behörden nun zurück. … „Defcad“ heißt eine Internet-Plattform für digitale 3-D-Druckvorlagen, CNC-Fräsvorlagen und Baupläne, die vor gut drei Jahren den Unwillen der US-Außen- sowie Verteidigungsministerien erregte. Denn die Pläne auf der Website bilden nicht etwa Werkzeuge, Kunst oder Spielzeug ab, sondern Feuerwaffen. Gründer und Mastermind hinter „Defcad“ ist der radikal-liberale US-Waffennarr Cody Wilson, 30, der auf seinem Server Baupläne und Druckvorlagen für kommerziell verfügbare Waffen sammelt.“ Die Debatte hierüber wird – ironischerweise – seit den Aufkommen der ersten 3D-Drucker für den Heimgebrauch geführt. Ironisch deswegen, weil mit einer CNC-Drehmaschine und CNC-Fräsmaschine sich tatsächlich funktionstüchtige Waffen herstellen lassen. Aber diese spielen – aus welchen Gründen auch immer – keine nennenswerte Rolle. Im Allgemeinen ist zu beobachten, dass es mit den technischen Verständnis, ohnehin nicht all zu weit her ist.

>>Heise.de<<

„2013 hatte Wilsons Gruppe Defense Distributed die weltweit ersten Dateien für den 3D-Druck einer kompletten Waffe online gestellt. Mit den Plänen ist es möglich, eine scharfe Pistole mit einem handelsüblichen 3D-Drucker nahezu komplett aus Kunststoff herzustellen. Lediglich für den Schlagbolzen wird ein einfacher Nagel aus dem Baumarkt benötigt. Die Waffe ist daher auch kaum durch Metalldetektoren aufzuspüren. Nur wenige Tage später war der Bauplan auf Bitten der Behörden hin wieder aus dem Netz genommen worden. In der Folge lieferte sich Wilson einen Rechtsstreit mit der Abteilung für die Kontrolle des Waffenhandels im US-Außenministerium. Die damals noch Barack Obama geführte US-Regierung war der Überzeugung, das schon die Verfügbarmachung der Baupläne im Internet die Regeln zur Exportkontrolle für Waffen ITAR (International Traffic in Arms Regulations) verletzt.“

Diese Einschätzung ist im Grunde genommen richtig, aber ein Teppichmesser ist dennoch eine gefährlichere Waffe. Bei der erwähnten Pistole handelt es sich um den sogenannten Liberator – eine quasi Waffe. Mit viel Glück kann diese Plastikpistole tatsächlich – genau einen – Schuss abgeben, danach zerlegt sie sich selbst. Jedoch ist es in der Praxis wahrscheinlicher, dass nur der Schütze verletzt wird – ohne einen Schuss abzugeben – weil die Waffe der kinetischen Energie schlicht nicht standhält. Denn eine Feuerwaffe ist im Wesentlichen nur eine Rohrbombe. Selbst die viel belächelten Kartoffelkanonen arbeiten nach dem selben Prinzip.

>>Spiegel<<

„Ein Knall weckt Esteban Wolkow in der Nacht auf den 24. Mai 1940. Etwa 20 als Polizisten verkleidete Männer stürmen mit Maschinenpistolen ins Haus am Südrand von Mexiko-Stadt. Aus drei Richtungen fliegen Kugeln durch Wolkows Zimmer, der 14-Jährige springt aus dem Bett, hechtet in eine Ecke. Der Angriff morgens um vier gilt seinem Großvater im Zimmer nebenan: Leo Trotzki, eine der Führungsfiguren der Oktoberrevolution von 1917, Gründer der Roten Armee und früheres Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Trotzkis Frau Natalja Sedowa drückt ihn zu Boden, schützt ihn mit ihrem Körper. Die Wachen im Haus schießen zurück und verjagen die Eindringlinge schließlich. Trotzki und Sedowa überleben unversehrt.“

Leo Trotzki wurde kurze Zeit später dennoch ermordet, aber mit keinen Maschinengewehr, sondern mit einen Eispickel. Viele Gegenstände des Alltags lassen sich auch als tödliche Waffe einsetzen und der Eispickel: Dieser hat niemals eine Ladehemmung. Der Fall Leo Trotzki zeigt dabei eindringlich, der beste Schutz ist immer noch, sich selbst verteidigen zu können.

>>Neue Osnabrücker Zeitung<<

„Auf der Mindener Straße, so berichtet es der Sohn (Name ist der Redaktion bekannt), verloren sie bei 50 km/h ein Rad. „Alle Schrauben waren an dem Rad gelockert”, berichtet er. Das Rad sei in Richtung des dortigen Action-Marktes geflogen – habe aber zum Glück niemanden getroffen. „Das wäre tödlich gewesen”, sagt der Sohn. Er habe den Fall angezeigt. „Meine Eltern blieben unverletzt, aber waren geschockt. Das war lebensgefährlich.”

Solche Fälle kann man der Polizei melden, aber eigentlich kann man es auch lassen. In der Regel werden diese Verfahren nach einiger Zeit ergebnislos eingestellt und zu den Akten gelegt. Irgendeinen besonderen Polizeischutz gibt es nur in sehr seltenen Ausnahmefällen und die Betroffenen können normalerweise zusehen, wie sie mit der Situation zurecht kommen. Denn es gibt sehr viele Methoden einen Menschen zu verletzen oder gar zu töten und dazu ist keine Waffe aus dem 3D-Drucker erforderlich. Aber die kleinen wirkungslosen Plastikpistolen erfüllen dennoch einen Zweck: Damit lässt sich Öffentlichkeitswirksam rege Betriebsamkeit simulieren, um von echten Kriminalfällen abzulenken.

 

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